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Cannabis - Europas Droge Nummer 1

Hanfernte im September in Martigny im Wallis. Hanf wird nicht nur geraucht, es ist auch ein Derivativprodukt.

(Keystone)

Die UNO ist besorgt über den Hanf-Konsum in der Schweiz und in Europa. Mildere Kontrollen liefen den Anstrengungen zuwider, gegen Kulturen und Konsum vorzugehen, so die Kritik.

Probleme sieht die UNO-Drogen-Kontrollbehörde auch im wachsenden Handel mit illegalen Medikamenten im Internet.

In der Schweiz wird gemäss dem Jahresbericht des Internationalen Suchtstoff-Kontrollrates der UNO (INCB) auf 300 bis 500 Hektaren Hanf angebaut. 500 bis 200 Tonnen Hanfpflanzen werden pro Jahr geerntet. Gemäss Schätzungen konsumieren 11'000 15- und 16-Jährige mehr als 40 Mal pro Jahr Cannabis.

Im EU-Raum hat gemäss dem Bericht fast jeder dritte Jugendliche schon einmal Cannabis konsumiert.

In Frankreich, Spanien und in Grossbritannien sind die Anteile der Cannabis-Konsumenten unter den 15- bis 24-Jährigen am grössten. In Österreich, Griechenland, Luxemburg, Portugal und Schweden liegen die Quoten am tiefsten.

"Cannabis bleibt die Droge Nummer eins in Europa", erklärte INCB-Sekretär Herbert Schaepe. Cannabis-Abhängigkeit sei mittlerweile der Grund für 25% aller Drogen-Therapien. Dennoch blieben "gezielte Präventionsmassnahmen" der Regierungen aus.

Schweiz: Revision seit 10 Jahren

In der Schweiz wird seit 10 Jahren über eine Revision des Betäubungsmittel-Gesetzes nachgedacht. Ein zentraler Punkt der Debatte ist Cannabis. Die Hardliner sprechen sich für eine Drogenpolitik aus, die auf den vier Säulen Prävention, Therapie, Risikoreduktion und Repression basiert.

Dem setzen die Verfechter einer Entkriminalisierung des Hanf-Konsums entgegen, dass die bisherige repressive Politik nicht zu den gewünschten Resultaten geführt habe.

Der Ständerat, die Kleine Kammer des Schweizer Parlaments, hatte schon 2001 der Entkriminalisierung des Konsums leichter Drogen zugestimmt. Im Nationalrat erfuhr der Gesetzes-Entwurf letzten Herbst - kurz vor den Parlamentswahlen – Schiffbruch: Der Rat weigerte sich, auf die Vorlage einzutreten:

Nun kam der Ständerat diese Woche nochmals darauf zurück - und beharrt auf der Entkriminalisierung, deutete aber Kompromissbereitschaft in einigen Bereichen an.

Innenminister Pascal Couchepin überraschte mit dem Eingeständnis, dass der Alltag der Hanf-Läden mit dem gesetzlichen Rahmen in keiner Weise überstimme.

Das Betäubungsmittel-Dossier geht jetzt erneut an den Nationalrat.

Illegaler Medikamenten-Handel

Die UNO-Behörde prangert in ihrem Jahresbericht auch den illegalen Handel mit Medikamenten im Internet an. Zunehmend würden verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept über Internet-Apotheken vertrieben. Auch in diesem Bereich wird die Schweiz im INCB-Bericht erwähnt.

Zur Eindämmung des Medikamenten-Handels im Internet müssten die Regierungen weltweit den Handel mit den "kontrollierten Drogen" durch einheitliche Rechtsvorschriften regeln, fordert die INCB.

Vor allem Menschen, die aus Bequemlichkeit und Sparsamkeit Medikamente über das Internet bestellten, liefen Gefahr, von diesen Arzneien abhängig zu werden. Die auf diesem Weg bezogenen Arzneimittel werden nicht nur innerhalb eines Landes, sondern auch ins Ausland verschickt.

Auf ihren Seiten im Internet verharmlosten die illegal betriebenen Apotheken Medikamente, die süchtig machen können. Ein Beispiel sei das amphetamin-artige Mittel Ritalin, warnt der INCB.

Transfer aus der Schweiz nach Russland

Im vergangenen Jahr untersuchte der INCB zusammen mit den russischen und schweizerischen Behörden die Verteilkanäle für pharmazeutische Produkte, die Betäubungsmittel enthalten. Ziel ist es, die Quellen zu ermitteln, aus denen sich Lieferanten illegaler Drogen versorgen.

Die Schweizer Behörden hätten die Exporte nach Russland viel höher beziffert als die russischen Behörden die Importe, heisst es dazu im Bericht. Der INCB wünscht sich, dass die Untersuchung vertiefter geführt werden kann.

Von Amphetaminen bis Opium

Sorgen bereitet den UNO-Experten auch der Handel mit Amphetaminen wie Ecstasy. In Westeuropa werde weltweit das meiste Ecstasy hergestellt und vor allem über die Niederlande in der ganzen Welt vertrieben. Nach wie vor zähle ausserdem der europäische Kokainmarkt zu den grössten der Welt.

Der Heroin-Konsum in Europa war laut der UNO-Behörde in den vergangenen Jahren zwar rückläufig. Wegen der immer grösseren Opium-Ernten in Afghanistan rechnet die INCB jedoch auch hier wieder mit einem wachsenden Markt.

swissinfo und Agenturen

Fakten

In der Schweiz werden 300 bis 500 ha Hanf angebaut.
Geerntet werden 200 t Hanfpflanzen pro Jahr.
11'000 15- und 16-Jährige konsumieren mehr als 40 Mal pro Jahr Cannabis.
Im EU-Raum ist der Anteil der Cannabis-Konsumenten unter den 15- bis 24-Jährigen am grössten in Frankreich, Spanien und Grossbritannien.

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In Kürze

Der Konsum von Cannabis in der Schweiz und im übrigen Europa gibt der UNO Anlass zur Besorgnis.

Auch der illegale Medikamentenhandel im Internet brauche eine staatliche Kontrolle.

In der Schweiz wird seit 10 Jahren an einer Revision des Betäubungsmittel-Gesetzes gearbeitet.

Im Dezember 2001 hatte der Ständerat eine Revision bereits durchberaten. Vor den nationalen Wahlen im Herbst 2003 weigerte sich dann der Nationalrat, überhaupt auf die Vorlage einzutreten.

Diese Woche trat der Ständerat nochmals auf die Revision des Gesetzes und auf die Entkriminalisierung des Konsums ein. Wie sich der Nationalrat verhalten wird, ist offen.

Seit dem ersten Beschluss im Ständerat, wird unter anderem beklagt, werde so getan, als ob der Cannabis-Konsum schon legal wäre.

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