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Gerangel um Schweizer Flottenverkauf am Bodensee

Schiffe der SBS im Hafen Romanshorn.

(swissinfo.ch)

Auf dem Bodensee, dem drittgrössten See Europas, zirkuliert die grösste Binnenflotte des Kontinents. Alle drei Anrainerländer verkehren mit diversen Gesellschaften auf dem See.

Die SBB wollen nun einen bedeutenden Teil der Schweizer Bodensee-Schifffahrt an die deutschen Stadtwerke in Konstanz verkaufen.

Das Gerangel um den umstrittenen Verkauf ist programmiert. Deutschland, Österreich und die Schweiz teilen sich in das volatile Geschäft auf dem Wasser. Auf Schweizer Seite des Sees operieren vier unabhängige Schiffgesellschaften, die beim immer schärferen Wettbewerb wirtschaftlich schwierigen Zeiten entgegen steuern.

Die SBB sind die Hauptaktionäre der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft (SBS), ein Unternehmen, das seit seiner Gründung vor zehn Jahren mehr als acht Millionen Franken Subventionen verschlungen hat. Die SBS besteht aus vier Ausflugschiffen, einem Fährbetrieb und einer Werft.

Im vergangenen Geschäftsjahr fuhr die SBS einen Verlust von 650'000 Franken ein, wie die SBB verlauten lassen. Aufgrund der düsteren Perspektiven haben sich die SBB entschlossen, ihre schwimmende Tochter SBS für rund 3,4 Mio. Franken zu verkaufen.

Widerstand aus Patriotismus?

Im Frühjahr glaubten die SBB, mit den Stadtwerken in Konstanz bereits eine solvente und verlässliche Käuferin gefunden zu haben. Die Bundesbahnen stiessen jedoch mit ihren Verkaufsabsichten an ein deutsches Unternehmen auf Widerstand.

"Wir sind über die patriotischen Reaktionen verschiedener Kreise in der Schweiz erschrocken", erklärt Michèle Bamert, Sprecherin der SBB, gegenüber swissinfo.

"Ein Flottenverkauf nach Konstanz? Das fehlte noch!", meint eine Frau aus der Anrainergemeinde Arbon stellvertretend in einem Leserforum. Viele Schweizerinnen und Schweizer deuten die Verkaufsabsichten der SBS an Konstanz als "Ausverkauf eines Stücks Heimat".

In den letzten Jahren wurden Schweizer Edelmarken wie Toblerone (Schokolade), Bally (Schuhe/Accessoires) und Valser-Mineralwasser an amerikanische Konzerne verkauft. Dänische Firmen haben die Brauerei Feldschlösschen und die Mineralwassermarken Passugger und Rhäzünser übernommen.

Die Ovomaltine wurde nach Grossbritannien und Hero (Nahrungsmittel) an ein deutsches Unternehmen verkauft. Und die Lufthansa besitzt die Aktienmehrheit der Fluggesellschaft Swiss.

Die Macht des Einzelaktionärs

Der Verkauf der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft nach Konstanz ist ins Stocken geraten, nachdem ein Einzelaktionär der SBS auf seinem Vorkaufsrecht beharrte.

Am Bieterwettbewerb nehmen jetzt vier Gruppen von Investoren teil: Neben den Stadtwerken Konstanz interessiert sich eine Investorengruppe aus dem Kanton Thurgau, die sich mit der Stadt Rorschach zur "IG Bodensee-Schifffahrt Schweiz" zusammengeschlossen hat.

Eine dritte Gruppe von Kaufinteressenten lässt sich durch die Immobilienfirma Awitgroup AG vertreten. Schliesslich bietet auch der Tourismus-Unternehmer Walter Klaus beim Kauf der SBS mit. Klaus hat im vergangenen Jahr für 11 Mio. Franken bereits die österreichische Bodenseeflotte gekauft.

Beim Verkauf der SBS stellen die SBB an alle Interessenten die gleichen Basisanforderungen. Sie müssen die Schifffahrt im bisherigen Umfang und die Werft nachhaltig sichern sowie den Fährbetrieb weiterführen. Ebenso verpflichten sich potentielle Käufer, die SBS als Schweizer Firma nach Schweizer Recht und Schweizer Flagge zu betreiben.

Stadtwerke Konstanz - Garantin für Erhalt der Arbeitsplätze?

Die SBB verhalten sich beim jetzt laufenden Bieterwettbewerb neutral, favorisieren nicht mehr die Stadtwerke Konstanz. "Ziel der SBB ist, einen Käufer zu finden, der die SBS in eine sichere Zukunft führen kann und langfristig die Arbeitsplätze und den Wettbewerb sichert", erklärt Michèle Bamert von den SBB.

Und wenn die Stadtwerke Konstanz im Bieterwettbewerb das beste Angebot machen?Kritiker befürchten, die Stadtwerke Konstanz könnten nach einem möglichen Verkauf versuchen, das "Filetstück" des Handels, das rentable Werftgeschäft, herauszulösen und als eigenständige Firma weiter zu führen.

"Das würde im Klartext heissen, die Schweiz zahlt weiterhin Beiträge an den defizitären Schiffsverkehr, von den Gewinnen der Werft wäre man ausgeschlossen", erklärte der Unternehmer Edgar Oehler in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Oehler unterstützt im Bieterwettbewerb um die SBS die "IG Bodensee-Schifffahrt Schweiz".

Wer bekommt den Zuschlag im Gerangel um die SBS? Viel wird davon abhängen, welche der vier Kaufinteressenten den Rückhalt der Schweizer Anrainergemeinden am Bodensee findet.

swissinfo, Erwin Dettling, Romanshorn

Fakten

Der Bodensee ist mit 571,5 km2 der drittgrösste See Europas.
Aus allen drei Anrainerstaaten Deutschland, Österreich und der Schweiz verkehren eigene Schifffahrts-Gesellschaften auf dem See.
Ausser der Schweiz haben alle Länder ihre staatlichen Betriebe verkauft.

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