Crossair-Absturz: Möglicherweise Piloten-Fehler

Bei der Crossair-Maschine, die bei Zürich abstürzte, handelte es sich um eine Saab 340 Keystone Archive

Beim Absturz bei Nassenwil, bei dem 10 Menschen getötet wurden, soll der moldawische Pilot die Orientierung verloren und unter Medikamenten-Einfluss gestanden haben.

Dieser Inhalt wurde am 19. August 2002 - 10:17 publiziert

Dies geht aus im "SonntagsBlick" veröffentlichten Auszügen des BFU-Berichts hervor.

Der Crossair-Absturz bei Nassenwil (ZH) vom Januar 2000 ist vermutlich auf einen Pilotenfehler zurückzuführen. Der Pilot habe unter Medikamenteneinfluss gestanden und die räumliche Orientierung verloren, berichtete der "SonntagsBlick" gestützt auf den provisorischen Untersuchungsbericht des BFU.

"Die Fähigkeiten des Kommandanten zur Analyse und kritischen Lagebeurteilung waren als Folge einer Medikamentenwirkung eingeschränkt", heisst es gemäss der Zeitung im vertraulichen Bericht des Büros für Flugunfalluntersuchungen (BFU), der zurzeit bei den Parteien in der Vernehmlassung ist.

Hat der Pilot die Orientierung verloren?

Bei der medizinischen Analyse von Gewebeproben des 42-jährigen Piloten seien Spuren des rezeptpflichtigen Psychopharmakas Phenocepan gefunden worden, das vor allem bei Schlafstörungen und neurotischen Zuständen eingenommen werde. Als Nebenwirkungen könnten unter anderem Verwirrtheit, Doppelbilder und Schwindel auftreten.

Ob das Medikament die Flugtüchtigkeit des Piloten beeinträchtigt hat, lasse der Bericht offen. "Der Kommandant steuerte die Maschine in einer Steilspirale nach rechts, weil er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die räumliche Orientierung verlor", heisse es im provisorischen Untersuchungsbericht. Der Copilot habe darauf hin unzureichende Massnahmen ergriffen, um den Spiralsturz zu verhindern.

Ungenügende Ausbildung?

Zu den möglichen Faktoren des Absturzes zähle auch die ungenügende Vorbereitung des moldawischen Piloten. "Der Kommandant wurde von der Crossair nicht systematisch mit den Eigenheiten westlicher System und Cockpitverfahren vertraut gemacht", zitiert der "SonntagsBlick" den Bericht.

Catherine Bellini, Sprecherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), bestätigte auf Anfrage, dass es sich bei den zitierten Textpassagen um solche aus dem provisorischen BFU-Untersuchungsbericht handle.

Sie wies jedoch darauf hin, dass es sich lediglich um Auszüge handle und das vertrauliche Papier erst der provisorische Bericht sei. Die Parteien hätten noch die Möglichkeit, Einsprache zu erheben. Auf Grund des grossen öffentlichen Interesses werde das UVEK voraussichtlich am kommenden Dienstag über den Stand der Untersuchungen informieren.

Keine Stellungnahme

BFU-Chef Jean Overney gab auf Anfrage keinen Kommentar zum Inhalt des Zeitungsberichts ab. Der Bericht sei illegal an die Öffentlichkeit gelangt. So lange die Parteien nicht Stellung genommen hätten, dürfe das BFU nichts sagen, sagte Overney.

Auch bei der Fluggesellschaft Swiss wurde unter Hinweis auf die laufende Vernehmlassung keine Stellungnahme abgegeben.

Die Saab 340B der Crossair war am Abend des 10. Januar 2000, wie berichtet, rund zwei Minuten nach dem Start zum Linienflug nach Dresden beim Weiler Nassenwil abgestürzt. Alle zehn Insassen kamen ums Leben

swissinfo und Agenturen

Fakten

Am 10. Januar 2000 stürzte eine Saab 340 der Crossair bei Nassenwil ZH ab.
Drei Besatzungsmitglieder und sieben Passagiere kommen ums Leben.
Der Schlussbericht über die Unfallursache war auf Ende 2001 erwartet worden.

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In Kürze

Der "Sonntagsblick" veröffentlicht Auszüge aus dem BFU-Bericht zum Absturz einer Crossair Maschine im Januar 2000 bei Nassenwil ZH.
Demnach soll der moldawische Pilot unter Medikamenten-Einfluss gestanden haben und die Orientierung verloren haben.

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