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Banken und KMU: (Fast) alles geht gut

KMU und Banken: Beziehungen besser als erwartet.

(Keystone)

Entgegen dem landläufigen Bild ist die Zusammenarbeit zwischen Banken und KMU grundsätzlich gut. Nur 15%, vor allem sehr kleine Betriebe, sprechen von einem negativen Verhältnis.

Dies ergab eine Umfrage im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) und der Wirtschaftsverbände.

In den letzten, von der stagnierenden Wirtschaft gezeichneten Jahren hatten sich in der Schweiz negative Schlagzeilen über die Kreditpolitik der Banken gegenüber kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gehäuft.

Dies hatte das seco, die Schweizerische Bankiervereinigung, economiesuisse und die Stiftung KMU zu der repräsentativen Umfrage "Herausforderungen im Dialog zwischen Banken und KMU" veranlasst. Sie soll helfen, die Diskussion um die Zusammenarbeit zwischen KMU und Banken zu versachlichen.

Keine klare Aussage liefert die Untersuchung zur unterschiedlichen Sichtweise der Kantonalbanken und Grossbanken. Anfang Sommer hatten die Kantonalbanken den Grossbanken aufgrund einer Studie vorgeworfen, den KMU den Geldhahn zugedreht zu haben.

Kredite von insgesamt 255 Milliarden

Peter Neuhaus, Geschäftsführer der Stiftung KMU Schweiz, zeigte sich über die Resultate der Umfrage überrascht. Trotz der Ergebnisse bleibe er bei der Aussage, dass vor allem Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitenden bei der Kreditvergabe benachteiligt würden.

Das Kredittotal der Banken an Unternehmen mit bis zu 259 Mitarbeitenden war Ende 2002 bei insgesamt 255 Milliarden Franken gelegen, wie es bei der Präsentation der Umfrage hiess. Allein das Segment der kleinen Unternehmen schlug dabei mit 122 Milliarden zu Buche, wie aus seco-Unterlagen hervorgeht.

Der Marktanteil für KMU umfasst bei den Grossbanken 39% und liegt somit etwa gleich hoch wie bei den Kantonalbanken.

Zusammenarbeit etwas besser geworden



Überraschend: Nach den am Freitag in Bern vorgelegten Ergebnissen der Umfrage zeigten sich 60% der befragten KMU mit ihrer Bank insgesamt zufrieden. 25% sprachen von einem neutralen Verhältnis. Nur gerade 15% bezeichneten die Zusammenarbeit als negativ.

Die Entwicklung der Zusammenarbeit mit den Banken verbesserte sich in den letzten drei Jahren aus Sicht der KMU sogar leicht.

Keine grossen Unterschiede gibt es der Umfrage zufolge bezüglich Regionen und Sektoren, hingegen sind mittlere Unternehmen (50 bis 240 Mitarbeitende) markant zufriedener mit ihrer Bank als Mikrounternehmen (bis 9 Mitarbeitende). Das gleiche gilt für Unternehmen mit einer guten wirtschaftlichen Entwicklung; sie bewerten die Beziehung zu ihrer Bank als positiv.

Funktionierender Kreditmarkt



Das seco zeigte sich über die Resultate der Umfrage erfreut. Der Dachverband der Wirtschaft, economiesuisse, erklärte, die Untersuchung liefere aus Sicht der Volkswirtschaft Evidenz dafür, dass es einen funktionierenden Kreditmarkt gebe.

Trotz der positiven Bilanz der Umfrage gebe es immer wieder Anpassungen, die manchmal für gewisse Unternehmen negative Konsequenzen mit sich trügen, sagte Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Standortförderung im seco.

Wermutstropfen



Ein Wermutstropfen bleibe, denn kleine Unternehmen beurteilten die Situation deutlich weniger positiv, hob Scheidegger hervor. Das sei aber ein altbekanntes Problem. Für die Banken seien die Transaktionskosten sehr hoch – und nur teilweise vom Kreditbetrag abhängig.

Dies benachteilige kleine Unternehmen deutlich. Sie seien es auch, die mit den von den Banken geforderten Unternehmens-Daten am meisten Probleme hätten.

Das seco setze seine Hoffnungen in diesem Zusammenhang auch in neue Akteure wie Postfinance und Raiffeisen. Für das seco und das ganze Volkswirtschafts-Departement (EVD) sei die Finanzierung von KUMU ein wichtiges Thema. Die Bundesverwaltung könne aber nicht das Bankensystem substituieren.

Schwachpunkt Information



Als Schwachpunkt identifiziert die Befragung die gegenseitige Information der Partner. Einerseits müssten die Banken ihre Rating-Kriterien und ihren Informationsbedarf offensiver kommunizieren, andererseits müssten sich die Unternehmen besser auf Kreditgespräche vorbereiten und aussagekräftigere Unterlagen erstellen.

Rudolf Walser, Chefökonom der economiesuisse, erklärte, Unternehmen müssten sich damit abfinden, dass das Rating zu einem Werkzeug werde, das man nicht mehr wegdenken könne. Ein gutes Rating sei keine Frage der Grösse eines Unternehmens, entscheidend seien vielmehr die Qualität der Führung, eine aussichtsreiche Strategie und geordnete Finanzen.

Die grösste Diskrepanz bei der gegenseitigen Einschätzung zeigt sich bei der Bewertung der Informationsgrundlagen für Kreditgesuche: Die Banken beurteilen die Qualität der Unterlagen als ungenügend, die Unternehmen schätzen sie als gut ein.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Für die Umfrage zum Dialog zwischen Banken und KMU wurden 438 KMU befragt.

Ende 2002 hatte sich das Kredittotal an KMU auf insgesamt 255 Mrd. Franken belaufen.

Zwei Drittel aller Beschäftigten in der Schweiz – also rund 2,6 Mio. Personen - arbeiten in KMU

Gegen 99% aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU, also rund 300'000 Betriebe

KMU beschäftigen bis zu 250 Personen

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