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Destination Moskau

Beim dritten Anlauf hat es mit der lang ersehnten Versetzung ins Ausland endlich geklappt: Seit September 2006 arbeitet Eddy Gerber für Swiss und Lufthansa in Moskau.

Gerber ist der letzte "Expat", der für Swiss in Europa eine Ländervertretung leitet.

"In Zürich konnte ich zu Fuss von meinem Büro zum Flughafen. Hier in Moskau sind die Dimensionen etwas anders", erzählt Eddy Gerber. Seit September ist der 37-Jährige General Manager von Swiss in Moskau und leitet zusätzlich für Lufthansa den Verkauf für Moskau und Zentralrussland.

Rund 45 Kilometer fährt er vom Swiss-Büro im Zentrum der russischen Hauptstadt zum Flughafen Moskau-Domodedovo, wo drei Mal am Tag Swiss-Maschinen landen. Er muss aber zum Glück nicht täglich hin, seine Mitarbeiter vor Ort kümmern sich um alles.

Alles neu

Obschon Zürich im Gegensatz zu Moskau einem Dorf gleicht, hat sich Eddy Gerber schnell eingelebt. Am letzten Samstag im August des Jahres 2006 schloss er die Tür seines Büros in Kloten, am Sonntag flog er nach Moskau und am Montag nahm er seine Arbeit für Swiss und Lufthansa auf.

"Schon nach drei Wochen hatte ich das Gefühl, ein halbes Jahr hier zu sein", erinnert er sich. "Die Stadt vereinnahmt mich, es ist anstrengend, aber positiv anstrengend." Er musste lernen, sich anders zu organisieren, die Bürokratie sei erheblich, die Distanzen und Staus in der 13-Millionen-Stadt auch.

"Dafür habe ich hier auch eine einmalige Chance, mich beruflich und menschlich weiter zu entwickeln", sagt der Hobbymusiker.

Die Airline im Mittelpunkt

Seine berufliche Laufbahn hat Eddy Gerber, der in Dübendorf und Schwamendingen aufgewachsen ist, ganz der Airline verschrieben. Nach einer kaufmännischen Ausbildung bei der Swissair ging er nach London in die Frachtabteilung, um Englisch zu lernen. Zurück in Kloten arbeitete er im Check-In, am Gate, verkaufte Tickets und brachte es zum Supervisor.

Aber es gab da noch etwas anderes, was ihn reizte. Germanistik und Geschichte. "Die Arbeit am Flughafen gefiel mir sehr, aber gleichzeitig merkte ich, dass das noch nicht alles war", erzählt er. Mit 24 fing er die Zweitweg-Matura an mit dem Ziel, Gymnasiallehrer zu werden. Nebenbei arbeitete er als Aushilfe am Check-In.

Von der Swissair zur Swiss

Unmittelbar vor Abschluss, ihm fehlte nur noch ein Semester, bot ihm die Swissair an, die Abteilungsleitung für den Transitbereich zu übernehmen. Der Flughafen-Virus war stärker als der Wunsch zu studieren, er nahm den Job an.

Als dann kurz vor dem Grounding die Anfrage kam, ob er nicht für die Swissair nach Riad und Jeddah wolle, war er sofort begeistert. "Das hätte ich gemacht, obwohl ein Auslandaufenthalt damals nicht zuoberst auf der Prioritätenliste stand", erzählt Eddy Gerber. "Andererseits hatte ich zu dem Zeitpunkt am Flughafen auch schon viel gesehen. Warum also nicht?"

Der Markt im Nahen Osten sei sehr interessant und lukrativ, die Kultur habe ihn schon immer fasziniert. "Und ich war zu der Zeit noch Single, solche Destinationen sind für westliche Ehefrauen und Familien doch eher schwierig."

Einmal Airline, immer Airline

Das Grounding machte diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Zeit zum Trauern blieb wenig, für Eddy Gerber und sein Verkaufsteam begann eine intensive Zeit: "Viele Kunden waren abgesprungen, und wir haben sie überzeugt, wieder zurückzukommen." Und schon bald tat sich - inzwischen bei der Swiss - die nächste Möglichkeit auf, ins Ausland zu gehen: nach Madrid.

"Das wäre ein absoluter Traum gewesen. Doch dann kam eine Sparrunde dazwischen. Ich war ziemlich enttäuscht." Auf der Suche nach neuen Perspektiven habe er sich auch extern umgeschaut. "Aber einmal Airline, immer Airline", sagt er und lacht. "Das ist so etwas wie ein Virus."

Abenteuer Moskau

Er schrieb das Ausland als Option ab. Denn wie andere Unternehmen holt auch Swiss in den Auslandsvertretungen immer mehr lokale Angestellte in Führungspositionen.

"Das macht ja auch Sinn: Sie kennen die Sprache, die lokalen Gegebenheiten, den Markt und sind sehr loyal." Das verringere aber für junge Schweizer Nachwuchsleute die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. "Ich bin heute in Europa der einzige Swiss-'Expat' in einer leitenden Position", so Gerber.

Als er im Juni 2006 angefragt wurde, ob er nach Moskau wolle, zögerte er nicht lange. Seine Freundin, die eigentlich aus Deutschland zu ihm in die Schweiz ziehen wollte, packte das Abenteuer Russland mit ihm zusammen an.

"Leider bin ich zur Zeit viel unterwegs an Sitzungen in Zürich oder Frankfurt, und mein Russisch ist noch nicht gut genug, um mich voll auf mein neues Zuhause einlassen zu können."

Er habe sich aber schon daran gewöhnt, dass er manchmal eine halbe Stunde brauche, um mit dem Auto in Moskau 50 Meter weit zu kommen. Er habe aber auch schon einiges entdeckt, das er von den Russen gerne annehmen würde: "Geduldiger werden und Dinge gelassener nehmen."

swissinfo, Alexandra Stark, Moskau

In Kürze

Am 31. Juli 1967 flog die Swissair zum ersten Mal nach Moskau, als eine der ersten westlichen Airlines. Während der Sowjetzeit war die Swissair eine der wichtigsten Verbindungen nach Westen. Swiss profitiert bis heute vom guten Ruf als Schweizer Airline.

Swiss fliegt drei Mal täglich den Flughafen Moskau Domodedovo an.

Moskau ist für die Swiss eine der wichtigsten Routen, 2005 wurden rund 140'000 Passagiere befördert, Tendenz weiter steigend.

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Fakten

In Russland leben rund 600 Schweizer, rund 90% von ihnen in und um St. Petersburg und Moskau herum, 26 im Süden und im Nordkaukasus, 24 in Sibirien.

Russland war zu Zarenzeiten ein beliebtes Auswanderungsziel für Schweizer.

Bis zur russischen Oktoberrevolution 1917 waren schätzungsweise 25'000 Schweizer auf der Suche nach einem besseren Leben nach Russland ausgewandert.

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Biografie

Eddy Gerber wurde am 25. Oktober 1969 geboren und wuchs in Dübendorf und Schwamendingen auf.

Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung bei der Swissair.

Seit August 2006 ist er General Manager der Swiss für die Russische Föderation und die Länder der ehemaligen Sowjetunion, zudem ist er Leiter Verkauf und Dienstleistungen der Lufthansa in Moskau und Zentralrussland.

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