EDA lässt in Burkina Faso nicht spielen

David Valère (links) und Daniel Vouillarnoz im Stück "Comeback für N'Dongo". ndongo.free.fr

Das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sagt eine gesponserte Theatertournee in Burkina Faso ab. Aus Angst Frankreich zu verärgern.

Dieser Inhalt wurde am 20. November 2005 - 12:33 publiziert

Das Theaterstück "Comeback für N'Dongo" – eine Satire über die französische Afrikapolitik – war jedoch bereits während Monaten auch in Paris zu sehen.

Wie die NZZ am Sonntag schreibt "verheddert" sich das Schweizer Aussenministerium in der französischen Afrika-Politik. Wie das?

Ende November hätte das Theaterstück "Comeback für N'Dongo" im afrikanischen Staat Burkino Faso auf Tournee gehen sollen. Geschrieben wurde es von Dominique Ziegler, dem Sohn des UNO-Sondergesandten und ehemaligen Nationalrat der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, Jean Ziegler.

Unterstützt wird die Burkino Faso-Tournee durch die Eidgenossenschaft. Der Bund sprach 56'000 Franken für das N'Dongo-Comeback. Doch daraus wird nun nichts.

Die "NZZ am Sonntag" schreibt: "Doch am Mittwoch, 14 Tage vor dem Abflug der vierköpfigen Theatergruppe , hat das Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) die Notbremse gezogen".

Das Stück, das zuerst "auf ideale Weise in die vom Departement gewünschte Kultur-Aussenpolitk passte", wurde nun wegen "höherer Gewalt" und der unsicheren politischen Situation im benachbarten Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) abgesetzt.

Warum die politische Situation in der Elfenbeinküste eine Theatertournee in Burkino Faso verunmöglichen soll, bleibe unklar, schreibt die Zeitung.

Frankreich nicht reizen

Der Sprecher des EDA, Jean-Philippe Jeannerat, gibt zu, dass beim Entscheid des EDA die bilateralen Beziehungen zu Frankreich "unter anderem eine Rolle gespielt haben". Druck aus Frankreich habe es aber keinen gegeben.

Interessanterweise aber war das offizielle Frankreich über die Tournee des Theaterstückes auf dem Laufenden, wie aus Paris bestätigt wurde. Sogar über die Absage waren die Franzosen bereits informiert.

Doch die offizielle Schweiz weiss nicht, so Jeannerat, wie es dazu kommt, dass ein ausländischer Staat über ein internes Projekt des Schweizer Aussenministeriums Bescheid weiss.

Satire über französische Aussenpolitik

Das Stück "Comeback für N'Dongo" ist in der deutschsprachigen Schweiz kaum bekannt, obwohl es eine deutsche Version gibt. Anders im französischsprachigen Teil der Schweiz.

In der Westschweiz und in Frankreich, so die NZZ am Sonntag, feiere der 35-jährige Dominique Ziegler Publikumserfolge und habe teils überschwängliche Kritik geerntet.

Das Stück selber ist eine bitterböse Satire auf die französische Afrika-Politik. Zwei Figuren treten auf: Präsident Blanc und N'Dongo, ein Diktator aus Afrika, der irgendwie Mobutu aus Zaire gleicht. Blanc ist die Karikatur des französischen Staatschefs. Ob Giscard, Mitterand oder Chirac gemeint ist, kann der Zuschauer selber entscheiden.

Die Staatschefs verwickeln sich in allerlei Dreckgeschäfte. Blanc verlangt zum Beispiel, dass N'Dongo in seinem Land mehr Demokratie zulasse, wenn auch nur zum Schein. So solle er bei den nächsten Wahlen nicht mehr 99.1% Stimmen erhalten, sondern etwa noch 52%.

Zensur?

Ziegler gelangte vor rund anderthalb Jahren ans EDA, um mit dem Stück in Afrika auf Tournee zu gehen. Das Stück wurde unter Vertrag genommen. Es sollte unter dem Stichwort Kulturaustausch die Werte der Schweiz fördern: Menschenrechte und Demokratie.

Genau darum drehe sich sein Stück, argumentiert Ziegler, und wirft dem EDA Zensur vor. Jeannerat widerspricht: "Es geht nicht um eine inhaltliche Bewertung, sondern um die Frage ob der Staat ein solches Theaterstück finanzieren kann".

Pikant, so die NZZ am Sonntag": Das EDA hat das Stück längst unterstützt. Als es in Paris gespielt wurde, legte die Schweizer Botschaft Prospekte auf und warb im Kultur-Bulletin dafür.

swissinfo

In Kürze

Das EDA sagt eine Burkino Faso-Tournee des Theaterstückes "Comeback für N'Dongo" von Dominique Ziegler ab.
Der Bund unterstütze diese Tournee mit 56'000 Franken.
Das Aussenministerium beruft sich auf "höhere Gewalt" und die politische Situation im benachbarten Cote d'Ivoire.
"Comeback von N'Dongo" wird im Théatre de Carouge vom 29. April bis 24. Mai 2006 wieder gespielt.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen