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Bangen um Bankenjobs

Bankgeheimnis schafft Arbeitsplätze.

(Keystone)

In der Schweiz sind bis 40'000 Personen in der Vermögensverwaltung tätig. Ein massiver Kapitalabfluss hätte für sie beträchtliche Folgen.

Zwar haben die Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU über die Zinsbesteuerung, einem der Dossiers der Bilateralen II, formell noch nicht begonnen. Doch die heftigen Attacken Brüssels gegen das Bankgeheimnis haben den schweizerischen Bankenplatz aufgerüttelt.

Die Grossbanken UBS und die Credit Suisse Group, aber auch kleinere Banken, nehmen die Veränderungen vorweg. Sie eröffnen Filialen in anderen Ländern, um die Kundinnen und Kunden "on shore" direkt in ihren eigenen Heimatländern zu betreuen.

Grosse Sorgen

"Wir machen uns grosse Sorgen, denn Tag für Tag gibt es neue schlechte Nachrichten im Zusammenhang mit dem Bankgeheimnis", sagt Mary-France Goy, Zentralsekretärin des Schweizerischen Bankpersonalverbands.

Die Sorgen sind berechtigt, denn nach den informellen Von-Wattenwyl-Gespächen am vergangenen Freitag herrschte zwischen der Schweizer Regierung und den Spitzen der Parteien, Einigkeit darüber die mit Problemen gespickten EU-Verhandlungen (Bilaterale II) weiterzuführen.

Damit besteht auch die Gefahr, dass die Schweiz EU-Gemeinschaftsrecht übernehmen müsste. Da könnte es für das Bankgeheimnis eng werden.

Amnestiert

Diese Entwicklung ist zwar nicht neu, seit kurzem beschleunigt sie sich aber. Das Bankgeheimnis ist aber nicht der einzige Grund dafür. Dies zeigt sich dieser Tage in Italien. Dank einer Amnestie flossen 34 Mrd. Franken, die an den italienischen Steuerbehörden vorbei auf Schweizer Konton parkiert waren, wieder zurück.

Um solche Kunden nicht zu verlieren, schlagen ihnen die Banken oft vor, ihr Vermögen von einer Filiale in Italien aus verwalten zu lassen. Mit Erfolg: Von den 8,4 Mrd. Franken, die UBS-Kunden in ihre Heimat zurückbringen wollten, wurde gut die Hälfte wieder in UBS-Filialen jenseits der Schweizer Grenze angelegt.

Das On-shore-banking sei eine Möglichkeit für die Banken, sich abzusichern, sagt Michel Dérobert, Generalsekretär der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers. Die Banken bevorzugten es zwar, in der Schweiz tätig zu sein, aber sie hätten keine andere Wahl.

Ausgelagert

Dank eigener Filialen im Ausland könnten die Banken nicht viel verlieren, sagt Goy. Aber wenn das Geld aus der Schweiz verschwinde, bestehe die Gefahr, dass auch vermehrt Arbeitsplätze ins Ausland verlagert würden.

Würde das Bankgeheimnis abgeschafft, gingen in der Schweiz wohl tausende Arbeitsplätze verloren, befürchtet die Zentralsekretärin des Schweizerischen Bankpersonalverbandes.

Um die Folgen einer Abschaffung des Bankgeheimnisses abschätzen zu können, müsste die Menge des Geldes bekannt sein, die an den nationalen Steuerbehörden vorbei auf Schweizer Konten fliesst, relativiert Wirtschaftsprofessor Jean-Christian Lambelet, Direktor des Créa-Instituts der Universität Lausanne.

Offizielle oder wissenschaftliche Angaben dazu existieren nicht. Eine in der Vermögensverwaltung tätige Bank schätzte den Anteil solcher Gelder im eigenen Haus unlängst auf 25 Prozent. Gemäss Lambelet dürfte der Anteil bei den Grossbanken UBS und CSG sehr wahrscheinlich tiefer sein.

Nach Angaben des Créa werden in der Schweiz 40 Prozent aller Privatvermögen der Welt verwaltet. Davon entfallen wiederum 40 Prozent auf den Finanzplatz Genf. Ein Abfluss der europäischen Ersparnisse hätte für Genf und das Tessin schwerwiegendere Folgen als für Zürich, bestätigt Goy.

Festgefahren

Man sollte nicht zu viel spekulieren, hält dagegen Dérobert fest. Die Privat-Bankiers gingen davon aus, dass das Bankgeheimnis nicht abgeschafft werde. Niemand denke daran, mit der EU einen Informationsaustausch zu vereinbaren.

Dérobert erinnert daran, dass die Schweiz in den Verhandlungen mit der EU eine Zahlstellen-Steuer, eine Art Verrechnungssteuer auf Zinsen ausländischer Vermögen, angeboten habe. Die Verhandlungen darüber sind jedoch derzeit festgefahren.

swissinfo und Philippe Gumy, (sda)

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