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Exporteure gegenüber den Chancen in China noch skeptisch

Das Freihandels-Abkommen der Schweiz mit China, das vor einem Jahr in Kraft getreten ist, hat verlockende Seiten. Aber die stockende chinesische Wirtschaft lässt die Exporteure daran zweifeln, ob sich Investitionen in den riesigen Zukunftsmarkt wirklich lohnen.



Der Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und sein chinesischer Amtskollege Gao Hucheng nach der Unterzeichnung des Abkommens.

Der Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und sein chinesischer Amtskollege Gao Hucheng nach der Unterzeichnung des Abkommens.

(Keystone)

Das Abkommen hat der Schweiz den Weg geebnet, als Gründungsmitglied der asiatischen Investitionsbank beitreten zu wollen. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung des von Wirtschaftskreisen erwünschten Renminbi Handelszentrums.

Zwischen Juli 2014 und Juni 2015 nahmen die Exporte nach Chinaexterner Link um 3% zu, die Importe stiegen um mehr als 4%,die Gesamtexporte in derselben Periode hingegen lediglich um 0,4%

Welchen Anteil an dieser Steigerung hat das Freihandels-Abkommen mit China? "Der Haupteffekt ist zurzeit sicherlich psychologischer Natur", sagt Nicolas Musyexterner Link, der Mitbegründer der in Shanghai domizilierten China Integrated Agentur gegenüber swissinfo.ch. "Zollsenkungen für Güter, die für die Schweiz wichtig sind, werden 10 Jahre in Anspruch nehmen. Doch das Abkommen beschleunigt die Dynamik der Geschäftsbeziehungen zwischen den Firmen der beiden Länder."

Stockendes Wachstum

Von Zollsenkungen werden laut Experten die Schweizer Maschinen-, die Pharma- und die Uhrenindustrie profitieren.

Eine Machbarkeitsstudie von 2010 prognostiziert auf Basis der Exporte im Jahr 2010 eine potentielle Zunahme um 63%. Doch vorher müssen noch verschiedene Hürden überwunden werden.

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Die chinesische Regierung ist entschlossen, die bisher staatslastige Wirtschaft in Richtung Privatunternehmen und Konsumenten zu entwickeln. Vincent Affolter, zuständig für den Asienraum bei der Schweizer Firma Affolter Groupexterner Link, sagt, der Bestellungseingang sei im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, da die die chinesische Wirtschaft wegen der Reformen eine abwartende Haltung einnehme.

"Die Karten werden neu verteilt, und niemand weiss, wer gewinnen wird, der Privatsektor oder der Staat", sagt Affolter gegenüber swissinfo.ch. "Ich habe das Gefühl, dass die staatlich orientierten Akteure glauben, es werde alles beim Alten bleiben. Doch China scheint fest entschlossen zu sein, die Wirtschaft neu zu positionieren. Es gibt Möglichkeiten für den privaten Sektor, aber es herrscht eine gewisse Verunsicherung hier."

"Der Weg, die chinesische Wirtschaft in ein Gleichgewicht zu bringen, wird lang und steinig sein", sagte kürzlich Kamel Mellahi von der Warwick Business School.

Modernisierungs-Prozess

Doch die Restrukturierung der chinesischen Wirtschaft könnte den Schweizer Firmen auch grosse Gewinne bringen. "Als ich 2008 Firmen besuchte, hatten die meisten noch alte Maschinen. Das ändert sich jetzt", sagte Affolter. "China ist weltweit der einzige grosse Markt, der daran ist, von einem veralteten Maschinenmarkt auf moderne und automatisierte Herstellungsprozesse umzustellen."

Die von der Regierung angestrebte Eindämmung der Korruption – Geschenke unter und an Beamte – lastet auf den Exporten der Schweizer Luxusgüter- und Uhrenbranche. Ein Viertel aller Schweizer Uhrenexporte geht nach China oder Hongkong.

2014 gingen die Schweizer Uhrenexporte nach China um 3,6% zurück und stagnierten, was Hongkong betrifft. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahre blieben die Exporte volatil. Nach Hongkong nahmen sie um 19,2% ab, nach China um 8,4% zu.

Nicolas Musy erwartet nicht, dass das Freihandelsabkommen die Uhrenexporte nach China nachhaltig beeinflussen wird. Gewisse Abgaben würden sinken, währendem lokale Steuern auf Luxusgütern vom Abkommen ausgenommen seien. Der Verband der Schweizer Uhrenindustrie hingegen geht davon aus, dass China trotz der aktuellen Schwankungen langfristig ein wichtiger Markt bleiben wird und hofft, dass künftig Verhandlungen über die chinesische Luxussteuer möglich sein werden.

Frage der Geschwindigkeit

Ein weiteres Hindernis für einen sofortigen Erfolg des Freihandels-Abkommens sind die unvermeidlichen Kinderkrankheiten rund um die Verfahren und die Formalitäten der Umsetzung.

Ein konkretes Problem zeigte sich schon bald, als die ersten Waren aus der Schweiz zusammen mit Waren aus EU-Ländern aus China ankamen. Schweizerische und chinesische Beamte mussten Verzögerungen des Zolls hinnehmen, da die Zollinspektoren Mühe hatten, die Waren aus der Schweiz von den andern zu unterscheiden.

Simon Evenettexterner Link, Handelsexperte an der Universität St. Gallen, glaubt, dass die Befürworter des Freihandels-Abkommens die Vorteile der Zollbefreiung und der vereinfachten Prozeduren überschätzt haben.

"China hat Massnahmen beschlossen, mit denen die Schweizer Exporteure nicht einverstanden sind. Wie weit sich die Auflehnung lohnt, wird sich zeigen", sagte er gegenüber swissinfo.ch.

Dennoch werde das Abkommen der Schweizer Wirtschaft Vorteile bringen, räumt Evenett ein. "Die Reise geht weitgehend in die richtige Richtung, doch werden nicht alle mit der Geschwindigkeit glücklich sein."


(Übersetzt aus dem Englischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch

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