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Der grosse Bruder im Norden

Jubelnde deutsche Fussballspieler bereiten immer weniger Schweizern Bauchweh.

(Keystone)

Das Verhältnis der Schweiz mit Deutschland scheint getrübt. Ach was! sagen die Schweizer Fussballfans, hoffentlich gibt es ein gutes Endspiel.

Die Umfrage im Internet der grössten Schweizer Tageszeitung "Blick" spricht eine deutliche Sprache. Rund 70% sehen Brasilien als künftigen Fussball-Weltmeister und nur 30% setzen auf die Deutschen.

Entgegen den Erwartungen habe "das hat nichts mit Sympathie oder Antipathie zu tun," meint dazu Fabian Eberle von der Blick Sportredaktion. Die Zeiten, als vor allem die deutschsprachige Schweiz der deutschen Fussball-Nationalmannschaft alles denkbar Schlechte wünschte, seien vorbei.

Bundesliga färbt ab

"Die jüngeren Schweizerinnen und Schweizer kennen die deutschen Spieler aus der Fussball-Bundesliga", so der Sportredaktor zu swissinfo. Die TV-Übertragungen werden auch in der Schweiz von zahlreichen Fans mitverfolgt.

Deshalb hegten die Jungen viel weniger Dünkel gegenüber deutschen Fussballern und ihrem Nationalteam. "Das mag noch für die ältere Generation zutreffen", vermutet Eberle. Aber auch da sei der Wunsch "hoffentlich verlieren die Deutschen" nicht mehr so ausgeprägt.

Brasilien das bessere Team

Nach ersten Erfahrungen habe auch die Blick-Sportredaktion, welche den Puls der Schweizer Fans bestimmt spüre, einsehen müssen, dass der Anti-Deutschland-Effekt am Verblassen sei. Denn anfänglich hatte der Blick noch versucht, auf diesen Effekt zu setzen.

"Aber wir haben so viele Briefe und E-mails gekriegt, doch endlich mit diesem 'hoffentlich verliert Deutschland' aufzuhören", meint Eberle. So gesehen, fänden 70% der "Online-Abstimmer" lediglich, Brasilien sei das bessere Team und werde deshalb Weltmeister. Die Interpretation, wonach 70% aktiv darauf hoffen, dass Deutschland verliert, stimme nicht.

Doch Fussball ist nicht Bankgeheimnis

In der Politik allerdings sind Misstöne eher zu hören. So verlangt der deutsche Finanzminister Hans Eichel von Bern, im Rahmen der bilateralen Verhandlungen II mit der EU bei Zinszahlungen den automatischen Informations-Austausch. Das würde das Schweizer Bankgeheimnis für Ausländer stark aufweichen.

Der Schweizer Finanzminister und diesjährige Bundespräsident Kaspar Villiger meint dazu: "Solche Töne sind inakzeptabel unter Freunden. Ich frage mich ob sich unsere Bereitschaft zur Kooperation überhaupt gelohnt hat."

Gegen das Luftverkehrsabkommen

Ähnlich tönt es beim Luftverkehrsabkommen, welches die Verkehrsminister aus Deutschland und der Schweiz, Bodewig und Leuenberger, aushandelten. Das Abkommen würde die Zahl der Flüge und die Dauer der Überflugzeiten über süddeutschem Gebiet, das in der Nähe des Schweizer Flughafens Kloten liegt, reduzieren. Dafür kriegt die Schweiz mehr Flugbewegungen.

Das Parlament in Bern lehnt diesen Staatsvertrag jedoch ab. Moritz Leuenberger habe sich von der deutschen Seite über den Tisch ziehen lassen. Die deutsche Seite droht nun mit einseitigen Massnahmen zu ungunsten der Schweiz, falls der Vertrag endgültig abgelehnt wird. Und die Anwohner beidseits des Rheins geraten sich darob in die Haare.

Vom Fussball lernen

Der Schweizer Publizist und ehemalige Chefredaktor der Hamburger Wochenzeitung "Zeit", Roger de Weck, fragt sich in der SonntagsZeitung, ob es denn klug sei von der Schweiz, ausgerechnet mit ihrem grössten Handelspartner und besten Fürsprecher in der EU, mit Deutschland, Streit zu beginnen.

Wie sagte doch Blick-Sportredaktor Fabian Eberle zu swissinfo: "Es scheint, dass die junge Generation mit dem Reflex 'hoffentlich verlieren die Deutschen' nichts mehr am Hut hat."

Urs Maurer

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