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Brüssel will sparsamere Automodelle vorschreiben

Fahrzeugmotoren könnten viel klimafreundlicher gebaut werden.

(Ex-press)

Die Kommission der Europäischen Union (EU) will die Autoindustrie zur Herstellung von sparsameren Modellen zwingen.

Das Schweizer Parlament hat sich bereits grundsätzlich dafür ausgesprochen, die Brüsseler Regelung zu übernehmen.

Nun wird es ernst für die Fahrzeugindustrie in Europa: Am Mittwoch präsentierte die EU-Kommission einen Gesetzgebungs-Vorschlag, der die Hersteller zwingen soll, bis 2012 deutlich sparsamere Fahrzeuge zu entwickeln.

Für EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso muss die EU ihrem Bekenntnis zum Klimaschutz nun Taten folgen lassen: "Der Vorschlag zeigt, dass die Europäische Union sich verpflichtet hat, bei der Verringerung des CO2-Ausstosses weltweit führend zu sein."

Die neue Regelung diene sowohl der Umwelt wie den Autofahrern, betonte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas: "Sie wird massive Einsparungen beim Treibstoffverbrauch und damit einen beträchtlichen Nutzen für die Konsumenten bringen."

Treibstoffverbrauch und CO2-Ausstoss verlaufen parallel

In der Tat ist der Ausstoss von CO2 direkt vom Verbrauch an Treibstoff abhängig – demnach reduzieren klimafreundlichere Autos immer gleichzeitig auch den Verbrauch - und die Fahrkosten.

Konkret will die EU-Kommission den durchschnittlichen CO2-Ausstoss von heute 160 Gramm pro Kilometer für neue Autos bis 2012 auf 120 Gramm senken.

Ein Wert von 130 Gramm muss mit Fahrzeugtechnik im engeren Sinn erreicht werden. Letzterer entspricht einem Verbrauch von 5,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Zum Vergleich: Heute verbraucht ein durchschnittlicher Neuwagen in der EU 6,7 Liter Benzin oder 6,1 Liter Diesel.

Schweizer Neuwagen viel durstiger als europäische

Noch viel durstiger sind mit einem Treibstoffverbrauch von 7,6 Liter die Neuwagen in der Schweiz. Auch dies soll sich ändern: Das Schweizer Parlament hat sich bereits grundsätzlich dafür ausgesprochen, die neue Regelung der EU zu übernehmen.

Die weltweite Debatte um die drohende Klimaerwärmung hat offenbar auch unter Schweizer Politikern zu einem Umdenken geführt.

Der Nationalrat beauftragte im März den Bundesrat mit 130 zu 41 Stimmen, "die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, damit die durchschnittlichen Emissionen von in der Schweiz neu immatrikulierten Personenwagen sich ab 2012 an den Vorschriften der EU orientieren". Der Ständerat stimmte Anfang Oktober sogar stillschweigend zu.

Abkehr von der Politik der Freiwilligkeit

Dies ist eine deutliche Abkehr von der Politik der freiwilligen Vereinbarungen mit den Autoimporteuren, die ihre Ziele bei weitem verfehlt hat: 2006 betrug der durchschnittliche Verbrauch von Neuwagen in der Schweiz 7,6 Liter pro hundert Kilometer.

Das für 2008 vereinbarte Ziel von 6,4 Litern wird damit unerreichbar. Auch europaweit steht die Schweiz schlecht da: Nur in Schweden stossen die Autos noch mehr CO2 aus.

Im Bundesamt für Energie begrüsste man gestern den Vorschlag der EU-Kommission. "Er geht in die richtige Richtung", sagte Pascal Previdoli, Leiter der Abteilung Energiewirtschaft. "Ziele alleine reichen nicht, es braucht griffige Sanktionen."

Man müsse sich nun überlegen, wie man den Mechanismus der EU-Regelung auf die Schweiz übertragen könnte. "Wir werden den EU-Vorschlag sorgfältig analysieren", versprach er.

VCS erfreut an Sanktionsdrohungen

Kurt Egli der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) kritisierte am EU-Vorschlag, dass schwereren Fahrzeugen gestattet wird, mehr CO2 auszustossen: "Dies ist aus Umweltsicht falsch."

Richtig sei aber, dass die EU-Kommission die Ziele nun mit Sanktionen durchsetzen wolle. "Nachdem die Freiwilligkeit völlig gescheitert ist, brauchen wir nun auch in der Schweiz Vorschriften", forderte Egli.

Auch Greenpeace äusserte Kritik. Die Umweltorganisation monierte indessen die Verzögerung der Umsetzung wegen der Staffelung.

"Industriepolitik zulasten Deutschlands"

Aus Berlin liess Kanzlerin Angela Merkel umgehend verlauten, sie glaube, "dass hier Industriepolitik gemacht wird zulasten Deutschlands und der deutschen Autohersteller".

Denn Deutschland mit seinen Herstellern primär der Luxusklasse befürchtet Milliardenstrafen. Sie befürchtet auch Nachteile gegenüber der Konkurrenz aus Frankreich und Italien.

Doch die Brüsseler Pläne wurden von britischen und französischen Autobauern ebenfalls kritisiert.

Zielerreichung - oder Strafzahlung

Dass die Ziele erreicht werden, will die EU-Kommission mit der Androhung von Strafen erreichen. Diese sollen gestaffelt eingeführt werden und innert vier Jahren auf 95 Euro pro zu viel ausgestossenem Gramm Kohlendioxid pro Neuwagen steigen.

Diese Strafen sind für den europäischen Auto-Herstellerverband ACEA "nicht akzeptabel".

swissinfo, Simon Thönen, Brüssel, und Agenturen

Vorliebe für Boliden

Der Fahrzeugpark der Schweizer setzt sich zu einem guten Anteil aus grossen Autos zusammen.

Grosse und schwere Fahrzeuge brauchen grössere Motoren, verbrauchen mehr und stossen mehr Treibhausgase aus.

Laut einer Studie des Bundesamts für Energie aus dem Jahr 2004 stiessen Neuwagen durchschnittlich 192 Gramm CO2 pro Kilometer aus.

Dieser Wert liegt klar über dem Durchschnitt der damals 15 EU-Länder.

Nur Schweden übertrifft die Schweiz noch mit einem Ausstoss von 196 Gramm/km.

Deutschland kam auf 174 Gramm, Österreich auf 161, Frankreich auf 152 und Italien auf 149.

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Schweizer Umweltsurvey 2007

Vier von fünf Schweizern sehen laut der ETH-Studie im Klimawandel eine Gefahr.

In einer entsprechenden Umfrage 1994 war es erst die Hälfte gewesen.

Die Ansichten in den verschiedenen Sprachregionen in Sachen Umweltbewusstsein haben sich angepasst: Die Westschweiz sei grüner geworden.

Der deutlichen Zunahme in der Gefahren-Einschätzung steht eine fast unveränderte Grundeinstellung zur Umweltproblematik gegenüber.

Zwei von drei Befragten sind überzeugt, dass eine Umweltkatastrophe unausweichlich sei, wenn nichts verändert werde.

Die Unausweichlichkeit von persönlichen Einschränkungen sehen die meisten der Befragten.

3369 Haushaltungen wurden zwischen November 2006 und März 2007 durch das Link-Institut befragt.

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