Die Schweizer Blumenoase im Herzen von Budapest

Martin Aeschlimann und Katja Schläfli in ihrem Blumenladen in Budapest. swissinfo.ch

Vor vier Jahren sind Katja Schläfli und Martin Aeschlimann von der Schweiz nach Ungarn gezogen. Sie sind ein Beispiel für eine erfolgreiche "Emigration gegen den Strom".

Dieser Inhalt wurde am 04. Dezember 2006 - 08:35 publiziert

Die beiden jungen Berner haben in Budapest einen Blumenladen eröffnet und zu ihrer Wohn- und Arbeitsstätte gemacht – eine kleine Oase im Zentrum der ungarischen Hauptstadt.

"Wir hatten keine Ahnung von Ungarn. Wir hatten keine Freunde hier in Budapest. Wir wussten nicht, wo wir Blumen auftreiben konnten. Und wir wussten nicht einmal, wie man das Wort Blume auf Ungarisch sagt", erzählen Katja Schläfli und Martin Aeschlimann.

Doch die beiden jungen Schweizer liessen sich von diesen schlechten Voraussetzungen nicht abschrecken. Ziemlich spontan entschlossen sie sich vor vier Jahren, die Bequemlichkeit und Sicherheit in der Schweiz gegen die Ungewissheit in Ungarn einzutauschen.

Inzwischen haben sie nicht nur gelernt, das Wort Blume auf Ungarisch zu sagen, sondern auch einen eigenen Blumenladen im Zentrum von Budapest eröffnet. Dieser Laden ist in kurzer Zeit der Blumenladen der ungarischen Metropole geworden.

Unbekanntes Land

Die beiden sind im Kanton Bern geboren und aufgewachsen. Nach einer Lehre als Floristin arbeitete Katja Schläfli in diversen Städten der Schweiz in ihrem Beruf. Martin Aeschlimann hingegen ist diplomierter Gärtner und war im Blumenhandel tätig.

Die beiden hatten eine feste Anstellung und keine konkreten Projekte für die Zukunft, als eine Bekannte, die mit einem ehemaligen ungarischen Flüchtling verheiratet war, ihnen den Vorschlag unterbreitete: Warum macht ihr eigentlich keinen Blumenladen in Budapest auf?

"Die Idee hat uns gefallen, auch wenn uns Mitteloststeuropa eigentlich seltsam vorkam. Ich kannte Wien. Aber ich dachte, dass darüber hinaus im Osten die Leere wäre", erinnert sich Katja Schläfli.

Das Paar reiste nach Budapest. "Wir stiessen auf eine faszinierende und sich im Wandel befindende Stadt." Und sie sagten sich: "Das könnten wir doch versuchen!"

Kultur der Schönheit

Der Plan wurde in kürzester Zeit in die Tat umgesetzt. Im Alter von knapp 30 Jahren zogen die beiden nach Budapest. Die Stadt schien wie geschaffen für Blumenliebhaber. Sind Blumen doch ein Emblem für Schönheit.

"Von Anfang an hatten wir den Eindruck, dass in Budapest eine Kultur des Schönen gepflegt wird. Aus der Zeit der Österreich-ungarischen Monarchie sind viele eindrucksvolle Gebäude geblieben, obwohl sich der Staub der Jahrzehnte über sie gelegt hat", meint Katja Schläfli.

In Budapest machte sich das Paar auf die Suche nach einem Geschäftsraum. "Wir sind so lange kreuz und quer durch die Stadt gelaufen, bis wir das richtige Lokal gefunden hatten", erzählt Martin Aeschlimann. Aus den Räumen in einem alten Haus haben die beiden dann einen der schönsten und geschmackvollsten Läden in Budapest gezaubert.

Von Erfolg gekrönt

Der Anfang war aber alles andere als leicht. Die Ungarn waren überhaupt nicht gewohnt, einen so gepflegten und eleganten Laden zu besuchen. Sie trauten sich kaum über die Schwelle.

"Die Ungarn verbinden elegant gleich mit teuer. Aber unsere Blumen sind nicht teurer als anderswo. Wir stellen sie einfach hübscher auf und beispielsweise nicht in Vasen aus Plastik", betont Katja Schläfli.

Die beiden Schweizer haben hart gearbeitet, doch nach zwei Jahren können sie die Früchte ihrer Arbeit ernten. Und sie haben sich bereits vergrössert: Zu Blumen sind noch weitere Artikel hinzugekommen, ausserdem wurde ein Restaurant angefügt.

"Unseren Kunden bieten wir Qualitätsprodukte, aber auch einen guten Service. Das ist keineswegs selbstverständlich hier in Ungarn. In vielen Läden wird man nicht einmal begrüsst", weiss die Bernerin.

Ein Glückstreffer

Die Geduld der beiden Schweizer wurde anfänglich auf eine harte Probe gestellt, sei es im Umgang mit staatlichen Dienststellen oder bei der Zuverlässigkeit der Arbeiter.

"Das muss man einfach verdauen, sonst ergeht es einem wirklich schlecht. Innerhalb eines halben Jahres merkt man, ob man diese Dinge verkraftet oder nicht. Hier muss man wesentlich flexibler sein als in der Schweiz, wo alles reglementiert ist", sagt Martin Aeschlimann.

Heute sind die beiden Berner zufrieden mit ihrer Entscheidung. Sie haben Freunde gefunden, die ihnen im Bedarfsfall helfen. Und der Laden ist zu ihrer kleinen "Oase" in der grossen Stadt geworden. Sie fühlen sich so wohl, dass sie nicht wissen, ob sie in die Schweiz zurückkehren werden.

"Auch wenn wir nicht wissen, ob wir zurückkommen, bedeutet es für uns einen Glücksfall, aus der Schweiz zu stammen. Denken wir nur an die Mentalität, an die Schule und die Berufsausbildung, die wir mit auf den Weg bekommen haben", sagt Aeschlimann.

Armando Mombelli, swissinfo, Budapest
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Fakten

Ende 2005 lebten 634'216 Schweizer im Ausland, 1650 davon in Ungarn.
Zwei Drittel der Auslandschweizer leben in Europa.
Drei Viertel der Auslandschweizer besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft.
105'000 sind in die Wahlregister eingetragen.

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Katja Schläfli & Martin Aeschlimann

Katja Schläfli wurde 1973 in Aarberg im Kanton Bern geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Floristin und Meisterdiplom hat sie einige Jahre in Blumengeschäften in der Schweiz gearbeitet. Fünf Jahre lang leitete sie eine Blumen-Boutique in Zürich.

Martin Aeschlimann (Jahrgang 1972) stammt ebenfalls aus Aarberg. Er ist ausgebildeter Gärtner mit Meisterdiplom und war im Handel und Import von Blumen tätig.

Die beiden jungen Schweizer sind 2002 nach Ungarn gezogen. In Budapest haben sie einen Blumenladen und ein Restaurant an der Király utca 9 im Zentrum der Stadt eröffnet.

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