Clariant: Milliarden-Verlust und Stellen-Abbau

Verlassener Arbeitsplatz bei Clariant in Muttenz. Arbeitsplätze in der Schweiz sollen vom Abbau nicht betroffen sein. Keystone

Der Chemiekonzern Clariant weist im ersten Halbjahr 2001 einen Milliarden-Verlust aus. Der Konzern will nun weitere 1'000 Arbeitsplätze abbauen und 10 Produktions-Standorte schliessen. Die Schweiz ist vom Abbau vermutlich nicht betroffen. Der Börsenkurs von Clariant sackte am Mittwoch ab.

Dieser Inhalt wurde am 16. August 2001 - 16:10 publiziert

Welche Standorte vom Abbau betroffen sein würden, sei noch nicht klar, sagte Clariant-Sprecher Philipp Hammel. Die Schweiz werde aber voraussichtlich nicht darunter sein. Durch Restrukturierungen will Clariant die Kosten innerhalb der nächsten zwei Jahre um rund 300 Mio. Franken senken.

Sonderabschreiber für BTP

Im ersten Halbjahr resultiert für Clariant ein Nettoverlust von 1,314 Mrd. Franken. Zurückzuführen ist der hohe Verlust auf Sonderabschreibungen. Auf einen Schlag reduziert Clariant den Wert der im Jahr 2000 übernommenen britischen BTP in der Bilanz um rund 1,2 Mrd. Franken.

Clariant habe die ehemalige BTP auf Grund der heutigen schwierigen Bedingungen "neu beurteilt", heisst es in der Mitteilung des Unternehmens. Finanzanalysten sagten, dass sich der Kaufpreis als zu hoch erwiesen habe.

Hohe Restrukturierungs-Kosten

Weitere 347 Mio. Franken schreibt Clariant für Restrukturierungs-Projekte aus dem 1. Halbjahr 2001 ab. Mit diesem Programm hat Clariant den Abbau von rund 1'000 Arbeitsplätzen vor allem in Deutschland sowie in den USA und in Spanien eingeleitet.

Das am Mittwoch angekündigte neue Restrukturierungs-Programm soll im zweiten Halbjahr 2001 noch einmal über 350 Mio. Franken kosten. Durch die beiden Stellenabbau-Programme und einen Firmenverkauf dürfte sich das Personal insgesamt um rund 3'500 Personen verringern, sagte Hammel. Heute beschäftigt Clariant rund 30'900 Personen.

Halbierter Konzerngewinn

Auch die weiteren Geschäftszahlen von Clariant fielen unter den Erwartungen aus. Das operative Ergebnis vor Goodwill-Abschreibungen sank um 27 Prozent auf 451 Mio. Franken. Der mit dem Vorjahr vergleichbare Konzerngewinn sank laut Clariant um 50 Prozent auf 143 Mio. Franken. Der Umsatz lag mit 5,197 Mrd. Franken 2 Prozent tiefer als im Vorjahr.

Für das Gesamtjahr rechnet Clariant nicht mit einer Verbesserung der operativen Marge. Im Jahr 2002 soll aber wieder eine deutliche Ergebnis-Verbesserung resultieren, dies wegen der eingeleiteten Massnahmen und einer besseren Konjunktur.

Aktienkurs im Sinkflug

Die Mitteilungen von Clariant fanden in der Finanzwelt kein gutes Echo. Der Aktienkurs brach bis am Nachmittag um mehr als 13 Prozent auf 35.95 Franken ein.

Die Finanzanalysten hatten mit einem geringeren Rückgang des Gewinns gerechnet. Ein ZKB-Analyst hätte sogar eine Gewinnwarnung für angebracht gehalten. Die Bank ABN Amro stufte am Mittwoch die Clariant-Aktien von "Halten" auf "Reduzieren" zurück.

Kritik zu Stellenabbau

Zudem sorgte der angekündigte Stellenabbau für scharfe Kritik seitens der Gewerkschaften. Ein GBI-Sprecher bezeichnete das Ausmass als "exorbitant". Auch der Angestelltenverband der chemischen Industrie VSAC kritisierte den Arbeitsplatz-Abbau.

swissinfo und Agenturen

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