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Einführung des Euro birgt auch für die Schweiz Gefahren

Die Einführung der europäischen Einheitswährung Euro kann auch in der Schweiz zu einer Zunahme der Kriminalität führen. Nach Einschätzung einer Expertengruppe muss sich die Schweizer Bevölkerung künftig vor allem vor Falschgeld in Acht nehmen.

Dieser Inhalt wurde am 21. Oktober 1999 - 15:02 publiziert

Die Einführung der europäischen Einheitswährung Euro kann auch in der Schweiz zu einer Zunahme der Kriminalität führen. Nach Einschätzung einer Expertengruppe des Bundes muss sich die Schweizer Bevölkerung künftig vor allem vor Falschgeld in Acht nehmen.

Durch die Überführung von elf europäischen Währungen in den Euro ist auch die Schweiz in verschiedener Hinsicht betroffen: Neben den volkswirtschaftlichen und währungspolitischen Folgen seien auch die Auswirkungen im Bereich der Kriminalität im Auge zu behalten, befand das Bundesamt für Polizeiwesen (BAP). Auf Einladung der Meldestelle für Geldwäscherei des BAP haben deshalb Experten in einem Bericht die möglichen Gefahren aufgezeigt und eine Reihe von Empfehlungen für die Prävention ausgearbeitet.
Die Arbeitsgruppe will mit ihrem Bericht die Öffentlichkeit sowie die betroffenen Firmen und Institutionen informieren und bezüglich möglicher Risiken sensibilisieren.

Gemäss dem Bericht müssen die Behörden und betroffenen Bereiche mit den entsprechenden technischen Mitteln und personellen Ressourcen ausgestattet werden, um auch präventiv und nicht nur reaktiv nach der Entdeckung allfälliger Straftaten handeln zu können.

Am 1. Januar 1999 wurde der Euro als Buchgeld eingeführt. Er besitzt - abgesehen von den noch fehlenden Banknoten und Münzen - alle Eigenschaften einer Währung. Nach Ansicht der Expertengruppe dürften bereits Vorbereitungshandlungen für Straftaten stattgefunden haben, indem Kriminelle die notwendige Infrastruktur (z.B. durch den Missbrauch von Informationstechnologien) bereitgestellt haben.

Auch während der weiteren - bis zum 31. Dezember 2001 dauernden - Buchgeldphase dürfte das Gefahrenschwergewicht nach Einschätzung der Expertengruppe vor allem auf den Vorbereitungshandlungen liegen.

Für die Banken und die Post bestehe die Hauptproblematik darin, dass Kriminelle die Software bei Geldausgabe- und Geldwechselautomaten manipulieren könnten, um dies später zum eigenen Vorteil auszunutzen. Auch das Risiko von Manipulationen im Rechnungswesen müsse ausreichend berücksichtigt werden. Es sei ferner möglich, dass Kunden von Banken und anderen Finanzintermediären "Tarnargumente" (z.B. steuerliche Gründe) anführten, um grössere Transaktionen von Geldern krimineller Herkunft zu plausibilisieren, warnt die vom BAP eingesetzte Arbeitsgruppe in ihrem Bericht. Die Finanzintermediäre dürften deshalb trotz des enormen Volumens an Transaktionen solche "Tarnargumente" nicht als alleinige Erklärung akzeptieren.

Ab 1. Januar 2002 wird der Euro neben den nationalen Währungen gesetzliches Zahlungsmittel sein. Während dieses Doppelwährungszeitraumes, der bis spätestens 30. Juni 2002 dauert, drohen nach Einschätzung der Arbeitsgruppe verschiedene Risiken. So dürften vermehrt gefälschte Banknoten bisheriger nationaler Währungen in Umlauf gebracht werden. Es ist weiter davon auszugehen, dass bereits in dieser Phase gefälschte Euro-Banknoten in Umlauf gesetzt werden. Deshalb sei nicht nur eine gezielte Schulung des betroffenen Personals, sondern auch eine breite Information der Bevölkerung in den grenznahen Gebieten und den Tourismusregionen erforderlich. Ferner ist gemäss dem Expertenbericht damit zu rechnen, dass unseriöse Geldwechselanbieter versuchen, ohne Bewilligung ihre Dienste anzubieten.

Alle diese Gefahren bestehen auch nach dem Doppelwährungszeitraum, wenn der Euro das alleinige Zahlungsmittel in allen Staaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sein wird. Nach dem 1. Juli 2002 dürfte der Umtausch der bisherigen nationalen Banknoten und Münzen vermehrt in Drittstaaten, namentlich in der Schweiz, erfolgen. Dies gilt gemäss dem Bericht der Expertengruppe insbesondere auch für Gelder krimineller Herkunft, da ein potentieller Geldwäscher den direkten Verkehr mit den Zentralbanken vermeiden will. Deshalb müssten die Finanzintermediäre insbesondere auf grössere Umtauschaktionen achten und allenfalls vertiefte Hintergrundabklärungen vornehmen. Während allen Phasen bestehe schliesslich die Gefahr, dass Kriminelle die Unkenntnis der Bevölkerung über die Umstände der Währungsumstellung ausnutzen können. Um dies zu verhindern, müssten die Finanzintermediäre und Behörden vermehrt Öffentlichkeitsarbeit leisten.

SRI und Agenturen

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