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Blitzoperation oder langer Krieg?



Nach einem Luftschlag französischer Kampfjets posiert ein Soldat der Aufständischen auf einem ausgebrannten Panzer der Gaddafi-Truppen rund 25 Kilometer ausserhalb von Benghasi.

Nach einem Luftschlag französischer Kampfjets posiert ein Soldat der Aufständischen auf einem ausgebrannten Panzer der Gaddafi-Truppen rund 25 Kilometer ausserhalb von Benghasi.

(Keystone)

Die westliche Militärintervention gegen das Regime des libyschen Herrschers Gaddafi wird von der Schweizer Presse zwar einhellig begrüsst, aber es bleibt ein ungutes Gefühl dabei. Was nachher kommt, ist für einige Kommentatoren ungewiss.

"Waghalsiger Einsatz", titelt der Zürcher Tages-Anzeiger, und die Schlagzeile in der Genfer Zeitung Le Temps lautet: "Die Angriffe der Koalition retten die Opposition in Benghasi. Und nachher?"

Die Frage des "Nachher" beschäftigt einige Kommentatoren. "Was geschieht, wenn die Rechnung nicht aufgeht und, trotz des massiven Bombardements, das Regime des ölreichen nordafrikanischen Landes nicht zusammenfällt?", fragt sich die Basler Zeitung. "Kampfjets und Raketen mögen die Zivilbevölkerung vor der unvorstellbaren Gewalt des Diktators und seiner Helfer schützen, ein Konzept für die Lösung der libyschen Krise enthalten sie aber nicht."

Erste Kritik an der Intervention

Nach den Militärangriffen am Wochenende fielen bereits die ersten Kritiken an der von Frankreich angeführten Koalition, schreibt die Freiburger Zeitung  La Liberté. Das Endziel der Operation bleibe ambivalent. Und das Blatt fragt sich: "Blitzoperation oder langer Krieg?"

Der Berner Bund titelt "Arabische Liga kritisiert Luftschläge" und weist darauf hin, dass deren Präsident Amr Mussa dem Westen vorwerfe, er bombardiere Libyen masslos. Die Neue Zürcher Zeitung, die NZZ, gibt zu bedenken, dass die Staatschefs von Mauretanien, Südafrika, Mali, Kongo-Brazzaville und Uganda, die von der Afrikanischen Union mit einer Vermittlungsmission beauftragt sind, jede militärische Intervention verurteilt und eine "afrikanische Lösung" verlangt haben.

Irak und Afghanistan im Hinterkopf

Die Lausanner Zeitung 24heures spricht von einem erneuten "cauchemar" (Albtraum), der einem nach dem Start der Militärflugzeuge befallen habe. Die Erinnerung an den Beginn der Kriege in Irak und Afghanistan sei noch zu jung, um schon ausgelöscht zu sein. "Der Krieg, um die Zivilbevölkerung zu schützen, einverstanden. Aber bis wohin?", fragt sich 24heures besorgt.

Auch der Tages-Anzeiger erinnert an Irak und Afghanistan: "Acht Jahre nach dem verhängnisvollen Einmarsch in Irak und nahezu ein Jahrzehnt nach der Intervention in Afghanistan hat ein US-Präsident neuerlich einen Angriff auf ein islamisches Land befohlen."

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger George W. Bush habe Obama im Fall Libyens zwar eine tatsächliche Koalition, inklusive der Arabischen Liga, sowie eine eindeutige UNO-Resolution hinter sich. "Schon jetzt aber muss gefragt werden, wohin der US-Präsident wirklich will. Möchte er Gaddafi stürzen? Oder eine Lanze für die arabische Demokratie in Tripolis, nicht aber in Jemen und in Bahrain brechen? Und was soll werden, wenn der ebenso gewiefte wie unberechenbare libysche Despot statt innerhalb von Tagen klein beizugeben über Wochen und Monate um Macht und Leben kämpft?", fragt sich der Tages-Anzeiger.

"Support hat seinen Preis"

Das ist der Titel des Kommentars in der Neuen Luzerner Zeitung, für die es erste Anzeichen gibt, "wonach sich der Westen die arabische Gunst für den Libyen-Einsatz nicht umsonst gesichert haben könnte". Denn während Saudiarabiens König Abdullah die libyschen Demokratie-Aktivisten unterstütze, eile er mit Hunderten seiner Soldaten seinem Amtskollegen in Bahrain zu Hilfe, um dessen autokratische Herrschaft abzusichern. "Dies, ohne Widerstand des Westens befürchten zu müssen."

Womöglich müsse Bahrains demokratische Opposition einen hohen Preis für die Befreiung der libyschen Aufständischen bezahlen, schreibt die NLZ. "Eine Nebenwirkung, die den Libyen-Einsatz trübt."

Für Le Temps ist es wichtig, die Ziele der Intervention zu erklären. "Ohne dies könnten die Spaltungen innerhalb der Koalition und insbesondere im arabischen Lager die Erfolgschancen zunichte machen."

Deshalb kommt die Tessiner Zeitung La Regione zum Schluss: "Sich von Gaddafi zu befreien, ist ein gutes Programm, aber man wird noch schauen müssen, ob das auch für die Methode gilt, die dazu gewählt worden ist."

Ölpreis steigt

Die Militäraktion westlicher Truppen in Libyen hat den Ölpreis am Montag in die Höhe getrieben.

Nordsee-Öl der Sorte Brent verteuerte sich um 2,26 Dollar auf 116,19 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI legte knapp 2 Dollar auf rund 103 Dollar pro Fass zu.

Unsicherheit und Angst trieben den Ölpreis kurzfristig in die Höhe, sagen Analysten.

Da Machthaber Muammar al-Gaddafi nicht den Anschein mache, aufgeben zu wollen, sei im Laufe der Woche mit weiteren Turbulenzen am Ölmarkt zu rechnen.

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