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Für Postangestellte geht der Kampf weiter

Auch in Lugano geben Postangestellte ihrem Ärger Ausdruck.

(Keystone)

In mehreren grossen Schweizer Städten haben Postangestellte am Freitag Protestpausen eingelegt. Sie wehren sich gegen Stellenabbau und Lohnreduktion.

Die Gewerkschaften befürchten die Aushöhlung des Gesamtarbeits-Vertrags, die Auslagerung von Geschäftsbereichen der Post und einen weiteren Stellenabbau.

Unter dem kämpferischen Titel "Sturmwarnung" hatten die Gewerkschaften Kommunikation und transfair zu Protestaktionen in Zürich, Bern, Genf, Basel, Biel, Lausanne, Luzern und St. Gallen aufgerufen. Der Arbeitskonflikt steht vor dem Hintergrund eines beachtlichen Stellenabbaus: Die Post will mittelfristig rund 3000 Stellen abbauen.

Nach Auskunft der Gewerkschaften starteten die Proteste am Mittag in Genf. Die Aktionen hätten meist in einer verlängerten Mittagspause stattgefunden. Neben Genf kam es auch in Lausanne, Lugano, Zürich, Bern, Basel, Biel, Luzern und St. Gallen zu Kundgebungen.

Die Aktion sei erfolgreich verlaufen, bilanzierten die Gewerkschaften. Trotz der Drohung von Arbeitgeberseite, Abwesenheiten vom Arbeitsplatz vom Lohn abzuziehen, seien dem Aufruf mehr als 2000 Personen gefolgt.

Die Gewerkschaften fordern einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) auf der Grundlage des heutigen Vertrags sowie einen Stopp bei den Auslagerungen und beim Stellenabbau.

Post verteidigt ihre Stellung

Olivier Flüeler, Pressesprecher der Post, erklärte im Zusammenhang mit den Protesten gegenüber swissinfo, die allgemeine Situation habe sich seit der Teilliberalisierung der Post geändert.

"Wir haben immer gesagt: Unsere Arbeitsbedingungen liegen weit über denjenigen der Branche. Mit dem Wegfall des Post-Monopols auf die Paketdienste besteht die Gefahr, dass wir Aufträge und damit auch Arbeit verlieren, wenn wir nicht konkurrenzfähig sind."

Die Post signalisierte nach den Protesten dennoch ein gewisses Verständnis für das verunsicherte Personal. Zugleich wurde der Aufruf der Gewerkschaften zum Protest vor Beginn der GAV-Verhandlungen bedauert.

Um dem wachsenden Konkurrenzdruck zu begegnen, möchte die Post die Löhne ihrer Angestellten regionalisieren, die Arbeitszeit von 40 auf 41 Stunden pro Woche erhöhen und weitere Postdienstleistungen auslagern.

"Kurz gesagt bedeutet dies weniger Lohn für mehr Arbeit", kritisiert die Gewerkschaft Kommunikation. Unhaltbar sei zudem, dass die Post-Direktion eine Kampagne lanciert habe, bevor die eigentlichen Verhandlungen begonnen hätten.

Keine Verhandlungen ohne Garantien

"Bereits im vergangenen Juli und ein zweites Mail im Januar hat Generaldirektor Ulrich Gygi vor der Presse erklärt, dass die Löhne der Angestellten zu hoch seien. Das ist beim Personal als Provokation empfunden worden", sagte Gewerkschaftspräsident Christian Levrat gegenüber swissinfo.

Die Gewerkschaften fordern nun Garantien, bevor sie in die GAV-Verhandlungen einsteigen: Beschäftigungsgarantie, Wahrung der heutigen Löhne und Verzicht auf eine Regionalisierung.

"Die Regionen in der Peripherie wurden schon bisher am stärksten von den Schliessungen der Poststellen betroffen. Mit einer Regionalisierung würden diese Gebiete erneut am stärksten tangiert", sagt Christian Levrat.

Streikdrohung der Gewerkschaften



Der gegenwärtige GAV der Postangestellten läuft Ende 2004 aus. Über den neuen GAV für die nächsten drei Jahre wird ab März verhandelt. Die Gewerkschaften machen nach Aussagen von Pardini weitere Aktionen vom Gang dieser Gespräche abhängig. Auch einen Streik schloss Pardini nicht aus: "Wir behalten uns alle Optionen offen."

Die Post hat bereits den Abbau von rund 3000 Stellen angekündigt. Die Gewerkschaften rechnen mit einem weiteren Abbau von zusätzlich 1500 Stellen in den nächsten 2 – 3 Jahren.

Ein erster Schritt ist bereits beschlossen: Seit Anfang Jahr läuft der Abbau von 800 Stellen, 500 davon im Poststellennetz, 300 im Zustelldienst.

Die angekündigten "weiteren Kürzungen" würden die Bereiche Briefpost, Logistik, Transport und Poststellennetz betreffen.

Der gelbe Riese unter Druck

Mit den drastischen Sparmassnahmen will das Unternehmen versuchen, den drastischen Rückgang der Postsendungen und den mit der Marktöffnung verbundenen Verlust von Marktanteilen zu kompensieren. Die Schweizer verschicken mehr SMS und E-Mail, was die Post zu spüren bekommt. Der Versand von Briefen und Pakete ist in den letzten Jahren markant zurückgegangen.

Neben einem Stellenabbau hat die Post auch Kürzungen der angebotenen Dienstleistungen angekündigt. Vorgesehen ist unter anderem, dass Kundinnen und Kunden ihre Einzahlungen, Auszahlungen und Überweisungen künftig nicht mehr an jeder Poststelle machen können. Als Grund nennt die Post die Kosten für die Sicherheit beim Zahlungsverkehr.

Wie viele der 2500 Poststellen in der Schweiz künftig noch Zahlungsverkehr als Dienstleistung anbieten werden, hat die Post noch nicht mitgeteilt. Die Gewerkschaften befürchten, dass zusätzliche Poststellen geschlossen und weitere Stellen abgebaut werden.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Post hat fast 56'000 Angestellte.
Täglich befördert sie 17 Millionen Briefe und 500'000 Pakete.
Insgesamt gibt es noch 2921 Poststellen

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In Kürze

Die Post als selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt mit einem Umsatz von über sechs Milliarden Franken befindet sich zu 100 Prozent im Besitz des Bundes.

Seit die Post 1998 aus der PTT-Reform als selbständiges Unternehmen hervorgegangen ist, hat sich das wirtschaftliche Umfeld stark verändert.

Dies bedeutet in erster Linie, dass das Monopol der Post bei der Brief- und Paketbeförderung weiter eingeschränkt wird.

Die Post ist verpflichtet, ein flächendeckendes Poststellennetz zu führen.

Der Bundesrat setzt der Post wie anderen Unternehmen des Bundes jeweils für vier Jahre strategische Ziele und prüft jeweils im Frühjahr, ob diese erreicht worden sind.

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