Blut am Handy - mischelt Schweizer mit?

Kriegsspuren aus dem Kongo. Keystone

Mit dem Handel des begehrten "Handy-Rohstoffs" Coltan wird im Kongo der Krieg mitfinanziert. Am Pranger steht auch ein Schweizer Geschäftsmann.

Dieser Inhalt wurde am 15. Januar 2002 - 18:06 publiziert

Die internationale Gemeinschaft solle ein temporäres Embargo gegen den Handel mit Coltan verfügen, der den Krieg im Kongo finanziere, fordern Nichtregierungs-Organisationen. Unter den verschiedenen Geschäftsleuten, die für die Finanzierung des Krieges in der Demokratischen Republik Kongo verantwortlich gemacht werden, figuriert der Schweizer Chris Huber.

Das geht aus einer Studie des Antwerpener Instituts International Peace Information Service (IPIS) hervor, die von über 30 Nichtregierungs-Organisationen (NGO) in Brüssel vorgestellt wurde. Unter diesen Organisationen war auch das Schweizer Hilfswerk Fastenopfer vertreten.

Die Nichtregierungs-Organisationen appellierten an Unternehmen wie Siemens, Alcatel und Nokia, den "Handy-Rohstoff" Colombo-Tantalit oder Coltan aus Kriegsgebieten nicht mehr für ihre Produktion zu verwenden. Die Zahl der Opfer allein im Kongo wird auf rund 2,5 Millionen Menschen seit 1998 geschätzt.

Huber und seine Off-shore-Firmen

Gemäss IPIS spielt der Schweizer Chris Huber eine wichtige Rolle bei der Mitfinanzierung des Krieges im ostafrikanischen Ruanda, das die Rebellen im Osten Kongos unterstützt. Hubers Off-shore-Firmen wie Finmining und Raremet kauften Coltan von Rwanda Metals, einem Unternehmen der ruandischen Armee.

Wie Ierun Cuvelier, Mitautor der IPIS-Studie, gegenüber swissinfo erklärt, verkaufe Huber das Erz wiederum nach Kasachstan. Dabei - so Cuvelier - bediene er sich der Verbindungen von Waffenschiebern. Chris Huber war für swissinfo für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Bundesrat soll handeln

Die Nichtregierungs-Organisationen empfehlen nun dem Bundesrat und dem Schweizer Parlament, eine weitreichende Untersuchung zu den Aktivitäten Hubers und jenen seiner ausländischen Firmen in die Wege zu leiten.

Ierun Cuvelier vom IPIS hofft, dass die Schweizer Regierung schnell handelt. Denn Huber sei schon seit 1997 aktiv im Coltan-Geschäft. Er sei einer der wichtigsten Partner der ruandischen Armee. Deshalb sei es sehr wichtig, Huber aufzufordern, seine Aktivitäten offenzulegen. Und wenn er nicht beweisen könne, dass er seine Geschäfte gemäss internationalen Gesetzen abwickle, müsse ihn die Schweizer Regierung festnehmen, meint Cuvelier zu swissinfo.

Der Bundesrat war schon Ende September letzten Jahres in einer parlamentarischen Fragestunde auf den Coltan-Handel im Ostteil Kongos in fast 100 Mio.-Dollar-Höhe angesprochen worden. Wirtschaftsminister Pascal Couchepin hatte darauf erklärt, das entsprechende UNO-Expertengremium, in dem auch der Schweizer Gilbert Barthe einsass, habe sich sehr zufrieden über die Zusammenarbeit mit Bern geäussert.

Vorher schon gehandelt haben die belgische Fluggesellschaft Sabena und die Swissair. Nach eigenen Angaben beschlossen sie am 15. Juni vergangenen Jahres mit sofortiger Wirkung einen Ausfuhrstopp für Coltan aus Ostafrika. Dies bestätigt Ierun Cuvelier gegenüber swissinfo. Das sei auf Druck des UNO-Berichtes vom April 2001 geschehen, der klar aufzeige, dass sich die kongolesische Rebellen-Bewegung RCD, die den Osten des Landes kontrolliert, durch den Coltan-Export finanziert. Auch die Regierungen von Ruanda und Uganda profitierten davon.

UNO-Klartext

Die UNO spricht in ihrem Bericht Klartext in Sachen Plünderung des Kongos durch Kriegsgewinnler. Zwar würden die meisten illegalen Aktivitäten von regionalen Firmen und Akteuren organisiert, doch würden zum Beispiel ruandische Mineralien-Exporte auch über Firmen mit Sitz ausserhalb der Region abgewickelt, darunter solche in der Schweiz, heisst es darin.

Die nahezu unerschöpflichen Bodenschätze der Demokratischen Republik Kongo gerieten dem krisengeschüttelten Land immer mehr zum Fluch. Skrupellose Profiteure nutzten die politischen Wirren für ihre kriminellen Geschäfte und verlängerten damit den Krieg. Deshalb verlangt der UNO-Bericht Sanktionen.

Auch Gorillas gefährdet

Als besonders begehrten Rohstoff führt der Bericht Coltan (Columbit-Tantali) an, ein seltenes Metall, das für die Produktion von Hi-Tech-Produkten wie Mobil-Telephone und Mikrochips benötigt und von Ruanda exportiert wird. Zwei Drittel der Coltan-Weltvorräte liegen in der DR Kongo.

Über 10'000 Minenarbeiter sind im kongolesischen Kahuzi-Biega Nationalpark mit dem Abbau dieses kostbaren Erzes beschäftigt. Diese Region ist eines der wichtigsten Rückzugsgebiete für die seltenen Grauer-Gorillas.

Deren Bestände sind innerhalb weniger Jahre von 8000 auf 1000 gesunken. Ursache für diesen dramatischen Rückgang der Menschenaffen, aber auch anderer bedrohten Arten, ist der Abbau von Coltan. Sie werden von den Minenarbeitern als Fleischquelle abgeschlachtet.

Schweizer Wirtschaft an Geschäften mit Kongo interessiert

Trotz der instabilen Lage in der DR Kongo ist die Schweizer Wirtschaft an Geschäften mit dem Land interessiert. Das sagt Hugo P. Salvisberg, Mitglied der Schweizer Handels- und Industriekammer für zentralafrikanische Länder, gegenüber swissinfo. Man bemühe sich sehr, Kontakte mit dem neuen kongolesischen Machthaber Joseph Kabila zu entwickeln.

Es sei wichtig, dass die Schweiz in der dortigen Region präsent sei, nicht nur entwicklungspolitisch. Vor allem kleinere und mittlere Schweizer Unternehmen wären interessiert. Demnächst wolle die Kammer im nahegelegenen Land Kamerun mit einem Schweizer Pavillon solche Unternehmen präsentieren.

Jean-Michel Berthoud

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