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Buchführungs-Probleme verunsichern die Börse

Adecco geriet an der Börse unter Druck, alle Marktteilnehmer waren von den Problemen überrascht worden.

(Keystone)

Adecco, die Nummer 1 der weltweit tätigen Personal-Dienstleister, hat die Veröffentlichung ihres Jahresabschlusses verschoben.

Grund sind Unregelmässigkeiten in der Buchführung in den USA. Die Ankündigung und das Fehlen von weiteren Informationen hat die Börse stark verunsichert.

Adecco hat Probleme mit den Geschäftsbüchern: Die in Glattbrugg, Kanton Zürich, domizilierte Adecco teilte am Montag mit, im nordamerikanischen Zeitarbeitsgeschäft seien in einer Routineprüfung "materielle Schwachstellen" in der internen Kontrolle identifiziert worden.

Um alle Punkte zu untersuchen und mögliche Auswirkungen auf den Jahresabschluss festzustellen, habe der Prüf- und Finanzausschuss des Verwaltungsrates einen unabhängigen Berater hinzugezogen.

Angesichts der kürzlichen Bilanzskandale reagierten die Anleger mit grosser Verunsicherung. Der Börsenwert des Unternehmens halbierte sich beinahe und die Banken stuften Adecco gleich reihenweise zurück - dieser Prozess ging auch am Dienstag weiter.

Die Ankündigung von Adecco sei "eine grosse Enttäuschung und eine böse Überraschung", sagte Jérôme Schupp, Analyst der Bank Syz & Co am Montag. Zudem fehlten weitere Informationen wie ein neues Datum für die Veröffentlichung von Geschäftszahlen.

Markt überrascht - kaum weitere Informationen von Adecco

"Es gab keinerlei Anzeichen für diese Probleme bei Adecco", so Schupp weiter. Der Absturz der Aktie am Montagmorgen zeige die Überraschung der Märkte.

Der Analyst Roger Steiner von Julius Bär Brokerage wies darauf hin, dass die Analysten nicht mehr Informationen erhalten hätten. Und auch gegenüber swissinfo bestätigte Vanessa Muir, Kommunikations-Verantwortliche bei Adecco: "Im Moment kann ich nichts dazu sagen."

Die Revisionsstelle Ernst & Young gab ebenfalls keinen Kommentar ab. Die Waadtländer Justiz und die Schweizer Börse SWX wollen den weiteren Verlauf der Untersuchungen abwarten.

Gegenüber der "New York Times" sagte Adecco-Finanzchef Felix Weber am Dienstag, seiner Ansicht nach habe das Unternehmen keine Bilanzprobleme oder Unregelmässigkeiten in der Buchhaltung. Es gehe um Fragen der Abläufe. Die Mitteilung habe die Probleme gravierender erscheinen lassen als sie seien.

Ausmass noch unklar

Detaillierte Angaben fehlen jedoch weiterhin. Natürlich sei die Lage nach den Fällen Parmalat und Ahold an der Börse etwas angespannt, sagte der Analyst Roger Steiner weiter. Zweifellos sei die Führung der Holding ebenso überrascht worden. Jetzt müssten so rasch wie möglich weitere Informationen geliefert werden.

Der gleichen Meinung ist man auch bei der Firma Dynacapital, die im Bereich Asset Management tätig ist. "Man spürt, dass etwas faul ist, aber man kennt das Ausmass noch nicht."

Erstaunen ebenfalls bei Barclay's Stock Brokers in London. Hillary Cook, Direktorin für Investment Strategien, ergänzte zudem gegenüber swissinfo: "Man ist sehr übberrascht, dass das einer Schweizer Firma passiert."

"Wann immer etwas Ähnliches passiert, gibt es im Markt jeweils die Ängste, dass es sich um die Spitze des Eisberges handelt", sagte Nigel Cobby, Managing Director europäische Aktien bei JP Morgan.

Angesichts der dürftigen Informationen könnten Bilanzfälschungen nicht ausgeschlossen werden, schrieb die Zürcher Kantonalbank in ihrem Marktbericht.

Temporäre Arbeit wächst

Das gegenwärtige wirtschaftliche Umfeld für Temporärarbeit ist sehr gut, besonders in den USA, wo die Wirtschaft schon angezogen hat. Aber ausgerechnet die Geschäftstätigkeit in den USA wurde in der Mitteilung als Problemkind erwähnt.

Die Verschärfung der Kontrollmechanismen auf der anderen Seite des Atlantiks könnte die Verzögerung erklären, das sei aber noch offen, sagte Schupp von Syz & Co. Es sei schon bedenklich, dass ausgerechnet in den USA, wo derzeit viel über ethisches Verhalten gesprochen werde, die grössten Probleme aufgetaucht sind.

"Ich glaube nicht, dass Adecco den Fällen Ahold oder Enron ähnlich ist. Adecco ist finanziell gesehen bei guter Gesundheit." Zudem seien die USA nicht der Hauptmarkt des Unternehmens, sagte Schupp weiter.

Bei der Schweizer Börse zeigte man sich gelassen. Adecco verfüge über eine Frist von sechs Monaten, um seine Resultate für das Geschäftsjahr vorzulegen, sagte Swiss-Exchange-Sprecher Jürg von Arx. Dass das Unternehmen kein Publikationsdatum nenne, zeige, dass weitere Zeit für die Prüfung nötig sei.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Mit 25 Mrd. Fr. Umsatz, 28'000 Angestellten und 5800 Filialen in 68 Ländern ist Adecco der grösste Personalvermittler der Welt.

Der in Glattbrugg (ZH) ansässige Konzern ging 1996 aus der Fusion von Adia und Ecco hervor.

Durch Wachstum und milliardenteure Firmenkäufe wurde der Umsatz seither mehr als verdoppelt.

Meilensteine waren die Akquisition der amerikanischen Gesellschaften TAD und Olston sowie der britischen Delphi Group.

Die Tätigkeit des Konzern gliedert sich in das Massengeschäft von Adecco Staffing, die Kaderstellenvermittlung Ajilon und die Karriereberatung Lee Hecht Harrison.

Grösste Aktionäre sind der schweizerisch-deutsche Financier Klaus J. Jacobs (16%) und die französische Familie Foriel-Destezet (18%).

Der Verwaltungsrat und das Management um Präsident John P. Bowmer und Generaldirektor Jerome Caille halten gut einen Drittel der Aktien.

Adecco sieht sich als Verkämpferin für eine "Neudefinition des Arbeitsbegriffes". Weltweit arbeiten 650'000 Angestellte in den verschiedensten Branchen für Adecco.

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