Galileo lässt auf sich warten

Bislang schafft es Europa nicht, ein eigenens Navigationssystem zu verwirklichen. Keystone

Die EU verzögert den Entscheid über ihr Satelliten-Navigationssystem "Galileo". Die Schweiz ist beunruhigt.

Dieser Inhalt wurde am 08. Dezember 2001 - 13:07 publiziert

Das Projekt "Galileo" ist schlecht gestartet. 1988 wurde es von der Europäischen Kommisson aus der Taufe gehoben. Schaffen will man ein weltweites Satelliten-Navigationssystem. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA übernimmt die Hälfte der Kosten.

Die EU-Transportminister wollten eigentlich am vergangenen Freitag grünes Licht geben für "Galileo". Nach einer harzigen Diskussion wurde der Start allerdings auf den kommenden März verschoben. Zum grossen Ärger der Europäischen Kommission, welche den Entscheid noch vor Ende Jahr erwartet hatte.

EU-Transportministerin Loyola de Palacio liess verlauten, man werde die Angelegenheit auf dem EU-Gipfel in Laeken (14. und 15. Dezember) noch einmal aufgreifen.

Etliche Staaten bremsen

Einige Länder hätten eine weitere Bedenkzeit von drei Monaten verlangt, hiess es aus dem Umfeld von de Palacio. Nun habe man aber bereits ein Jahr verloren und es müsse nun eine politische Entscheidung folgen.

Frankreich und Italien unterstützen geschlossen das Projekt der Kommission. Aber sechs Länder bremsen. An der Spitze sind Grossbritannien und die Niederlande. Auch Deutschland, Österreich, Schweden und Dänemark zögern noch.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Nicht-Entscheides sind beträchtlich. Denn zwei Satelliten-Navigationssysteme konkurrenzieren sich auf dem Weltmarkt: GPS, das System der Amerikaner - es dominiert den Markt - und das russische GLONASS.

Verzögerung nützt den USA

Bereits sind die USA daran, ein neues GPS zu entwickeln, das 2012 fertig sein soll. Wenn alles gut geht, würde das europäische "Galileo" etwa im Jahr 2008 seinen Betrieb aufnehmen. Das würde bedeuten, dass sich für die europäische Industrie auf dem Gebiet der mobilen Telefonie ein gewaltiger Markt eröffnen würde.

Wenn nun Galileo immer weiter hinausgeschoben wird, profitieren davon vor allem die Amerikaner. "Es ist unbegreiflich, dass Europa seine Chance nicht wahrnimmt", sagt Pascal Vinard, Mitglied im Schweizerischen Weltraumbüro, SSO. Vor allem, weil es sich um ein vergleichsweise "billiges" Unterfangen handelt: 3,25 Mrd. Euro. Das entspricht in etwa dem Bau von 150 Kilometern für die Bahn 2000.

Die Schweiz, Mitglied der ESA, beteiligt sich mit rund 30 Mio. Franken am Projekt "Galileo". Man erwartet dafür, dass für die Schweizer Industrie auch etwas abfällt.

KMU in Neuenburg hofft

In Neuenburg wird an der Zukunft von "Galileo" gearbeitet. Zum "Herz des Systems" würde die Atomuhr gehören. Sie wird durch die Temex Neuchâtel Time SA hergestellt. Die Temex beschäftig 30 Mitarbeiter. "Wir sind die einzigen in Europa, welche dieses Teil fertigen können", sagt Temex-Direktor, Pascal Rochat.

"Eine Verzögerung von einigen Monaten bis zu einem Jahr kann ich verkraften", sagt Rochat. Dann aber müsste man sich wohl von den Spezialteams trennen.

Bei Realisierung des Projekts, können bis zu zehn Leute zusätzlich beschäftigt werden, hofft Rochat.

Barbara Speziali, Brüssel

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