Fürs Sennen brauchts Profis - oder sonst viel Ausdauer

Mit Bergromantik hat das Sennen wenig zu tun - viel mehr mit harten, langen Arbeitstagen. Keystone Archive

Auch bei den diesjährigen Alpaufzügen sind viele städtische Aussteiger dabei. Viele von ihnen müssen aber bald erkennen, dass die harte Arbeitsrealität nichts mit der aus Heidi-Filmen bekannten Bergromantik zu tun hat. Gute Sennen sind gerade in der wirtschaftlichen Hochkonjunktur gesucht.

Dieser Inhalt wurde am 27. Mai 2001 - 10:57 publiziert

Das Interesse am Beruf des Senns hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Allerdings: "Von den 24 Teilnehmern des diesjährigen Grundkurses für Sennen verfügte niemand über grosse Kenntnisse", sagte Leonhard Hug, Leiter der Fachstelle Alpwirtschaft am Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof in Landquart (GR). Die Kurse müssten deshalb mehr Grundlagen umfassen als noch vor 20 Jahren.

Auch an der zweiten grossen Ausbildungsstätte für Sennen, am Inforama in Hondrich im Berner Oberland, stammt nur noch rund ein Drittel der 80 Besucherinnen und Besucher des Einführungskurses aus bäuerlichen Berufen. Etwa die Hälfte kommt aus Deutschland, wie Inforama-Leiter Peter Wäfler sagte. Die Teilnehmenden, zu 40 Prozent Frauen, seien oft Studierende, aus der Krankenpflege oder Akademikerinnen und Akademiker.

Abbruch keine Seltenheit

Künftige Sennen müssen aber bereits gewisse Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt zum Kurs zugelassen zu werden. "Melken bringen wir den Kursteilnehmern nicht mehr bei", sagte Hug. Ausserdem müssen sie über einen Anstellungsvertrag für den kommenden Sommer als Senn verfügen. "Kann sein, dass die Alpgenossenschaften bereits eine Trennung zwischen Realisten und Idealisten vornehmen", fügte der Kursleiter an.

Als letzte Bedingung müssen die Teilnehmer bereits mindestens einen Sommer als Gehilfe auf einer Kuhalp mit Milchverarbeitung gearbeitet haben. Eine Hürde, die nicht alle schaffen. "Viele, die mit Heidi-Vorstellungen auf die Alp kommen, brechen die Arbeit mitten im Sommer ab", sagte Markus Lehmann, Präsident des Bündner Sennenvereins. Sie seien überfordert und dem Stress nicht gewachsen. "Auf grösseren Alpen beginnt die Arbeit morgens um 03.00 Uhr und dauert bis abends um 20.00 Uhr", führte er aus. "Frauen kommen in der Regel besser zu Recht als Männer", ergänzte Wäfler.

Quereinsteiger statt Personalprobleme

Im Berner Oberland seien die Quereinsteiger allgemein gerne gesehen. "Ohne sie hätten wir ein Personalproblem", fügte er an. Ein guter Senn oder eine gute Sennin sei heute schwierig zu finden, sagte auch Hug. Gut bedeute für ihn in erster Linie erfahren. In den ersten zwei drei Jahren müssten Neueinsteiger noch viel Lehrgeld bezahlen. Ausserdem sei die gute Wirtschaftslage mit dem ausgeschöpften Arbeitsmarkt auch in der Alpwirtschaft zu merken. "Während die Arbeitgeber früher noch bereit waren, ihren Angestellten im Sommer einige Monate unbezahlten Urlaub zu geben, wird das heute immer mehr zum Problem", erklärte Hug.

Bürokram auch auf der Alp

Der Alltag auf der Alp hat aber auch für geübte Sennen an Romantik verloren. "Wie im Tal muss auch auf der Alp immer mehr Bürokram erledigt werden", sagte Lehmann. Mit dem Käsen sei die Arbeit nicht gemacht. Auch das Alpleben werde immer hektischer, fügte Wäfler an. Der Beruf habe aber dennoch viel Schönes. "Man arbeitet draussen in der Natur mit Tieren und ist selbstständig", sagte Hug.

Diesjährige Alpsaison hat bereits begonnen

"Die Alpen auf rund 1.200 Meter Höhe sind bereits Mitte Mai bezogen worden", so der Fachmann weiter. Je nach Höhe und Lage der Alp schwankten die bewirtschafteten Zeiten zwischen 70 und 150 Tagen im Jahr. Auf fremdes Personal angewiesen sind vor allem so genannte Alp-Genossenschaften, wie sie vorwiegend im Wallis und in Graubünden vorkommen. Im Voralpenraum sind die Alpen oft privat und werden von den Besitzern selber bewirtschaftet.

swissinfo und Nicole Steck (ap)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen