Navigation

Engagement für die Vogelwelt

Die Feldlerche. Ihr Bestand geht stetig zurück. Alex Schläpfer

Die Vogelgrippe ist in der Vogelwarte Sempach kaum mehr Thema, wohl aber der schleichende Rückgang gewisser Arten, zum Beispiel der Feldlerche, eines braunen, unscheinbaren Singvogels.

Dieser Inhalt wurde am 07. Januar 2008 - 10:00 publiziert

Seit Jahrzehnten untersucht die private Stiftung am Sempachersee die heimische Vogelpopulation und setzt sich für intakte Lebensräume ein.

In der Schweiz leben über 200 Arten Brutvögel, weitere 200 halten sich als Wintergäste hier auf.

Matthias Kestenholz kennt sie alle, sowohl akustisch wie auch optisch.

Die Vogelgrippe, die in den vergangenen zwei Jahren Schlagzeilen machte und der Vogelwarte viel Arbeit und Aufmerksamkeit bescherte, bereitet Matthias Kestenholz keine schlaflosen Nächte mehr.

Umso besorgter ist der Biologe und Medienverantwortliche der Vogelwarte Sempach über den schleichenden Artenverlust in der Schweiz: "Der Rückgang in der Vogelwelt, die Verarmung der Natur insgesamt, läuft unauffällig ab, ohne dramatische Bilder, die aufrütteln. Eine stille Katastrophe."

Als Beispiel nennt Kestenholz die Feldlerche, ein unauffälliger Singvogel, der früher auf Feldern und Wiesen weit verbreitet war. "Heute ist die Feldlerche aus vielen Gebieten des Mittellandes verschwunden oder nur noch in reduzierten Beständen vorhanden."

Der Singvogel leidet unter der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung. Um das Nest zu bauen, die Eier zu legen und auszubrüten sowie die Nestlinge grosszuziehen, braucht die Feldlerche fünf Wochen. Da die Wiesen jedoch in einem Rhythmus von vier Wochen geschnitten werden, fährt die Mähmaschine auf, bevor die Jungvögel flügge sind.

Drama im Verborgenen

"Die Brut wird vermäht. Jeden Frühling spielt sich im Verborgenen hundertfach, tausendfach ein Drama ab. Langfristig führt das dazu, dass die Bestände immer stärker abnehmen, weil der Nachwuchs fehlt."

Noch leben 40'000 Brutpaare dieser Art in der Schweiz. In den letzten 15 Jahren wurde jedoch ein Rückgang von gegen 30% festgestellt.

Diese Entwicklung ist alarmierend, reicht aber noch nicht, um die Feldlerche auf die Rote Liste der gefährdeten Arten zu setzen. Auf dieser figurieren bereits 40% aller einheimischen Brutvögel.

Die Feldlerche steht stellvertretend für andere Vogelarten, für das Rebhuhn, die Wachtel, die Grauammer, das Schwarzkehlchen, das Braunkehlchen. Sie alle erleiden das gleiche Schicksal. Sie alle werden verdrängt, durch die Agrarwirtschaft, den Siedlungsdruck, durch die Beanspruchung der Lebensräume durch den Menschen.

Nachhaltige Bebauung

Die Vogelwarte Sempach setzt sich für neue Formen der landwirtschaftlichen Nutzung, für ökologische Landwirtschaft ein, in der nicht nur gesunde Lebensmittel produziert werden, sondern im Kulturland vorkommende Wildtiere eine dauerhafte Existenz finden.

"Wir unterhalten in verschiedenen Gegenden, zum Beispiel im schaffhausischen Klettgau, im Kanton Genf, im St. Gallischen Rheintal oder in der Wauwiler Ebene Artenförderungsprojekte. Engagierte Bauern schaffen z.B. mit Buntbrachen wieder neuen Lebensraum für die Feldlerche."

Damit solche positiven Entwicklungen überall zum Tragen kommen, ist es laut dem Vogelexperten wichtig, dass die Massnahmen nicht nur lokal, sondern grossflächig angewendet werden. Dazu brauche es entsprechende Anreize, auch finanzielle.

Vögel auf der Flucht

Aber nicht nur intensive Landwirtschaft und Zersiedelung, sondern auch der Klimawandel dürfte die Vogelwelt stark beeinflussen und verändern, sagt Matthias Kestenholz.

Insbesondere alpine Arten, wie z.B. das Schneehuhn oder der Schneesperling, die weit oberhalb der Baumgrenze leben und tiefe Temperaturen brauchen, seien bedroht. "Wenn die Temperaturen im Laufe der nächsten Jahrzehnte ständig steigen, werden sich diese Vogelarten in grössere Höhen verabschieden."

Diese Entwicklung könnte laut Kestenholz dazu führen, dass gewisse Arten vielleicht im Laufe der Zeit aus den Schweizer Alpen verschwinden. "Die Schweiz trägt hier eine grosse Verantwortung, weil jeder dritte Schneesperling Europas in der Schweiz lebt."

Der Vogelexperte kann sich auch gut vorstellen, dass sich zudem gewisse mediterrane Arten infolge der Klimaveränderung weiter nach Norden ausbreiten. "Der Bienenfresser ist ein Beispiel dafür. Dieser farbenprächtige Vogel brütet seit ein paar Jahren in Einzelpaaren in der Schweiz."

Vögel gelten als aussagekräftige Gradmesser für den Umgang der Menschen mit der Natur und Landschaft. Der Vogelliebhaber, der seine Passion zum Beruf gemacht hat, ist überzeugt, dass ein intakter Lebensraum nicht nur für die Vögel gut ist. "Eine verwaiste, verarmte, öde Gegend ist letztlich auch für den Menschen von Nachteil. Auch wir brauchen naturnahen Lebensraum."

swissinfo, Gaby Ochsenbein, Sempach

Vogelwarte

1924 Gründung als Einmannbetrieb.
Seit 1954 private Stiftung, die politisch und konfessionell neutral ist.

80% der Gelder stammen aus privaten Spenden.

20% ist Auftragsarbeit, z.B. für die Forschung.

Die Vogelwarte zählt 65 Vollzeitstellen und 1200 Ehrenamtliche, die z.B. bei der Vogelzählung mithelfen.

Die Vogelwarte ist das grösste private Feldforschungsinstitut der Schweiz. Sie ist Auskunfts- und Beratungsstelle für die Öffentlichkeit, für Medien und Behörden.

Sie erarbeitet u.a. wissenschaftliche Grundlagen für die Vogelkunde.

End of insertion

Die Vögel der Schweiz

Die Vogelwarte Sempach hat auf Ende 2007 ein umfassendes Buch mit dem schlichten Titel: "Die Vögel der Schweiz" herausgegeben.

Auf 848 Seiten und mit über 2000 Fotos wird umfassend über die Vielfalt der einheimischen Vogelwelt informiert.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.