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Einfache Idee für mehr Sicherheit am Himmel

Kurt Tschannen will mit seinem Gians-System die Zahl der tödlichen Piloten-Fehler senken.

(swissinfo.ch)

Ein Schweizer Ingenieur hat ein neues System für Flugzeug-Navigation und Flugüberwachung entwickelt. Damit soll die Zahl der Flug-Unfälle gesenkt werden.

Der Clou: Alle heutigen Instrumente im Cockpit sind in einem einzigen Gerät vereinigt.

15 Jahre hat er daran gearbeitet, die Entwicklung verschlang Millionen. Jetzt ist das "Baby" präsentationsreif: Der Zürcher Forschungs-Ingenieur Kurt Tschannen kann sich getrost als Vater des Global Integrated Air Navigation System (Gians) bezeichnen.

Sein Ausgangspunkt: "In den Flugzeug-Cockpits hat es zu viele Instrumente, welche die Piloten interpretieren müssen. Das führt manchmal zu Fehlern und sehr ernsten Unfällen", sagt Tschannen gegenüber swissinfo.

"Der Absturz der Alitalia-Maschine am Stadlerberg ist ein Beispiel dafür, ebenso der Crossair-Absturz in Bassersdorf."

Beide Vorfälle, sie geschahen in den Jahren 1990 und 2000, hatten ihren Ursprung in Pilotenfehlern. Beim Absturz der italienischen DC-9 kamen 46 Menschen ums Leben, beim Crash der Saab 340 der Crossair starben 10 Menschen.

Laut Tschannen, der selber Pilot ist, zeigen diese und andere Unfälle den Bedarf an einfacheren Navigationssystemen für Flugzeuge auf.

Alles auf einen Blick

Durchschnittlich sind in einem Flugzeug-Cockpit über 50 Instrumente untergebracht. Mit Tschannens Gians werden alle diese in einen einzigen Bordcomputer integriert, der einen künstlichen Horizont erzeugt. Die Daten zur Navigation und zum Flug erscheinen lediglich auf zwei Bildschirmen.

"Dem Piloten genügt ein einziger Blick, um alles unter Kontrolle zu haben", so Tschannen. Weiterer Vorteil: "Sämtliche Informationen werden auf sehr klare Art dargestellt."

Perfekte Sicht, auch bei Nebel

Obwohl sich Gians sehr verständlich präsentiert, ist es ein äusserst komplexes System, das aus drei Datenbanken besteht: Eine für die Navigation, eine für die Graphiken sowie einem Datensatz für die dreidimensionale Darstellung des Geländes.

Das ermöglicht dem Piloten eine perfekte Sicht auf die Landschaft, die er überfliegt, und das sogar bei prekären Wetterverhältnissen mit schlechter Sicht.

Einfacher und somit sicherer wird mit Gians auch die Landung, denn eine Art dreidimensionaler Tunnel führt den Piloten direkt auf die Piste.

Einfacheres Anflugverfahren

Tschannen streicht heraus, dass seine Entwicklung gerade für den Anflug auf den Flughafen Zürich, der über bewohntes Gebiet führe, eine Hilfe wäre. Ebenso für die Landung in Lugano-Agno, wo die umliegenden Bergzüge einen steilen Sinkflug erfordern.

"Weil Gians einen kurvigen Anflug auf ein Ziel ermöglicht, können wir solche Probleme leicht und schnell lösen", glaubt Tschannen.

Ausgeklügelt

Gians benützt das Global Positioning System (GPS). GPS ist ein von Satelliten gestütztes Navigations- und Lokalisierungssystem.

Es bietet dem Piloten den Vorteil, dass die errechneten GPS-Daten sehr präzise sind. Sämtliche Testflüge sind laut Tschannen denn auch sehr erfolgreich verlaufen.

Gegenwärtig wird Gians einem internationalen Zulassungsverfahren unterzogen, das 18 Monate dauert und für neue Technologie im Flugbereich obligatorisch ist.

Tschannen hofft natürlich, dass sich die Industrie für seine Entwicklung interessiert, sobald das Okay der Prüfer vorliegt.

Zielpublikum Industrie und Behörden

"Wir hatten schon positive Reaktionen", so Tschannen. "Flugunternehmen und Behörden gehen davon aus, dass Gians die Zukunft der Flugnavigation darstellt." Bereits bestünden Kontakte zu Fluggesellschaften und zur Flugzeug-Industrie.

Ebenfalls sein Interesse an Gians bekundet hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), das aber betont, dass das System noch voll ausgetestet werden müsse.

"Das System bietet einen interessanten Zugang für den künftigen Gebrauch von Navigationstechnologie", sagt Bazl-Sprecher Daniel Göring. Für den Einsatz im Cockpit sei es aber noch nicht bereit.

Dringender Geldbedarf

Gians hat bisher Entwicklungskosten von mehreren Millionen Franken verschlungen, und Tschannen benötigt dringend weitere 2,5 Millionen für die Tests des internationalen Zulassungsverfahrens.

Er bedauert, dass er für seine Erfindung von der Regierung und von den Banken nicht mehr Unterstützung erhalten habe. Support für die High-Tech-Industrie würde der gesamten Schweizer Wirtschaft nützen, ist er überzeugt.

Er ist sich aber auch so sicher, dass Gians Fokus auf die Flugsicherheit dem System eine strahlende Zukunft verheisst.

"Es bedeutet eine gewaltige Verbesserung der Sicherheit für kommerzielle und andere Flugzeuge, und das ist auch das Ziel, nämlich Unfälle zu vermeiden."

swissinfo, Isobel Leybold-Johnson
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

In Kürze

Das Global Integrated Air Navigation System (Gians) wurde vom Schweizer Ingenieur Kurt Tschannen entwickelt.

Die bisher über 50 Cockpit-Instrumente sind in Gians in einem einzigen Gerät integriert.

Damit soll die Flugsicherheit erhöht und die Zahl der Flugunfälle gesenkt werden.

Gians wird gegenwärtig für die internationale Zulassung getestet.

Tschannen fehlen momentan 2,5 Mio. Franken, um die Tests fortzuführen.

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