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Dämmt der Börsentaucher die Frankenschwäche ein?

Franken: Lange zu hart, dann zu weich. Kommt jetzt die Korrektur?

(swissinfo.ch)

Seit langem zeigt sich ein für viele Schweizer ungewöhnliches Bild: Der einst harte und teure Franken, Fluchtwährung par excellence, schwächelt seit Jahren.

Wird die Anfang Woche abrupt eingesetzte weltweite Korrektur der Aktienkurse die Frankenschwäche korrigieren?

Kaum begannen am Montag an den Weltbörsen die Aktienkurse von ihren Höchstwerten zu bröckeln, begann sich auf den Devisenmärkten der Franken gegenüber dem Euro zu erholen.

Solche Wertkorrekturen nach oben um 1 oder 2 Rappen pro Euro gab es in den letzten Monaten verschiedentlich. Seit Mai 2006 fällt der Franken konstant gegenüber seiner Konkurrenzwährung, dem Euro, von rund 1.55 Franken pro Euro auf derzeit rund 1.62 Fr./Euro.

Handelt es sich nun bei der jüngsten Bewegung um einen weiteren kurzfristigen Ausschlag, oder um den Beginn einer Trendumkehr oder zumindest einer Korrektur der Frankenschwäche?

"Seit Mitte 2006 hat der Franken 5% seines Werts eingebüsst", sagt Andreas Küffer, Devisenspezialist bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), gegenüber swissinfo.

Diese Entwicklung ist ungewöhnlich. Sie hat viele Schweizer verunsichert, die bisher eher mit einem starken Franken leben mussten.

Zentrale Schlüsselgrösse

Der Wechselkurs als "Preis für die Währung" beeinflusst den Konjunkturverlauf, Investitions- und Kapitalanlageentscheide, die Teuerung, aber auch Shopping-Verhalten und Reisen.

Deshalb möchte man die Wechselkurs-Entwicklung gerne prognostizieren. Doch zeige die Erfahrung, dass Wechselkurs-Voraussagen keine höheren Eintretens-Wahrscheinlichkeiten haben als reine Zufallsprognosen, sagt der Schweizer Thomas Straubhaar, Leiter des Welt-Wirtschafts-Instituts in Hamburg (HWWI).

Deshalb wird auf die Signale der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geachtet – sie gibt zumindest Indizien.

Atypische Schweiz

Aufgrund des hierzulande hohen volkswirtschaftlichen Gewichts des Banken- und Finanzplatzes einerseits, und aufgrund des hohen Exportanteils der Industrie, des Werkplatzes, sind die Interessen in der Schweiz bezüglich Wechselkurs uneinheitlich.

Die Schwäche des Schweizer Frankens kommt dem Finanzplatz Schweiz nicht gelegen. Die Exportwirtschaft hingegen profitiert davon.

Laut einer Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) wiegt der Finanzsektor in der Schweiz gegenüber dem Industriesektor zwei- bis drei Mal mehr als in anderen Ländern Europas.

Die SNB als Währungsbehörde versucht deshalb, die Stabilität des Frankens zwischen den Interessen von Werk- und Finanzplatz, zwischen Teuerung, Wachstum und neuerdings auch sogenannten Arbitrage-Spekulanten zu verteidigen. Letztere schlagen aus der Zinsdifferenz zwischen Franken und anderen Währungen Profit.

Stille Politiker

Das wirtschaftliche Gewicht von Wechselkurs-Schwankungen für die Schweiz ist enorm: So 'kostet' – abgesehen von den Exportgewinnen - die seit Mai 2006 aufsummierte 5-prozentige Wechselkurs-Schwäche allein bei den Importen aus Euroland 6 Mrd Franken.

Dennoch melden sich weder Parlamentarier noch der Bundesrat zu diesem Thema zu Wort. Das ist angesichts der heftigen politischen Diskussionen beispielsweise rund um die Verwendung des Nationalbank-"Gewinns" erstaunlich.

Weniger Währungsautonomie, mehr Ordnung

"Die globale Relevanz des Frankens scheint zurückzugehen", sagt Küffer. Er stuft auch die Politik der Nationalbank als "weniger autonom" ein als auch schon:

"Die SNB vollzieht tendenziell nach, was die Europäische Zentralbank vormacht", so der ZKB-Devisenspezialist. Und es scheine ihr mit dem stabilen Abwärtsverlauf ganz wohl zu sein:

Ihm fiel im letzten Jahr auf, wie geordnet sich der Franken entwertete, "in einer für die SNB akzeptablen Weise, denn es gab kaum noch wilde Ausschläge im Wechselkurs wie früher."

