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Genf im Brennpunkt der Autoindustrie

Der Volvo YCC - eine ausschliesslich von Frauen entwickelte Studie.

(Keystone)

Mit einer Produkt-Offensive reagieren die Hersteller auf die Absatzflaute. Der 74. Automobil-Salon Genf stellt mehr als 50 Welt-Neuheiten in den Mittelpunkt.

Der Schweizer Bundespräsident Joseph Deiss eröffnete die Veranstaltung am Donnerstag.

In seiner Eröffnungsrede machte sich Deiss für mehr Wettbewerb in der Schweizer Wirtschaft stark. Dies sei der Schlüssel für den wirtschaftlichen Aufschwung. Wer nur auf der Bremse stehe, komme nicht vom Fleck, so der Wirtschafts-Minister weiter.

"Es ist zwar nicht das eigentliche Ziel des Salon, aber er könnte mit seinen zahlreichen Neuheiten das Zeichen zum Aufschwung geben", gibt sich Salon-Präsident Claude F. Sage optimistisch.

"Viel wichtiger ist die Präsentation der ganzen aktuellen, weltweiten Palette der Automobil-Produktion für das Publikum."

In den vergangenen vier Jahren ist der Absatz in Europa um 800'000 Fahrzeuge zurückgegangen. In der Schweiz wurden letztes Jahr 8% weniger Neuwagen verkauft als im Vorjahr.

"Wir liegen im laufenden Jahr etwas hinter 2003 zurück, was wir aber die ganze Zeit erwartet hatten", sagte Mercedes-Chef Jürgen Hubbert in Genf.

Den verhaltenen Start ins neue Jahr führte der Mercedes-Manager auf Modell-Überarbeitungen zurück.

Mit neuen Modellen in die Zukunft

"Es ist zu früh, die Flinte ins Korn zu werfen", prophezeit Ferdinand Düdenhöffer, Experte und Geschäftsführer des Prognose-Instituts B&D Forecast.

Die Fahrzeuge der Kunden seien alt und die Industrie zeige, dass sie mit neuen Modellen für bessere Zeiten gerüstet sei.

Herbert Demel, neuer Chef des angeschlagenen Fiat-Konzerns, beklagte in Genf den zunehmenden Preisdruck. "Und das in einer Zeit, in welcher die europäischen Hersteller die steigenden Produktkosten nicht auf den Markt überwälzen können."

Gleichzeitig kündete Demel ein rigoroses Kostenmanagement und neue Modelle an.

Aufwändige Messestände

In Genf stellt die Industrie ihre Neuheiten ins Scheinwerfer-Licht mit dem Ziel, im harten Verdrängungskampf Markanteile zu gewinnen oder zurück zu erobern. Entsprechend aufwändig gestaltet sind die Messestände, für welche die Hersteller selbst die Konstruktion, den Aufbau und die Kosten übernehmen.

Die Anordnung der Stände auf den nicht weniger als 11'400 m2 Ausstellungsfläche steht auch für die weltweiten Konzentrations-Prozesse der Automobil-Industrie in den vergangenen Jahren.

Mercedes ist direkter Nachbar von Chrysler, Smart und Mitsubishi. Ford von Jaguar, Mazda und Volvo. Renault von Nissan.

Plattform-Strategie heisst das Zauberwort zur Kostensenkung. So teilen sich völlig unterschiedlich positionierte Modelle verschiedener Marken den Fahrwerksaufbau, aber auch Motoren, Getriebe und andere Bestandteile aus dem Konzernregal.

Der Unterschied liegt im Design

Noch immer sind technische Entwicklungen, Sicherheit, Fahrleistungen und Komfort Verkaufsargumente. Die Zeiten jedoch, in denen sich vergleichbare Autos optisch kaum voneinander unterschieden hatten, sind vorbei.

Mit dem Zusammenschluss mehrerer Marken in globale Konzerne, sei das Design zu einem wesentlichen Faktor des Marketings geworden, sagt der Star des europäischen Automobil-Designs, der Italiener Walter-Maria de’Silva.

