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Der verpolitisierte Körper der Frau

Boushra Almutawakel

Die Schweiz ist am 7. März dem Beispiel von Frankreich und Österreich gefolgt und hat ein Verhüllungsverbot beschlossen. Die Debatte um religiöse Selbstbestimmung und politischen Islam bildete die Komplexität des Themas nur teilweise ab. Der Körper von Frauen wird vielfach zum Objekt der Fremdbestimmung - und das hinterlässt Spuren in der Biografie. Drei Musliminnen erzählen.

Dieser Inhalt wurde am 31. März 2021 - 14:00 publiziert

Elham Manea war die wohl prominenteste islamische Stimme in der Schweiz, die sich für ein Verbot der Burka und des Niqab eingesetzt hat. Für die Privatdozentin und Menschenrechtsaktivistin handelt es sich dabei um Symbole eines politischen Islams, der Frauen unterdrückt, ihnen Rechte und Freiheit nimmt. Manea hat selbst in ihrer Vergangenheit Schleier und Tschador getragen und den befreienden Moment, in dem sie beides ablegte - in einer Flughafentoilette in Deutschland - noch in lebhafter Erinnerung. 

Die Fotografin Bushra Al-Mutawakel hingegen verbindet ihre Erinnerungen an die Verhüllung mit einem Gefühl der Ermächtigung. Im Niqab habe sie eine übernatürliche Kraft, die sie unsichtbar mache, während sie alles und jede Person sehen könne, erzählt sie. In ihrer Arbeit dekonstruiert die Fotografin vermeintliche Gewissheiten im Blick auf Frauen. Diese seien im Osten das Ziel einer autoritären Stammesgemeinschaft, im Westen aber seien sie genauso unfrei, denn hier bedient sich Kapitalismus ihrer Erscheinung und versucht diese festzuschreiben.

Irgendein Geflecht von Faktoren wirke immer auf den Körper und das Erscheinungsbild von Frauen ein - zu diesem Schluss kommt auch Safa Karman. Die Polit-Analystin, die in Harvard studiert hat, wurde mit einem YouTube-Video weltbekannt, in dem sie ihre Gründe für den Verzicht auf die Verschleierung darlegte. Ihre Erfahrungen zeigen auch, wie hartnäckig sich das Erscheinungsbild von Frauen in der öffentlichen Debatte hält, als gäbe es ein internationales Recht, Frauen nach ihrer Kleidung und ihrem Äusseren zu beurteilen.

Mit solchen und anderen Erwartungshaltungen spielen die fotografischen Arbeiten von Bushra Al-Mutawakel, von denen wir hier eine Auswahl zeigen. Die Bilder wollen Fragen aufwerfen, nach alternativen Normen und Denkmustern. Sie zeigen anschaulich, wie der Körper und das Erscheinungsbild von Frauen auch unbewusst politisch besetzt ist - über die Grenzen verschiedener Kulturen und Religionen hinaus.

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