Dramatische Börseneinbrüche in Asien

Mit dramatischen "Kursstürzen" haben die asiatischen Aktienbörsen heute Montag (17.04.) auf das Tief an der New Yorker Wall Street vom Freitag (14.04.) reagiert. An der Leitbörse in Tokio brach der Nikkei-Index bis zur Handelsmitte um über 8 Prozent ein.

Dieser Inhalt wurde am 17. April 2000 - 07:31 publiziert

Mit dramatischen "Kursstürzen" haben die asiatischen Aktienbörsen heute Montag (17.04.) auf das Tief an der New Yorker Wall Street vom Freitag (14.04.) reagiert. An der fernöstlichen Leitbörse in Tokio brach der Nikkei-Index für 225 führende Werte bis zur Handelsmitte um 1'750,79 Punkte oder 8,6 Prozent auf 18'683,89 Punkte ein.

Das ist der drittgrösste Punktverlust, den die Tokioter Börse jemals auf Schlussbasis erlitt. Der Gesamtmarktwert der an der ersten Sektion notierten Aktien schrumpfte um gigantische 34 Billionen Yen (etwa 527 Mrd. Fr.).

Andere Aktienmärkte der Region wurden gleichfalls in den Abwärtssog der Wall Street gerissen. Gegen Mittag (Ortszeit) war das Börsenbarometer in Seoul dramatisch um mehr als zehn Prozent eingebrochen, während der Hongkonger Hang-Seng-Index über acht Prozent verlor und deutlich unter 15'000 Punkte rutschte. Auch der Straits-Times-Index in Singapur musste drastische Einbussen von fast acht Prozent hinnehmen und blieb zunächst nur knapp über 2'000 Punkten. Die Indizes in Kuala Lumpur, Bangkok und Jakarta sackten um etwa fünf Prozent.

Nach dem dramatischen Einbruch des Seouler Börsenbarometers Kospi wurde der Handel gleich nach Öffnung des Markts für 20 Minuten automatisch ausgesetzt. Ein entsprechendes System war 1997 eingerichtet worden und wurde am Montag erstmals durch den Kurssturz von mehr als zehn Prozent aktiviert. Der koreanische Technologie-Index Kosdaq war gegen Mittag sogar um fast elf Prozent gefallen.

Am frühen Nachmittag (Ortszeit) konnte Tokios Börse dann geringfügig wieder Boden gutmachen. Um 12.45 Uhr Ortszeit notierte der Nikkei-Index einen Verlust von 1'470,64 Punkten oder 7,1 Prozent. Ein Kursrückgang nach dem Wall-Street-Einbruch sei zu erwarten gewesen, sagte der japanische Finanzminister Kiichi Miyazawa.

Tokio ist die erste wichtige Weltbörse, die auf den Kurssturz in New York reagieren musste. Wie von vielen Experten befürchtet, kam es nach dem "Blutbad" in New York auch in Tokio zu einem weiteren Aderlass unter den marktführenden Hochtechnologie- und Telekommunikationsaktien. Zu den Opfer des "Kursmassakers" zählen Elektronikschwergewichte wie Sony, NEC oder Fujitsu.

Für zusätzlichen Wirbel sorgte der Vorschlag eines führenden Vertreters der japanischen Regierungspartei LDP, mehr als eine Billion Yen (19 Milliarden Mark) an Steuergeldern in den Aktienmarkt pumpen. Die Regierung sollte dies erwägen, um die Stabilität der Börse zu sichern, wurde Shizuka Kamei am Montag von japanischen Nachrichtenagenturen zitiert.

Der Chef des Wirtschaftsplanungsamts Epa, Taichi Sakaiya, lehnte jedoch einen solchen Manipulierungsversuch auf einer hektisch anberaumten Pressekonferenz ab. Der massive Kurssturz werde die wirtschaftliche Verfassung Japans nicht unterminieren, sagte Sakaiya.

swissinfo und Agenturen

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