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Drogenkonsum in der Armee

Ein Horrorszenario für die Armeeverantwortlichen - gefährdete Sicherheit durch bekiffte Soldaten.

(swissinfo.ch)

Der Genuss von Drogen wird für die Schweizer Armee zum Problem. 600 Rekruten werden pro Jahr wegen entsprechender Vergehen bestraft.

Sechs junge Offiziers-Aspiranten quittierten letzte Woche in der Schweiz die Offiziersschule unfreiwillig: Sie gaben zu, im Militärdienst gegen 20 Gramm Kokain konsumiert zu haben.

Dass in der Armee im grösseren Stil harte Drogen konsumiert werden, ist neu; der Konsum von weichen Drogen jedoch gang und gäbe. Ganze 600 Mal mussten die Vorgesetzten letztes Jahr wegen des Konsums von Cannabis-Produkten Disziplinar-Strafen aussprechen. Das Strafmass reicht bis zu 10 Tagen scharfem Arrest.

Abbild der Gesellschaft

Die Schweiz kennt das Milizsystem - hat also kein Berufsheer. Jährlich treten 25'000 junge Schweizerinnen und Schweizer in Rekrutenschulen ein. Bei Befragungen geben rund 30% dieser jungen Soldaten und Soldatinnen an, wiederholt Cannabis-Produkte zu konsumieren - zur Sorge der militärischen Vorgesetzen. 1978 lag der Kiffer-Anteil noch bei 6,6%.

Kummer macht die Entwicklung Oberfeldarzt Gianpiero Lupi, dem höchsten Mediziner des Schweizer Militärs: "In unserer Milizarmee reflektiert sich eben die zivile Gesellschaft". Die Schweiz sei aber mit kiffenden Soldaten nicht allein: "Meine Kollegen anderer Milizarmeen wie jener von Österreich oder solcher mit allgemeiner Wehrpflicht wie in Norwegen sehen sich mit den gleichen Problemen konfrontiert."

Mit grossen Aufklärungsprogrammen reagierten die Schweizer Armee-Verantwortlichen schon zu Beginn der 90er Jahre. "Wir sind keine Entzugsinstitution, aber die Armee kann auch dazu beitragen, vom Konsum von Drogen abzukommen", meint Gianpiero Lupi gegenüber swissinfo. Nur: die Prävention setzt spät ein - auch in der Schweiz sinkt das Einstiegsalter stetig.

Armeechef Jaques Dousse hat nach den neuesten Drogenfällen bereits mehr Razzien in Kasernen angekündigt. Ausserdem patroullieren immer häufiger Polizisten mit "Drogenhunden" während des Einrückens der Soldaten vor Kasernen und Truppen-Unterkünften. Bisher rückte die Polizei auf Schweizer Waffenplätzen jährlich zu rund 10 Razzien aus.

"Keine völlige Liberalisierung"

Noch ist der Konsum von weichen Drogen in der Schweiz verboten. Dies soll sich aber ändern: Die politischen Weichen sind gestellt, dass der Genuss weicher Drogen künftig straffrei sein dürfte - so will es die Schweizerische Landesregierung, der Bundesrat. Zum Ärger der Militärs: "Der Militärdienst ist eine Zwangsgemeinschaft, wir können bekiffte Rekruten nicht gebrauchen - sie stellen ein Sicherheitsrisiko dar", meint Peter Bolliger, Chef des psychologisch- pädagogischen Dienstes der Schweizer Armee. Was nämlich viele nicht wüssten: "Die Wirksubstanz THC der Cannabis-Produkte lagert sich im Fett der Menschen ab. Der Körper kann sie in Stresssituationen wieder freisetzen".

Gerade in der Armee seien jedoch Stress-Situationen häufig. "Die Berechenbarkeit der Leute wird schwierig - ein Sicherheitsproblem!", erklärt Peter Bolliger. Für ihn sei klar, dass bei einer Liberalisierung des Konsums im zivilen Leben die Armee strengere Vorschriften brauche. "Wir haben das ja beispielsweise bei den Alkoholvorschriften für Armeefahrer. Dort gilt die 0,0-Promille-Regel, im normalen Strassenverkehr sind in der Schweiz jedoch bis zu 0,8-Promille Alkohol erlaubt."

Peter Salvisberg


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