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Ende der goldenen Zeiten für Tessiner Tankstellen

Die lombardischen Tankwarte im Grenzgebiet erwarten nach der Preissenkung eine Umsatzsteigerung von 60 Prozent. Keystone

Gezählte Tage für den Benzintourismus von Italien ins südliche Tessin: Die Region Lombardei wird auf 1. Juli die Benzinpreise im Grenzgebiet drastisch senken. Vor allem die Wirtschaft im Mendrisiotto wird dies zu spüren bekommen.

Dieser Inhalt wurde am 04. Juni 2000 - 18:03 publiziert

Der lombardische Regionalrat hat die letzten bürokratischen Hürden aus dem Weg geräumt. Der Preisabschlag wird somit zum vorgesehenen Datum für rund 450'000 Automobilisten in 199 Gemeinden der Provinzen Como, Varese und Sondrio in Kraft treten.

Die Preisreduktion wird je nach Entfernung zur Grenze - bis zu 20 Kilometern - maximal 350 Lire (30 Rappen) betragen. Die Preisdifferenz zwischen italienischer und Tessiner Seite wird damit praktisch aufgehoben. Noch vor wenigen Monaten betrug der Unterschied 40 Rappen. Bei einer vollen Tankfüllung im Tessin konnten die Italiener bis zu 20 Franken sparen.

Jubel in der Lombardei: "Jetzt wendet sich das Blatt"

Die Massnahme der Spritpreissenkung war von den lombardischen Tankwarten daher schon lange gefordert worden. "40 Jahre lang haben wir unter der Schweizer Konkurrenz gelitten, jetzt wendet sich das Blatt", freut sich Daniela Maroni, Präsidentin des Tankstellenverbandes von Como.

Die Branche im Grenzgebiet erwartet eine Umsatzsteigerung von 60 Prozent. Gemäss den regionalen Behörden könnten die Benzinverkäufe um 115 Millionen Liter im Jahr zunehmen.

Katastrophenszenario im Mendrisiotto

Ganz anders klingt die Musik im Mendrisiotto, wo ein goldenes Zeitalter seinem Ende entgegen geht. Die dortigen Tankstellen machten dank der italienischen Kunden Bombengeschäfte - bis jetzt.

Gemäss einer Studie der Erdöl-Vereiniung ist mit einem Einnahmeverlust von 290 Millionen Franken im Jahr zu rechnen. Zahlreiche Tankstellen müssen demnach geschlossen werden, 150 Personen werden ihre Stelle verlieren.

Wegen dieses Katastrophenszenarios bat die Tessiner Regierung Bern, gegen die Benzinpreissenkung in der Lombardei vorzugehen. Ihrer Ansicht nach verletzt der Preisabschlag internationale Handelsabkommen. Rom ermöglicht ihn, indem der Region ein Aufschlag auf die Benzinsteuern bezahlt wird.

Der Vorstoss aus Bellinzona ist allerdings chancenlos. Auf Anfrage des Tessiner Ständerats Renzo Respini (SVP) hatte der Bundesrat bereits auf die grossen steuerlichen Freiheiten innerhalb der EU hingewiesen.

Im übrigen ist diese Art der Preisreduktion durch einen Steuerausgleich innerhalb der Europäischen Union durchaus üblich. Es gebe momentan rund hundert solcher Ausnahmen, erklärte ein Sprecher der EU-Kommission auf Anfrage.

"Anachronistische Forderungen"

Nicht alle im Tessin teilen die kämpferische Verteidigung des Grenzhandels. Für SP-Kantonalpräsidentin Anna Biscossa sind diese Forderungen "vollkommen anachronistisch".

"Auf diese Weise ist es nicht möglich, die Zukunft des Tessins aufzubauen", meint Biscossa. Um vom lombardischen Markt zu profitieren, müsse man nicht billigeres Benzin und Spielbanken haben, sondern eine avancierte Ökonomie und gut ausgebildete
Fachkräfte.

Ausserdem müssen ihrer Ansicht nach die konkreten Auswirkungen auf das Mendrisiotto relativiert werden. Bereits 1995 hatte der starke Franken den Benzintourismus fast vollständig zum Erliegen gebracht. "Und wir haben doch überlebt."

Überlegungen zur Umwelt spielen in der jetzigen Debatte im Gegensatz zum Anfang der 90er Jahre keine Rolle. Damals wurden die Öffnungszeiten der Tankstellen im Mendrisiotto für einige Jahre per Gesetzesdekret eingeschränkt, weil die Bevölkerung unter dem Benzintourismus litt. Lärm und Abgase wurden so verringert.

swissinfo und Agenturen

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