"Wem ein Auto optisch gefällt, der nimmt Abstriche beim Raumangebot, beim Benzinverbrauch oder bei der Familientauglichkeit in Kauf. Aber keiner kauft ein Auto, das ihm nicht gefällt, nur weil es den sparsamsten Motor oder die beste Serien-Ausstattung seiner Klasse hat."

Zwei neue de’Silva-Kreationen stehen in Genf im Mittelpunkt: Audis A6 und der Seat Altea. Unterschiedliche Fahrzeuge, die jedoch etwas gemeinsam haben: Sie wecken Emotionen und Erinnerungen.

Mit dem A6-Kühlergrill will Audi schrittweise seiner ganzen Modellpalette ein neues Familiengesicht verpassen und die Marke augenfälliger positionieren. Gleichzeitig erinnert der Grill an die glorreichen Zeiten der Auto-Union-Rennwagen.

Nischen besetzen

"Seat war ein steriles VW-Derivat, hatte weder Identität, noch Tradition. Der neue Altea ist ein Mix aus Emotionalität, unkonventioneller Frechheit und jungem Charme", unterstreicht der Designdirektor der Markengruppe Audi, Walter de’Silva.

Der Mini-Van Altea ist mit dem vergleichsweise zurückhaltend auftretenden VW Golf technisch eng verwandt, wirkt jedoch viel dynamischer und illustriert eine weitere Tendenz: Nischenfahrzeuge gewinnen immer mehr an Bedeutung.

So stehen in Genf nicht nur neue, familientaugliche Vans in allen Grössen, sondern auch Cabriolets, Coupes und geländetaugliche Fahrzeuge.

Fahrzeugklassen vermischen sich. Noch vor Jahren der Oberklasse vorbehaltene Komfort-Features und edle Inneneinrichtungen sind vermehrt auch in Kleinwagen eine Selbstverständlichkeit.

Hochleistungs-Motoren treiben scheinbar rechtschaffene Familien-Kutschen an. Ehemalige Luxushersteller wie BMW oder Mercedes wildern längst auch in den unteren Fahrzeugklassen, versuchen jede noch so kleine Nische zu besetzen und verschärfen so den Konkurrenzkampf. Aber auch in den oberen Segmenten wird die Modellvielfalt immer breiter.

Selbstzünder in – Internet im Auto out

Für Fans der britischen Nobelmarke stellt es ein Sakrileg dar: Jaguar stellt in Genf zum ersten Mal ein Modell mit einem vergleichsweise bescheidenen 4-Zylinder-Dieselmotor aus.

Weitere, stärkere Jaguar-Diesel werden nach dem Vorbild der deutschen Konkurrenz, welche die verbrauchsgünstige und drehmomentstarke Selbstzünder-Technologie vermehrt auch in den obersten Fahrzeugklassen verbaut, nachfolgen.

Luxuslimousinen, Super- und Gelände-Sportwagen, sind auch dieses Jahr die grossen Attraktionen. Die Tendenz des technisch Machbaren weist ungebrochen auf mehr Hubraum und Motorleistungen von mehr als 500 PS.

Vor drei Jahren noch zum Milliarden-Markt hochstilisiert, ist Internet im Auto hingegen kaum mehr ein Thema. Die Experten sind sich einig: Surfen im fahrenden Auto ist zu langsam und zu gefährlich.

swissinfo, Andreas Keiser, Genf

In Kürze

Der 74. Internationale Automobilsalon Genf erwartet vom 4. - 14. März 700'000 Besucherinnen und Besucher.

Genf ist die einzige der grossen internationalen Automobilausstellungen, die jährlich stattfinden.

Da die Schweiz kein Herstellerland ist, bietet Genf allen Ausstellern die gleichen Bedingungen.

Die Aussteller schätzen das neutrale Terrain.

Mit 3,7 Millionen Fahrzeugen gilt der Schweizer Automobilmarkt als gesättigt.

Jährlich fliessen dank dem Salon 150 Mio. Franken in die Region Genf zurück.

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