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Die Ausnahme Swisscom

Swisscom Shareholder können sich noch freuen. Keystone

Die Telecom-Branche kriselt, Unternehmen stehen vor gigantischen Schulden. Eine Ausnahme ist die Swisscom, die noch Gewinn einfährt und nur wenige Leute entlässt.

Dieser Inhalt wurde am 23. Juli 2002 - 18:13 publiziert

Der weltweit grösste Telecom-Anbieter, WorldCom, steht unter Gläubigerschutz, der europäische Marktleader Deutsche Telekom und auch die France Telecom sind mit einem Schuldenberg von jeweils knapp 100 Mrd. Franken konfrontiert.

Eine Ausnahme in der düsteren Telecom-Welt hat ihren Hauptsitz in Bern und gehört zu 62,7% dem Schweizer Staat: die Swisscom. Swisscom-CEO Jens Alder konnte im Frühjahr einen Geschäftsbericht 2001 präsentieren, der fast 5 Milliarden Franken Gewinn auswies: Dies sind 57% mehr als im Vorjahr.

Gut verkauft...

Die gute Situation der ehemaligen PTT hat mehrere Gründe: Der Verkauf von 28 Geschäftshäusern Anfang Jahr an erstklassiger Lage an ein Konsortium unter Führung der CS spülte 1,27 Mrd. Franken in die Kassen der Swisscom.

In einer zweiten Tranche wurden weitere 162 Immobilien für 1,6 Mrd. Franken verkauft. Beachtliche 4,5 Mrd. Franken flossen der Swisscom zu, als sie 25% ihrer Mobil-Sparte an die britische Vodafone verkaufte - noch bevor der Markt kollabierte.

... gekauft ...

Der Kauf der deutschen Debitel scheint sich ebenfalls auszuzahlen. Dieser Mobilfunk-Anbieter zählte Ende 2001 über 10 Mio. Kundinnen und Kunden. Die Firma verfügt über keine eigenen Netze, sondern kauft die Dienste bei andern Anbietern ein und ist damit zum wichtigsten virtuellen Anbieter in Europa geworden.

... und gespart

Der Entscheid, bei der Versteigerung der deutschen UMTS-Lizenzen rechtzeitig auszusteigen, bewahrte die Swisscom vor Milliarden-Ausgaben. Analysten bewerten diesen Auktions-Ausstieg wohlwollend. "Swisscom machte den richtigen Schritt. Sie entschied, der Preis sei zu hoch und stieg aus", sagt ZKB-Analyst Serge Rotzer gegenüber swissinfo.

Im Gegensatz zu Deutschland hat sich die Swisscom eine UMTS-Lizenz für die Schweiz gesichert: zum Schnäppchenpreis von 50 Mio. Franken.

Auf die dritte Mobilfunk-Generation setzte die Telco-Szene im letzten Jahr enorme Hoffnungen - endlich sollte Breitband-Internet auch mobile Geräte erreichen. Entsprechend zahlten verschiedene Telecoms in Europa Phantasie-Preise für eine Lizenz, die heute kurzfristig beinahe wertlos ist. Oder sogar die Budgets belastet, weil die Lizenz zum Infrastruktur-Aufbau verpflichtet.

Unsichere Zukunft

Auch über dem Schweizer Telecom-Anbieter brauen sich dunkle Wolken zusammen. Denn auch wenn CEO Alder im Frühling einen über die Hälfte verbesserten Gewinn präsentieren konnte, war dieser doch deutlich auf die beschriebenen Sonderfaktoren zurückzuführen.

Der Umsatz des blauen Riesen war 2001 denn auch nur um 0,8% auf 14,17 Mrd. Franken gestiegen. Und für das laufende Jahr rechnet Alder lediglich mit einem Wachstum von 1 bis 3%. Bereits angekündigt sind 600 Entlassungen.

Monopol in Bedrängnis

Zudem zeichnet sich weiteres Ungemach ab: Konkurrenten rütteln immer stärker am letzten Monopol der Swisscom, der letzten Meile. Festnetzanbieter Tele2 will die so genannten Interkonnektions-Gebühren mit juristischen Mitteln senken lassen.

Die Swisscom will allerdings von einem Monopol nichts wissen. "Wir stehen ganz klar in Konkurrenz mit den Kabelnetz-Betreibern", sagt Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus gegenüber swissinfo. Und ergänzt: "Wir werden uns natürlich gegen noch eine Regulierung wehren, aber Angst haben wir keine."

Handymarkt gesättigt...

Auch der Schweizer Mobilmarkt gerät ins Stocken; der Handymarkt ist gesättigt. Der Preiskrieg droht in eine weitere Runde zu gehen, um Kundinnen und Kunden von einem Anbieter zum andern zu locken.

... und im Ausland unbedeutend

Auch im nahen Ausland kann die Swisscom nicht ohne weiteres wachsen - die 1999 beschlossene Strategie, mit Partnerschaften im Ausland zu einer bedeutenden Grösse zu wachsen, versagte völlig: Die Swisscom löste die Partnerschaften auf.

Die Schweizer bleiben damit in Europa die Nummer 7 hinter Deutsche Telekom, British Telecom, Telecom Italia, der spanischen Telefonica, der englischen Vodafone und France Telecom.

"Unsere Option besteht allein darin, auf eine Nischenstrategie in den entsprechenden Marktsegmenten zu setzen, die unsere grossen Konkurrenten nicht interessieren", liess Swisscom-Chef Alder seine Aktionäre an der letzten Generalversammlung wissen.

Telco-Krise in den USA...

Während Swisscom verhältnismässig gut dasteht, rutschen andere Telcos weiter ab. Seit Montag steht der weltgrösste Telekom-Anbieter WorldCom unter Gläubigerschutz. Die Firma hat den grössten Bankrott der US-amerikanischen Wirtschafts-Geschichte zu verantworten.

CEO John Sidgmore legte am Dienstag jedoch gegenüber amerikanischem Medien bereits wieder Zweckoptimismus an den Tag: Innert 12 Monaten will er reorganisieren und wieder normal geschäften. Das dürfte 17'000 von rund 63'000 Stellen kosten.

... und Europa.

Auch andern grossen Telcos geht es schlecht: Die Deutsche Telekom, grösster europäischer Anbieter, und France Telecom schauen auf eine Schuldenlast von jeweils knapp 100 Mrd. Franken.

Die Krise bei den Dienstanbietern schlägt sich auch bei Netz- und Geräte-Herstellern nieder: Der schwedische Hersteller Ericsson hat Schulden in der Höhe von 10 Mrd. Franken, die französische Alcatel steht vor einem Schuldenberg von 9,3 Milliarden Franken. Die finnische Nokia vermeldete zwar letzte Woche einen gestiegenen Gewinn (+10%, 2,5 Mrd. Franken) , der Umsatz des Handy-Produzenten Nummer 1 sank jedoch (-9%, 20,3 Mrd. Franken).

swissinfo

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