Die Schweizer Post geht ab in Deutschland

Keystone

Postfinance wirbt für ihr Euro-Konto auch in Deutschland: Brisant in einer Zeit, in der viel Schwarzgeld in Euro umgebucht wird.

Dieser Inhalt wurde am 21. November 2001 - 10:32 publiziert

Viele Deutsche möchten möglichst noch vor dem Währungswechsel ihre nicht deklarierten DM-Vermögen ausserhalb der EU "legal" parkieren, ohne die Gelder gleichzeitig zuhause zu deklarieren. Damit würden sie dann Anfang 2002 "automatisch" per Computerclick in Euro "ausgewiesen".

Ein Schweizurlaub ist dafür äusserst geeignet. Erstens ist das Ferienland sehr teuer, es braucht viel Bargeld. Und zweitens lassen sich die Transaktionen der Kontrolle des deutschen Finanzamts entziehen, ohne dass dies allzu illegal wird. Andere Banken bieten diesen Service längst an.

Kontrolle am Zoll

Vor allem in Deutschland ist das Finanzamt seit diesem Herbst zusammen mit dem Zoll energisch gegen deutsche Staatsbürger vorgegangen, die mit mehr als 30'000 DM in der Tasche die Grenze zur Schweiz überqueren wollten.

Sie mussten die Herkunft deklarieren - wenn sie konnten. Bei über 2'700 Kontrollen von Beträgen von über 30'000 DM wurde so jede fünfte ans Finanzamt weitergeleitet.

Nachdem in der Schweiz die "Postbank" abgelehnt und Postämter geschlossen wurden, wirbt die Postfinance nun im Ausland. Mit der Möglichkeit der Eröffnung von Postkonten in Euro in der Schweiz wird auch dem kleinen Sparer in Deutschland beigebracht, wie er weiterhin steuerfrei Sparen kann.

Mit der Postcard in Deutschland Geld abheben

Ein Depositenkonto, kombiniert mit Wertschriftenkonten, können Ausländer gleich wie Inländer bei der Schweizer Post eröffnen. Und man braucht sich als Deutscher die Kontoauszüge gar nicht nachhause senden zu lassen.

Und zwar könne ein Deutscher über jedes Schweizer Postamt könne ein Euro-Konto eröffnen, stand kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Man erhalte sogar eine Schweizer Postcard, mit der sich Eurobargeld auch ausserhalb der Schweiz beziehen lasse.

Sicher macht die FAZ darauf aufmerksam, dass der Steuerpflichtige dies in Deutschland deklarieren müsse. Nur liege dies am Steuerpflichtigen selbst, die Schweizer Post tue dies nicht. Die Summe des Schwarz-, Dreck-, aber auch des normalen gehorteten Spargeldes wird auf 100 Mrd. DM geschätzt (inklusive Osteuropa).

Doch auch in der Schweiz wird bei Summen über 25'000 Franken die Identität des Klienten registriert, um gewöhnliche Kriminelle mit Geldwasch-Ambitionen von "Steueroptimierern" zu unterscheiden.

Nur: In der Schweiz ist ein blosser Verdacht auf Steuerhinterziehung noch kein Grund, diese Identität freizugeben, in der EU muss sie gemeldet werden.

"Finanzkurzreisen": Nach den Alpen in die Wüste?

Der Schweizer Tourismus, durch die Herbstereignisse gebeutelt, dürfte durch den Finanztourismus vor allem aus Deutschland diesen Winter etwas Auftrieb erhalten. Haben doch zahlreiche Touristen seit je her einen Besuch in den Bergen mit einem Besuch beim Vermögens-Verwalter verbunden.

Sollte mit der Aufweichung des Bankgeheimnisses diese "Annehmlichkeit" wegfallen, werben weitere gute Finanzplätze bereits indirekt mit diesem Service.

Das Emirat Dubai zum Beispiel, bereits ein Ferienparadies, investiert stark in kommende "Finanzparadies"-Infrastrukturen: Ausländer dürfen seit wenigen Monaten Immobilien (Wohnsitz!) erwerben, ganze Siedlungen à la Monaco sind im Bau. Und die wichtigen Banken sind eh alle schon dort niedergelassen.

Alexander P. Künzle und Georg Ubenauf

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