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Der Bergier-Bericht als Ausstellung

Der Schlussbericht - die Vorlage zur Ausstellung - ist im Käfigturm käuflich zu erwerben. Keystone

Der Schlussbericht der Bergier-Kommission, die die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg untersucht, wird auch als Ausstellung im Berner Käfigturm präsentiert.

Dieser Inhalt wurde am 28. März 2002 - 15:06 publiziert

Im Hintergrund, leise Musik. Im Raum selbst Hunderte von Aktenschachteln, säuberlich geordnet, aufgereiht in Regalen. Wer in die eigentliche Ausstellung gelangen will, muss sich zunächst durch dieses fiktive Archiv bemühen. Erst danach gelangt er zu den Ergebnissen.

Dieser Gang - er symbolisiert die Arbeit der Bergier-Kommission, wie Bettina Zeugin, Mitarbeiterin der Kommission und Ausstellungs-Verantwortliche sagt: "Der Aktienraum zeigt, dass es sehr viel Arbeit braucht, um von einem älteren Geschichtsbild zu einem Neueren zu gelangen. Die Archive müssen durchforscht werden - ganz, wie man sich die Arbeit von Historikern so vorstellt."

Starke Symbolik

Nicht alle Themen, die im rund 550 Seiten langen Schlussbericht besprochen sind, konnten berücksichtigt werden. Nach Wichtigkeit und Brisanz wählten die Ausstellungs-Macher ihre Schwerpunkte aus. Und auch nach den Erwartungs-Haltungen des Publikums.

Zu sehen sind nun Informationen unter anderem über Zwangsarbeit, Transit, Kriegsmaterial-Export, über Rückerstattungen, Rückweisungen, Opferschutz oder über die Verletzung des Neutralitätsrechts. Sensitive Themen, komplexe Themen - Themen, die schwer zu vermitteln, schwer darzustellen sind.

Doch die Umsetzung - sie gelingt den Ausstellungs-Machern. Denn sie reduzieren auf das Allernötigste. Schlagworte, aussagekräftige Zitate, symbolträchtige Bilder - darauf baut die Ausstellung auf. Ein Beispiel: Opferschutz. Das Foto zeigt einen eleganten Arbeitstisch, zwei Männerhände mit Siegelring und Zigarre blättern in Akten.

Was das mit Opferschutz zu tun hat, erläutert Bettina Zeugin: "Wir haben ein Pult eines Beamten genommen, weil man da keine Verantwortlichkeit zuweisen kann. Man weiss nicht genau, wer dieses Formular unterschrieben hat."

Bild, Text und Ton

Wer hingegen - um ein zweites Beispiel anzuführen - die Verantwortung für die damalige schweizerische Flüchtlings-Politik trägt, ist laut Schlussbericht geklärt. Das Foto in der Ausstellung zeigt die gesamte Bundesversammlung, unsere Politiker, nicht sitzend, sondern vor ihren Bänken stehend, wie sie dem Bundesrat ihre Unterstützung zusagen.

"Wir haben dieses Bild ausgewählt, weil bisher die Verantwortlichkeit für die Flüchtlings-Politik hauptsächlich dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement zugeschrieben wurde. Die Ergebnisse der Bergier-Kommission zeigen aber, dass der Gesamtbundesrat die Verantwortung trägt", sagt die Historkerin.

Bild und Text sind jeweils sehr differenziert ausgewählt und verhindern - infolge ihrer Kombination und Prägnanz - ein emotionsloses Betrachten. Die Zitate - Ausschnitte aus dem Schlussbericht - verstärken die Aussage des Bildes, das anfangs oft noch harmlos anmutet.

Der Arbeitstisch, die Bundesversammlung werden erst zu Symbolen von Tätern, Schuldigen, Verantwortlichen, wenn sie gemeinsam mit dem Text gelesen werden. Denn dieser spricht eben Klartext.

Zudem wird das ganze von Tondokumenten begleitet. Nur wenige sind es zwar, doch es sind Aussagen von Zeitzeugen, Betroffenen wie Handelnden. Sie sind das Pendant zur Stimme der Bergier-Kommission. Diese spricht aus der heutigen Sicht. Die Stimmen vom Band von damals.

Auseinandersetzung und Diskussion

Schockieren und Provozieren - wie so viele Ausstellungen über den Zweiten Weltkrieg - möchte diese Ausstellung im Berner Käfigturm nicht. Sie möchte aber Diskussionen heraufbeschwören. Die Resultate des Schlussberichtes sollen in der breiten Bevölkerung besprochen werden.

Selbstverständlich ist sie kein Ersatz für das Buch. Sie ist eine Begleit-Ausststellung. Sie baut darauf auf, dass das Thema bekannt ist. Aber sie wirbt auf eine sehr anschauliche und einladende Art für eine Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel Schweizer Geschichte.

Carole Guertler

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