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Detailhandel sieht dünne Silberstreifen

Einzelhändler hoffen dieses Jahr auf ein besseres Jahresendgeschäft.

(Keystone Archive)

Nach einem eher schwachen ersten Halbjahr könnten sich im Schweizer Einzelhandel fürs Jahresende bessere Umsätze abzeichnen.

Zumindest registriert die Umfrage des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) eine leichte Verbesserung der Konsumentenstimmung.

Der Schweizer Detailhandel (Einzelhandel) erwartet fürs Jahresende ein besseres Weihnachtsgeschäft, basierend auf einem "Oktober, der mit Abstand der beste Monat des ganzen Jahres gewesen" sei, wie Jelmoli-Konzernchef Peter Leumann gegenüber der Nachrichtenagentur AP sagte.

Leumann gibt sich demnach "zuversichtlich für das Weihnachtsgeschäft".

Auch Ernst Pfenninger, Sprecher der Migros-Tochter Globus sagt: "Die Leute gönnen sich wieder etwas". So sei die Nachfrage nach Kleidern, Accessoires und Delikatessen schon stark gestiegen.

Im September habe der Rückstand gegenüber dem Vorjahr noch 5 Prozent betragen. Dieser habe sich nun verringert.

Warnung vor blauäugigem Optimismus



Bereits vor einem Jahr zeigte sich der Detailhandel vor Weihnachten zuversichtlich. Doch real gingen die Umsätze im Dezember 2002 im Vergleich zum Vorjahr dann um 2,2% zurück.

Während des laufenden Jahres schliesslich setzte der Hitzesommer den Einzelhandels-Umsätzen zu: Im August schrumpften die Umsätze im Vorjahresvergleich um 3,2%. Wichtige Umsatzträger wie Möbel, Kleider oder Elektronik erlitten sogar Umsatzeinbussen im zweistelligen Prozentbereich.

Die Umfrageresultate der Agenturen werden durch die quartalsweise Stimmungs-Umfrage des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) bei rund 1100 Haushalten bestätigt, obschon sich gemäss dem seco-Ökonomen Max Zumstein daraus keine Prognosen für das Weihnachtsgeschäft ableiten lässt.

Demnach erreichte der Index der Konsumentenstimmung im Oktober (3. Quartal) –28 Punkte. Dies entspricht gegenüber dem 2. Quartal einer leichten Zunahme.

Tiefpunkt Oktober 2002

Auch gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal, als der Index auf einen Tiefstand von –39 gesunken war, kommen die laufenden Oktoberresultate einer Verbesserung gleich. Längerfristig zeigt der Vergleich jedoch, dass die Konsumentenstimmung nun seit neun aufeinanderfolgenden Quartalen im negativen Bereich liegt.

Dem seco-Konsumentenstimmungsindex liegen drei Teilindizes zugrunde. Signifikant stieg vor allem jener Teilindex, der sich auf die Einschätzung der Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftslage bezieht. Jener Teilindex jedoch, der die Einschätzung der Haushalte ihrer finanziellen Lage im vergangenen Jahr umfasst, bleibt gegenüber dem Vorquartal praktisch unverändert.

Teuerung stärker als ausgewiesen



Gemäss weiteren seco-Indizes sind die Haushalte in der Einschätzung ihrer künftigen finanziellen Lage sogar leicht pessimistischer geworden. Was die Wirtschaftsentwicklung im allgemeinen betrifft, stufen die Haushalte diese besser ein als noch im 2. Quartal. Jedoch geben deutlich weniger Haushalte als noch im 2. Quartal an, sparen zu können.

Auch die Einstufung der Sicherheit der Arbeitsplätze bleibt mit –119 Punkten sehr tief (gegenüber –123 Punkten im Juli).

Entgegen den offiziellen Teuerungsindizes haben die Konsumenten der vom seco befragten Haushalte das Gefühl, dass die Preise im laufenden Jahr stark gestiegen seien. Sie befürchten auch, dass sich dies fortsetzen werde.

Gesättigte Märkte – 84 Mrd. Franken Umsätze

Auch Verbände und Experten sind skeptischer als die Detailhändler an der Verkaufsfront. Thomas Hochreutener, Direktor Handel beim Marktforschungsinstitut IHA-GfK, sagt, dass sich im Non-Food-Bereich keine Trendwende abzeichne. "Die Märkte sind gesättigt, die Innovationen mit Durchschlagskraft dünn gesät."

Hochreutener erwartet einen Jahresumsatz im schweizerischen Kleinhandel von rund 84 Mrd. Franken.

Auch bei der Swiss Retail Federation (Vereinigung der Mittel- und Grossbetriebe des schweizerischen Detailhandels) sieht Präsident Klaus Hug zwar positive Signale, aber auch anhaltende Unsicherheiten, vor allem beim Arbeitsmarkt und der Altersvorsorge.

Eventuell hilft die Börse

"Das sind alles Dinge, die die Leute nicht motivieren, viel Geld auszugeben", sagt Hug. Dass die bisher aufgelaufenen Absatzverluste bis Ende Jahr noch kompensiert werden, glaubt er nicht. Im untersten Preissegment sieht Hug noch Potenzial.

Auch im obersten Preissegment werden keine Einbussen erwartet, sagt Andre Hirschi, Präsident des Verbands Schweizerischer Goldschmiede und Uhrenfachgeschäfte. Er hofft, dass bei den stagnierenden Löhnen eventuell "die steigenden Börsenkurse die Freude an den schönen Dingen wieder begünstigen".

swissinfo und Agenturen

Fakten

Index Konsumentenstimmung des seco:

Oktober 2003: -28 Punkte
Juli 2003: -35 Punkte

Tiefstand Oktober 2002: -39 Punkte

Infobox Ende

In Kürze

Verschiedene Einzelhandels-Sprecher erwarten einen besseren Geschäftsverlauf zum Jahresende.

Das erste Halbjahr hatte dem Schweizer Detailhandel wegen den wirtschaftlichen Unsicherheiten und dem Hitzesommer Umsatzeinbussen gebracht.

Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) hat sich im 3. Quartal 2003 die Stimmung der Konsumenten leicht aufgehellt. Dennoch bewegen sich die Indizes seit neun Quartalen im negativen Bereich.

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