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Baden: Eine Firma - eine Region - viele Kulturen

Schichtende in den 60-er Jahren: Die BBC-Angestellten verlassen die Fabrik.

(ABB)

Das Wirtschaftswunder der 50er-Jahre hat aus vielen Schweizer Städten einen Schmelztiegel verschiedener Nationen und Kulturen gemacht.

So auch aus dem Aargauer Städtchen Baden. Grund: Der Gastarbeiterzustrom für die Firma Brown-Boveri, die heute als ABB multinational tätig ist.

"Die letzten 100 Jahre Stadtgeschichte Badens hängen unmittelbar mit der industriellen Entwicklung zusammen“, sagt der Historiker Bruno Meier. Der grosse Entwicklungsschub setzte vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Die vom Krieg verschonte Schweiz verwendete ihre Produktions-Aktivitäten für den Wiederaufbau des europäischen Kontinents.

Um den grossen Bedarf an Arbeitskräften zu decken, richtete Brown Boveri & Cie (BBC) sogar im Ausland Einstellungsbüros ein, beispielsweise in Mailand. BBC war 1891 gegründet worden und hat das Schicksal von Baden bestimmt. Die Geschichte von BBC ist zudem ein Spiegel der Schweizerischen Industriegeschichte.

Multikulturelles Ambiente

Zuerst suchte man in Italien nach geeigneten Arbeitskräften, dann in Spanien und anderen Ländern: Tausende von Gastarbeitern reisten mit Koffern und Schachteln zu ihrem neuen Arbeitsort Baden.

Das Unternehmen BBC brauchte aber nicht nur tatkräftige Arbeiter. Gefragt waren auch Ingenieure und Techniker. Diese kamen aus der ganzen Welt. Und so wurde aus dem beschaulichen Städtchen Baden ein kosmopolitischer und multikultureller Schmelztiegel.

Heute zählt die Stadt Baden mehr als 4000 Ausländerinnen und Ausländer aus 84 Nationen. Sie stellen einen Viertel der Gesamtbevölkerung.

Die Ausgabe 2004 der "Badener Neujahrsblätter", der kulturellen Jahreszeitschrift Badens, hat die Erfahrungen dieser Frauen und Männer sowie ihre Beziehungen zu ihrer neuen Heimat beschrieben.

In der Zeitschrift wird aufgezeigt, wie die Firma BBC ihren Angestellten anfänglich sehr bescheidene Baracken-Unterkünfte nahe den Fabriken zur Verfügung stellte. 1947 wohnten 120 Arbeiter in der Grauzone zwischen Stadt und Produktionsstätten. 1963 beherbergten die Baracken 1200 Personen.

Von den Holzbaracken in die Wohnblocks

Man teilte sich die Zimmer mit Landsleuten. Es ging bescheiden zu und her. Die Gedanken kreisten um die Familie im Heimatland. Gesellschaftliche Kontakte mit den Einheimischen waren – auch wegen sprachlicher Barrieren – schwierig und eher eine Ausnahme.

Unter den im Buch zitierten Zeitzeugen befindet sich Margherita Spica-Gaiffi, die Tochter des Abwarts im Barackendorf. Sie erzählt, wie sie als Kind die Mensa wahrgenommen hat, ein Dreh- und Angelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Arbeiter. Es war eine Art italienische Insel, in der auch die traditionelle italienische Küche ihren festen Platz hatte.

Nach den Holzbaracken entstanden Ende der 60er-Jahre die Wohnblocks. Diese Häuser haben das Gesicht der Stadt Baden verändert. In einem einzigen Gebäude konnten bis zu 600 Personen wohnen. Ein hoher hygienischer Standard (ein Badezimmer für jede Wohnung) und die Grünflächen neben den Blocks sollten den Willen der BBC-Unternehmensleitung, Verantwortung für die Angestellten zu übernehmen, unterstreichen.

Die neuen Generationen

Dank dieser Wohnungen und besserer Löhne konnten viele Emigranten ihre Ehefrauen in die Schweiz nachkommen lassen. Danach kamen auch die Kinder. Und dank der Integration der Kinder erfolgte eine Annäherung an die lokale Bevölkerung.

So haben die Ausländerrinnen und Ausländer in den letzten Jahrzehnten Baden buchstäblich erobert. Pizzerien und italienische Restaurants sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Doch während Italiener und Spanier sich langsam sozial integrierten, durchlebte Baden als Industriestandort eine anhaltende Krise.

1988 fusionierte die BBC mit ihrer skandinavischen Konkurrentin Asea. So entstand das multinationale Unternehmen ABB (Asea Brown Boveri). Baden verlor jedoch innerhalb des neuen Unternehmens seine Funktion als zentraler Produktions-Standort.

"Heute gibt es im Vergleich zu den 60er Jahren viel weniger Arbeiter. Im Gegenzug hat die Zahl hoch qualifizierter Arbeitskräfte zugenommen, wie die steigende Zahl an Ingenieuren zeigt", sagt Bruno Meier, Redaktor der Zeitschrift "Badener Neujahrsblätter." Diese bringen eine neue Kultur, aber auch neue Sprachen mit, vor allem Englisch.

Spuren des Wandels

Die Publikation ist keine vollständige und kohärente Darstellung des städtischen Wandels in den letzten 50 Jahren. "Durch das Abwechseln von Erzählungen und Tatsachen-Berichten in mehreren Sprachen wollen wir verschiedene Spuren des Wandels dieser Stadt aufzeigen", bilanziert der Historiker Meier.

So entsteht ein Bild, das zugleich ein Spiegel der modernen Schweiz ist. Es zeigt die Präsenz verschiedener Kulturen in einem wirtschaftlichen Kontext, der sich in der Nachkriegsperiode radikal gewandelt hat.

swissinfo, Daniele Papacella
(Übersetzung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Fakten

In Baden wohnen heute 4000 Ausländerinnen und Ausländer mit 84 unterschiedlichen Nationalitäten.

Der Ausländeranteil beträgt zirka 25 Prozent.

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In Kürze

Brown Boveri & Cie (BBC) wurde 1891 gegründet, der starke Entwicklungsschub der Firma erfolgte jedoch erst nach dem 2.Weltkrieg.

Zwischen 1947 und 1963 konnte das Unternehmen seinen Umsatz um das 70-fache steigern.

ABB ging 1988 aus der Fusion der Schweizerischen BBC mit der schwedischen Asea hervor. Das Unternehmen beschäftigt heute weltweit 139'000 Personen.

ABB zählt 7100 Beschäftigte in der Schweiz. Die Mehrheit ist am Hauptsitz in Baden tätig.

ABB ist ein führender Betrieb in der Energie- und Automationstechnik für Versorgungs- und Industrieunternehmen.

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