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Diplomaten ohne Frack

Ohne Frack, dafür in Nationaltracht: Der sudanesische Botschafter wird von Bundespräsident Leuenberger begrüsst.

(Keystone)

Am Neujahrsempfang der in der Schweiz akkreditierten Missionschefs beim Schweizer Bundespräsidenten entfiel erstmals der Frackzwang für Diplomaten. Für Schweizer Diplomaten im Ausland gelten aber immer noch gewisse Verhaltens-Regeln, eine Art Knigge.

Im Bundeshaus in Bern ging am Donnerstag (11.01.) der alljährliche Neujahrsempfang über die Bühne, bei dem alle in der Schweiz akkreditierten Missionschefs dem Schweizer Bundespräsidenten ihre Aufwartung machen. Auf Anregung von Bundespräsident Moritz Leuenberger hat der Bundesrat das Frack-Obligatorium abgeschafft.

...auch ohne Cut

Der Bundesrat hatte Anfang Jahr das Schweizer Aussenministerium mit der Änderung des über zehnjährigen Protokoll-Reglementes beauftragt. Somit sind nun für die Übergabe der Beglaubigungs-Schreiben oder eben den Neujahrsempfang nur noch der dunkle Anzug, die Nationaltracht oder die Uniform vorgeschrieben.

Nach Meinung des Bundesrates ist die Würde solcher hochoffizieller Anlässe auch ohne Cut gewährt. Das bestätigte Botschafterin Sylvia Pauli, seit einem Jahr Protokollchefin des Schweizer Aussenministeriums, gegenüber swissinfo. Denn sonst ändere sich nichts am Neujahrsempfang.

Knigge für Schweizer Diplomaten

Wie sieht es denn bei den im Ausland tätigen Schweizer Diplomaten aus? Wenn man die "Règles de courtoisie" - eine Art Diplomaten-Knigge - aus dem Jahr 1996 anschaut, hat man das Gefühl, dass noch alles sehr traditionell läuft. Da steht zum Beispiel: Für offizielle Gespräche dunkler Anzug, für diplomatische Essen Smoking, schwarze Krawatte für die Herren und für die Damen lange Robe. Für die Herren gilt generell: ab 18 Uhr schwarze Socken; und für die Damen: Tragen einer "eleganten, aber diskreten" Handtasche usw.

Protokollchefin Sylvia Pauli - übrigens die erste Frau in diesem Amt - versteht diese Vorschriften mehr als Leitplanken, als "guidelines". Wichtiger seien gesunder Menschenverstand sowie die Berücksichtigung von Natur und Charakter des Anlasses.

Botschafterin Pauli rechnet zwar nicht damit, dass sich der Diplomaten-Knigge in einer sich rasant verändernden Welt langsam selber auflöst. Aber für sie ist klar, dass sich mit der Zeit auch die Tenues anpassen, dass das Ganze nicht mehr so rigoros gehandhabt wird wie früher.

Aristokraten-Zeit ist vorbei

Unter Diplomaten stellen sich auch heute noch viele Leute Aristokraten vor. Doch vorbei seien die Zeiten, wo es genügte, einer aristokratischen Familie zu entstammen, sagt Botschafterin Sylvia Pauli.

Heute würden ein abgeschlossenes Universitätsstudium, fundierte Sprach- und Wirtschaftskenntnisse, eine breite Allgemeinbildung und Managerqualitäten verlangt. Dazu komme ein strenges Ausleseverfahren und eine Zusatzausbildung mit Abschlussprüfung. Erst dann sei man zum Diplomaten erkoren.

Jean-Michel Berthoud


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