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Fernsehen via Internet: Mehr als nur ein Gag

(swissinfo.ch)

Fernsehen, wo immer man will – für die einen Traum, für andere eher Alptraum. So oder so, die in der Schweiz ansässige Firma Zattoo macht es möglich. Sie bietet in sechs Ländern Fernsehprogramme an, die auf dem Computerbildschirm betrachtet werden können.

Mit Zattoo kommen in der Schweiz 82 Fernsehprogramme auf den Computerscreen, die zu Hause oder unterwegs angeschaut werden können. Davon können 31 Sender in hoher Qualität empfangen werden, wenn mann dafür bezhalt.

Noch vor ein paar Jahren schien ein solches Unterfangen unmöglich, die Übertragungskapazitäten des Internets stiessen schon durch den Versand von einfachen Bildern und Texten an ihre Grenzen.

Als Internet in einer grösseren Bandbreite angeboten wurde, wurden auch andere Anwendungen möglich, so auch der Empfang von Video-Bildern.

2005 gründete deshalb der Schweizer Beat Knecht mit Kollegen aus der gemeinsamen Studienzeit an der Universität in Berkely, Kalifornien, eine Firma, mit der das Übertragen von Live-Fernsehen via Internet ermöglicht werden sollte.

Heute ist das schon gewöhnliche Realität. So meldete Zattoo vor kurzem den fünf-millionsten Nutzer seines Angebotes. Vor 2 Jahren freute man sich über den ein-millionsten.

Nicht mehr nur via Download

"Im Juni 2006 war Zattoo in den Startlöchern und hat in der Schweiz mit Streamen begonnen, mit vier Kanälen: SF1 und SF2, sowie je dem ersten französischsprachigen und Tessiner Programm", sagt Knecht.

Damals war es noch unerlässlich, eine Software auf dem Computer zu installieren, damit die gestreamten Programme dargestellt werden konnten.

Seit April dieses Jahres braucht es nur noch einen Web-Browser, um zwischen den rund 70 Programmen wählen zu können. "Wir haben das aber ein wenig versteckt", sagt Knecht.

"Wir wollen das nicht forcieren, denn es gibt gute Gründe, weshalb man bei der Applikation bleiben sollte. So kann zum Beispiel nur eine Anwendung ein Fenster bilden, das immer zuvorderst auf der Bildschirmoberfläche klebt."

Ohne Berechtigung keine Live-Ströme

"Im Internet darf man nicht wie bei einer Fotokopiermaschine ein Buch auflegen und dann kopieren. Ohne Berechtigung dürfen dort keine Live-Ströme vervielfältigt werden", sagt Zattoo-CEO Knecht.

Es handle sich dabei um zwei- bis dreistufige Prozesse, wo auch der Staat zum Teil eine Rolle spiele, gerade in Ländern, wo eine starke Zensur herrscht.

Am Regulierungsspiel beteiligen sich jedoch auch die so genannten Verwertungsgesellschaften, welche versuchen, die Rechte der Künstlerinnen und Künstler zu schützen. Drittens gebe es noch die einzelnen Fernsehstationen, die vor einer Anbindung ihres TV-Kanals ihr Veto einlegen können.

Ideal für Auslandschweizer?

"Wenn Sie beispielsweise nach Kroatien in die Ferien gehen, wird Ihnen jedes Hotel einen Satellitenempfang vom Privatsender Pro 7 anbieten. Eigentlich ist das nicht rechtens, weil Pro 7 den James Bond-Film am Dienstagabend sicher nicht für Kroatien gekauft hat, sondern für Deutschland und ein paar andere Länder.

Das wird jedoch toleriert, da niemand weiss, wie man dagegen vorgehen soll. Auf Zattoo sind wir aber viel stärker unter der Lupe der Beobachter und die Spielregeln und Erwartungshaltungen sind höher. Wir müssen beweisen, dass wir die Signale an der Grenze stoppen. Und das tun wir sehr wirkungsvoll. Das hat uns glaube ich auch geholfen, viele Sender zu akquirieren", so Knecht.

"Wir möchten schon lange öffentlich-rechtliche Fernsehprogramme wie das Schweizer Fernsehen im Ausland zur Verfügung stellen. Technisch wäre das ohne Probleme möglich. Wir würden dafür auch Geld einziehen und dieses an die Rechteinhaber weitergeben", sagt Knecht. "Stimmt das Schweizer Fernsehen zu, machen wir das sofort."

Nichts ohne Werbung

Grund für die steigende Popularität ist nicht nur das breitbandigere Angebot. "Heute besitzt fast jedermann einen Laptop, auch bald jedes Schulkind. So haben fast alle ein Gerät zur Verfügung, das fähig ist, TV zu empfangen, wenn die Zattoo-Software oder ein Internet-Browser zur Verfügung stehen", so Knecht.

Trotz allem Wachstum: Ohne Werbung kann sich ein Unternehmen wie Zattoo nicht über Wasser halten. Die Firma konnte in diesem Jahr im Vergleich zur Vorjahresperiode ihre Werbeeinnahmen verdoppeln. "Die Werbung auf Zattoo ist hervorragend. Sie performt viel besser als sonst im Internet oder im Fernsehen", ist Knecht überzeugt.

Konkurrenzprodukte

Zattoo gilt als Pionier beim Fernsehempfang via Internet. Der Erfolg hat aber auch Konkurrenten auf den Plan gerufen. So bietet "Wilmaa.com" den kostenlosen Empfang von Fernsehsendern an, allerdings in bedeutend kleinerer Zahl als Zattoo.

"Nello.tv" bietet in der Schweiz Fernsehprogramme an, für deren Nutzung man allerdings zahlen muss und bietet als besonderes Schmankerl eine Aufnahmemöglichkeit, um Sendungen zeitversetzt anschauen zu können. Diese Fähigkeit will Knecht bei Zattoo auch nachrüsten.

Und "Online-Fernsehen.tv" bietet gar 2500 Fernseh-Programme aus der ganzen Welt an, wenn die entsprechende Software installiert wird. Allerdings ist nicht ganz klar, wer hinter diesem Angebot steht, ob dieses seriös ist und ob die versprochene Leistung tatsächlich erbracht werden kann.

Etienne Strebel, swissinfo.ch

Zattoo – Fernsehen via Internet

Gegründet 2005 in den USA als ein Spin-Off der Universität Michigan.

Aktiv in der Schweiz ab 2006.

Zattoo bietet seine Dienstleistung derzeit in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Schweiz und Spanien an.

Das Unternehmen beschäftigt rund 20 Mitarbeitende und hat seinen Sitz in der Schweiz.

Zattoo wird, inklusive den Angeboten für andere Länder, von der Schweiz aus gemanagt.

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