Die SNB selbst äussert sich nicht zu ihrer Währungspolitik. Laut Sprecher Roland Baumann besteht sonst die Gefahr, dass die SNB-Aussagen auf den Devisenmärkten interpretiert und unbeabsichtigte Folgen auf den Wechselkurs haben könnten.

Sachte Leitzinserhöhung im März

Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, glaubt, dass die SNB – wie die Europäische Zentralbank auch - ihre Leitzinsen im März weiterhin erhöhen wird, weil sie der Importteuerung vorbeugen möchte.

Zinserhöhung hin oder her - die Meinung herrscht vor, dass die breite Akzeptanz und Existenzfähigkeit des Euros den Franken langfristig schwäche. Diese Schwäche habe noch kein Ende, so Thomas Hobson von der Investmentbank Merrill Lynch.

"Mit einem lachenden und einem weinenden Auge" betrachtet Lorenz Burkhalter, Asset Management AG, Bern, den sinkenden Aussenwert des Frankens. "Einerseits nützt es dem Export, andererseits fürchte ich ein starker Erhöhung der Zinsen, die sogar stärker als beim Euro ausfallen könnte", sagt Burkhalter gegenüber swissinfo.

Wird aus dem Taucher eine Wende?

Sollte sich jedoch bis zum Entscheid der SNB eine Franken-Trendwende ergeben haben, sieht möglicherweise vieles wieder anders aus. Zur Zeit reduzieren sich die Anfang Woche eingebrochenen Aktienkurse an der Börse wieder.

Falls der jüngste Taucher keine Wende einläutet, dürfte nach Ansicht von Devisenmarkt-Beobachtern auch beim Frankentrend keine Änderung eintreten.

swissinfo, Alexander Künzle

In Kürze

Der reale Wechselkurs-Index gilt als Gradmesser für die preisliche Wettbewerbs-Fähigkeit einer Volkswirtschaft (Aussenwert des Frankens).

Verglichen mit dem Indexbasis-Jahr 1999 (100 Punkte) fiel er im Januar 2007 auf 94,6 Punkte.

Innert Jahresfrist sank der reale Aussenwert des Frankens um 3,1%.
Grund des Rückgangs: Kursanstieg von Euro und Pfund.

(Quelle: SNB)

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Fakten

2001 und 2002 kostete der Euro 1.45 Fr. Seither hat der Franken also rund 12% seines Aussenwerts verloren.
Drei Viertel des Schweizer Aussenhandelsvolumens wird in Euro umgesetzt.
Der Wechselkurs gilt vor Zinshöhe und Teuerungsrate als wichtigste Schlüsselgrösse für die Wirtschaft.
Die SNB versucht mit Leitzins-Signalen und Geldpolitik, die Preise stabil zu halten.
Dazu sichert sie durch geschicktes Verwalten der Währungsreserven (Gold, Devisen und Zahlungsmittel) das Vertrauen in die Stabilität des Frankenkurses.

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Franken-Euro-Dollar-Dreieck

Bezüglich Wechselkurs stimmen die Interessen von Wirtschaft, Banken und Konsumenten meistens nicht überein:

Wunsch-Version für Wirtschaft (Werkplatz):
- Schwacher Franken gegenüber Euro: verbilligt Exporte als Impulsgeber der Volkswirtschaft, kurbelt Konjunktur und Beschäftigung an
- Starker Franken gegenüber Dollar: Verbilligt (Energie-)Import

Wunsch-Version für Konsumenten:
- Starker Franken gegenüber Euro: Stärkt Kaufkraft im Ausland, verbilligt Importe
- Starker Franken gegenüber Dollar: Vergünstigt Energiepreise, hemmt importierte Inflation
- Problem: Exporte und damit Beschäftigung geraten ins Stocken

Wunsch-Version für Banken (Finanzplatz):
- Starker Franken: symbolisiert Stärke einer inflationsfreien Fluchtwährung und des Save Haven Switzerland; motiviert (auch Ausländer) zum Kauf von Franken-Wertpapieren

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