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Gentech-Pflanzen unter der Lupe

Gentechnisch veränderte Pflanzen erhitzen weiterhin die Gemüter. Keystone

Mit 27 Einzelprojekten will der Schweizerische National-Fonds (SNF) in den nächsten vier Jahren Nutzen und Risiken von Gentech-Pflanzen umfassend untersuchen.

Dieser Inhalt wurde am 30. Mai 2007 - 15:20 publiziert

Die Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen wirft viele Fragen auf - Das nationale Forschungsprogramm soll dazu beitragen, sie zu beantworten.

Gentechnisch veränderte Pflanzen (GVP) böten eine Fülle von Möglichkeiten, die durch herkömmliche Züchtung nicht erreicht werden könnten, hielten die Leiter des Nationalen Forschungsprogramms (NFP 59) zu "Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen" am Mittwoch an einer Medienorientierung in Bern fest.

Der Bundesrat hatte den Schweizerischen Nationalfonds im Dezember 2005 beauftragt, das NFP 59 durchzuführen. Das vierjährige Forschungsprogramm kostet zwölf Millionen Franken und umfasst auch drei Feldversuche mit transgenem Weizen.

In den 27 Projekten werden neben den biologischen auch wirtschaftliche, rechtliche und ethische Aspekte untersucht.

Transgener Weizen und Schluckimpfung für Fische

Acht Projekte haben sich zusammengeschlossen, um Fragen zur Pflanzenresistenz und zu verschiedenen Umweltrisiken in drei Feldversuchen mit transgenem Weizen zu untersuchen.

Fünf Projekte befassen sich mit den Konsumenten und anderen Interessenvertretern, der Bildung und der Ethik. So befasst sich das Institut für Umwelt-Entscheidungen (IED) der ETH-Zürich mit Fairness, Ängsten und Vertrauen in der Kommunikation von Gentechnologie.

Mit Blick auf eine nachhaltigere Fischzucht und eine gesundere Ernährung untersucht die Universität Genf die Entwicklung einer Schluckimpfung für Fische aus einer Grünalge. Die Impfung soll längerfristig das Verabreichen von Antibiotika in der Fischzucht ersetzen.

Weitere Feldversuche

Parallel zu den Feldversuchen, die in Zürich und in Pully bei Lausanne durchgeführt werden, haben die Universität und die ETH Zürich am vergangenen 15. Mai drei entsprechende Freisetzungsgesuche beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eingereicht.

Das BAFU will in den kommenden drei Monaten über die Anträge entscheiden. Die Versuche sollen von 2008 bis 2010 in Reckenholz, auf Zürcher Stadtgebiet, sowie in Pully bei Lausanne durchgeführt werden.

Umstrittener Nutzen

Obschon gentechnisch veränderte Pflanzen in vielen Teilen der Welt bereits kommerziell genutzt werden und der Wissensstand schon beträchtlich ist, gibt es noch viele ungeklärte Aspekte.

Gerade für die Schweiz ist der Nutzen von gentechnisch veränderten Pflanzen umstritten. Ungeklärt ist etwa die Frage der Koexistenz des Pflanzenbaus mit und ohne Gentechnik in den kleinparzelligen Strukturen der Schweizer Landwirtschaft.

Greenpeace-Kritik

Die Umweltorganisation Greenpeace übt scharfe Kritik am NFP 59. Der grösste Anteil des Nationalfonds-Geldes fliesse in den so genannten "Weizen-Cluster", ein Grossprojekt, dessen Kernstück eine Serie von Freiland-Experimenten mit Gentech-Weizen sei.

Greenpeace zeigt sich enttäuscht, dass der SNF die Forschungsgelder nicht hauptsächlich in Projekte investiere, die sich mit den wichtigsten Fragen wie mögliche negative Gesundheitsauswirkungen durch den Konsum von Gentech-Pflanzen sowie die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen des Gentech-Anbaus auf eine naturnahe Landwirtschaft befassten.

Konventionelle pilzresistente Weizensorten gebe es bereits. Gentech-Weizen wollen nach Einschätzung von Greenpeace weder die Schweizer Bauern noch die Konsumentinnen und Konsumenten.

swissinfo und Agenturen

Freisetzungsversuche

Gemäss dem Gentechnikgesetz benötigen Freisetzungsversuche von gentechnisch veränderten Organismen eine Bewilligung des Bundes.

In der Schweiz wurden bisher drei GVP-Feldexperimente durchgeführt.

1991 und 1992 pflanzte die Forschungsanstalt Changins gentechnisch veränderte Kartoffeln an.

Zwei Gesuche für den versuchsweisen Anbau von gentechnisch veränderten Mais beziehungsweise Kartoffeln aus dem Jahr 1998 waren abgelehnt worden.

2004 führte das Institut für Pflanzenwissenschaften der ETH Zürich einen Versuch mit pilzresistentem Weizen durch.

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Gentechmoratorium

Am 27.11.2005 wurde die von Konsumentenschützern, Umweltverbänden und Bauernorganisationen lancierte Volksinitiative "für Lebensmittel aus gentechnikfreier Landwirtschaft" mit 55,7% Ja-Stimmen gegen den Willen von Bundesrat und Parlament angenommen. Kein einziger der 26 Stände lehnte sie ab.

Demnach dürfen die Landwirte in der Schweiz während fünf Jahren keine Pflanzen anbauen oder Tiere halten, die gentechnisch verändert sind.

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