David Syz und sein Film über die Globalisierung

Ex-Staatssekretär David Syz thematisiert auch die Schattenseiten der Globalisierung. Keystone

Nachdem David Syz Staatsekretär für Wirtschaft war, ist er nun unter die Dokumentarfilmer gegangen. Sein erstes Werk war in Genf zu sehen.

Dieser Inhalt wurde am 10. Dezember 2006 - 17:05 publiziert

"Stahl-Krieg" appelliere an die reichen Länder im Allgemeinen und an die Schweiz im Speziellen, ihre Grenzen für Warenexporte aus dem Süden zu öffnen, sagte Syz im Gespräch mit swissinfo.

Der erste Film von David Syz bildet und informiert. Indem er den "Stahl-Krieg" zum Thema nimmt, zeigt er die Funktionsweise des globalisierten Handels sowie die Sackgassen, in welche die Verhandlungen und Vorgaben der Welthandels-Organisation (WTO) führen.

"Stahl-Krieg" zeigt einen Handelskonflikt, der 2002 aufgrund protektionistischer Massnahmen der USA entstand. Dieser Konflikt wurde Ausgangspunkt einer politisch-rechtlichen Auseinandersetzung innerhalb der WTO und ihrer Schlichtungsstelle.

Der Film befasst sich mit diversen Episoden dieser "Schlacht" und deren unerwartetem Ende. Dieses wurde möglich dank des riesigen Stahlbedarfs Chinas.

David Syz gründete vor zweieinhalb Jahren das Unternehmen Ecodocs, um den Film "Stahl-Krieg" zu finanzieren, zu vertreiben und ihn insbesondere in den Entwicklungsländern zeigen zu können.

Wie der Name sagt, produziert Ecodocs Dokumentarfilme aus dem Bereich der Wirtschaft. Es sei auch eine Möglichkeit, seine Erfahrungen umzusetzen, die er an der Spitze des Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) gemacht habe, sagt Syz.

swissinfo: Weshalb ein Film zu diesem Thema?

David Syz: Mein erster Film befasst sich mit den protektionistischen Massnahmen, welche die USA 1992 im Bereich des Stahls ergriffen. Im Seco konnte mitverfolgen, dass sich dies für Klein- und Mittelbetriebe bis in die Schweiz ausgewirkt hatte.

Ich will die Komplexität des Themas aufzeigen und stärker auf die negativen und positiven Auswirkungen der Globalisierung hinweisen. Mein nächster Film wird von der Dritten Welt handeln und der Problematik der Migration.

swissinfo: Der ehemalige Vize-Präsident und Präsidentschaftskandidat der USA, Al Gore, hat sich ebenfalls vom Regierungsvertreter zum Dokumentarfilmer gewandelt. Ist die audiovisuelle Macht stärker als die politische Macht geworden?

D.S.: Ich glaube nicht, dass man sagen kann, die politische Macht sei unwirksam geworden. Aber ich habe in Bern oder in Seattle (an der WTO-Konferenz) festgestellt, dass sich die Leute kaum die Mühe nehmen, den Dingen auf den Grund zu gehen.

So will ich mit meinem Film zeigen – ein Film eignet sich dazu besser als ein Buch – dass die Globalisierung sich nicht auf eine manichäische Weltsicht reduzieren lässt, die nur zwischen schwarz und weiss unterscheidet. Die Botschaft ist die, dass hinter diesem Transformationsprozess Menschen stehen.

swissinfo: Was sind die positiven und die negativen Aspekte?

D.S.: Erstens trägt der weltweite Handel dazu bei, Wohlstand in der Welt zu schaffen. Nur profitieren einige Länder mehr davon als andere. Es ist in der Tat schwierig, auf den Weltmarkt zu gelangen. Es erfordert oft schmerzhafte Massnahmen wie Umstrukturierungen oder Entlassungen.

Kurzfristig verursacht der globale Handel oft Probleme. Langfristig schafft er aber Wohlstand für das betroffene Land.

So gesehen schafft die Liberalisierung Arbeitsplätze und sie begünstigt den Handel. Die Schweiz kann so beispielsweise Güter billiger importieren.

Aber dieser offene Handel schafft auch Probleme. In der Schweiz ist die Landwirtschaft davon stark betroffen. Wir sind einverstanden, alles zu liberalisieren, ausser der Landwirtschaft. Aber für die Entwicklungsländer ist gerade dieser Bereich Ausgangspunkt für eine Exportwirtschaft.

swissinfo: Gibt es nicht eine wachsende Zahl Länder, die einen Teil ihrer Wirtschaft dem weltweiten Wettbewerb entziehen wollen?

D.S.: Angesichts der Risiken einer Rückkehr zum Protektionismus müssen die Schweiz und die andern westlichen Staaten einen Solidaritätsbeweis erbringen. Man kann nicht alles haben und nichts geben. Das ist es, was ich in "Stahl-Krieg" zeigen will.

Die Vereinigten Staaten wollten ihre Eisen- und Stahlindustrie nicht modernisieren. Und als sie Probleme kriegten, haben sie einfach die Grenzen für Importe geschlossen, ohne sich um die andern zu kümmern. Eine solche Haltung ist unzulässig.

Der Film zeigt, dass es langfristig für ein Land kontraproduktiv ist, egoistisch zu handeln. Mit einer gewissen Solidarität wird Vertrauen geschaffen. Was wiederum die Diskussionen innerhalb der WTO befruchtet.

Zur Zeit glauben die Länder im Süden, dass die reichen Länder nicht bereit seien, etwas zu geben. Deshalb blockieren sie jeden Fortschritt der Doha-Runde.

swissinfo Interview: Frédéric Burnand, Genf

Welthandel

Ex-Staatssekretät David Syz und sein Film über die Globalisierung.

In Kürze

David Syz kam aus der Privatwirtschaft und stand von 1999 bis 2004 an der Spitze des Staatsekretariats für Wirtschaft (Seco).

Er wechselte anschliessend wieder in die Privatwirtschaft und widmet nun die Hälfte seiner Zeit der Produktion von Dokumentarfilmen.

Zunächst bildete er sich in New York in Dramaturgie aus. Dann begann er mit der Realisation seines ersten Films "Stahl-Krieg".

Dafür reiste er überall hin, sprach mit Ministern und Verantwortlichen der Handelspolitik auf der einen und Kritikern der Globalisierung wie Susanne George oder Joseph Stiglitz auf der anderen Seite.

Der Film wurde aus eigenen Mitteln finanziert.

David Syz hat sein Zielpublikum vor allem an Universitäten und Schulen, als bei den Entscheidungsträgern der Zukunft.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen