Uni-Wettbewerb wirft Licht auf Menschenhandel

Kinderarbeit in der Kakao-Produktion in der Elfenbeinküste. AFP

Ein Wettbewerb für Schweizer Studenten beleuchtet die Bedrohung des Menschenhandels für globale Konzerne und sucht nach Lösungen. Für Geldpreise sollen die Studierenden eine Arbeit schreiben, wie Unternehmen mit dem Problem umgehen sollen.

Dieser Inhalt wurde am 29. November 2011 - 07:50 publiziert
Malcolm Curtis, Genf, swissinfo.ch

Menschenhandel passiert im Verborgenen. Kinderhandel, Prostitution, Zwangsarbeit von Frauen und Männern gehören in diesen Bereich.

Menschenhandel versklavt auch heute noch Millionen Menschen. Laut den Vereinten Nationen (UNO) generiert er jährlich fast 30 Milliarden Franken Gewinn. Nach dem Waffen- und dem Drogenhandel ist der Menschenhandel heute weltweit die drittgrösste kriminelle Aktivität.

Der Studenten-Wettbewerb, der erste dieser Art, wurde diese Woche an der Universität Genf lanciert. Vorgestellt wurde der Wettbewerb von der in Genf ansässigen Nichtregierungs-Organisation End Human Trafficking Now (EHTN).

Die 2006 gegründete Gruppe arbeitet zusammen mit Unternehmen, um eine Sensibilisierungskampagne über Menschenhandel, seine Opfer und die Gründe dafür durchzuführen. Die Kampagne wirft auch ein Licht auf die möglichen Imageprobleme, die Unternehmen drohen, welche Leistungen auslagern, ohne genügend Augenmerk auf die Arbeitsbedingungen zu legen.

EHTN-Vorstandsmitglied Charles Adams erklärte an der Medienkonferenz in Genf, der Menschenhandel betreffe alle Regionen der Welt. Heute gebe es mehr Sklaven als zu irgendeiner anderen Zeit in der Geschichte. "Die Geschäftswelt hat eine Verantwortung, diesen Fluch zu bekämpfen", sagte er.

Für grössere Konzerne, die Waren und Dienste auslagerten, bedeute die Gefahr, mit Menschenhandel in Verbindung gebracht zu werden – und sei es nur indirekt –, dass sie "die Herstellungskette auf gute Geschäftsführung prüfen müssen", so Adams gegenüber swissinfo.ch.

Schweizer Problem

Kinderarbeit und unmenschliche Arbeitsbedingungen bestünden in Ländern wie China und Indien, wo westliche Unternehmen, darunter einige aus der Schweiz, ihre Produktion ausgelagert hätten, ergänzte Rasha Hammad, Sprecherin von EHTN. "Es ist ein grosses Problem – und die Leute fangen jetzt an, darüber zu reden."

In der Schweiz wird der Menschenhandel normalerweise im Zusammenhang mit Prostitution genannt, oder bei Sorgen um Hausangestellte, besonders in Residenzen von Diplomaten.

Ein Bericht der US-Regierung vom letzten Juni kritisierte die Schweiz, dass sie die Minimalstandards zur Beseitigung des Menschenhandels nicht einhalte. Die Schweizer Regierung wurde gerügt, dass sie die Prostitution von 16- und 17-jährigen Kindern zulasse, auch wenn Bern versprochen hat, ein entsprechendes Gesetz auszuarbeiten.

2010 schätzte die Schweizer Bundespolizei in einem Bericht die Zahl der Opfer des Menschenhandels in der Schweiz auf 1500 bis 3000 Personen. Dazu gehörten weibliche Prostituierte aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Brasilien sowie Roma-Kinder aus Osteuropa, die in Schweizer Städten zum Betteln und Stehlen gezwungen wurden.

Jetzt handeln

Doch diese Zahlen seien lediglich "die Spitze des Eisbergs", denn ausserhalb der Schweiz gebe es viel mehr Opfer, die für Lieferanten von Schweizer Firmen tätig seien, sagte Hammad.

Vor einigen Jahren sah sich der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern Nestlé aus Vevey gezwungen, sich zu verteidigen, als Berichte über tausende Kinderarbeiter in der Elfenbeinküste auftauchten, die in der Kakao-Produktion arbeiteten. Der multinationale Konzern hat sich seither dazu verpflichtet, bei seinen Kakao-Zulieferern die Regeln des fairen Handels durchzusetzen.

Doch EHTN betont, sie seien eher daran interessiert, Firmen zu beleuchten, die Schritte gegen den Menschenhandel unternommen hätten, statt solche zu beschuldigen, die sich in der Vergangenheit falsch benommen hätten.

Die Nichtregierungs-Organisation lobt beispielsweise Schweizer Unternehmen wie den Reisekonzern Kuoni, der Richtlinien eingesetzt hat, welche die Hotelgesellschaften, mit denen er zu tun hat, verpflichten, sich gegen Kinderarbeit einzusetzen.

Firmen, die nichts gegen den Menschenhandel unternehmen, könnten bald ins Hintertreffen geraten, falls ein Gesetz im US-Bundesstaat Kalifornien in anderen Gebieten Schule machen sollte. Letztes Jahr nahm der Bundesstaat ein Gesetz an, das grosse Handelsketten und Hersteller dazu verpflichtet, die Massnahmen offenzulegen, mit denen diese gegen den Menschenhandel vorgehen.

Die Zukunft verändern

Der Studenten-Wettbewerb wurde mit Unterstützung der HEC Business School von der Universität Genf, dem Cercle HEC Student Association und dem Arbeitsvermittler Manpower Group organisiert.

Laut Stuart Marvin, Sprecher von Manpower, unterstützt die Rekrutierungsfirma den Wettbewerb auch aus Firmeninteresse: "Wir haben mit Menschen zu tun, die arbeiten. Und wir wollen sicherstellen, dass diese Leute korrekt eingesetzt werden."

Professor Michel Léonard, Direktor der HEC Business School an der Universität Genf, gab zu, dass die Betriebswirtschaftslehre nach den Fehlern der Vergangenheit "neu erfunden" werden musste. Heute betone man die Aspekte des ethischen und sozialen Bewusstseins viel mehr.

Die Art und Weise der Ausbildung von Managern müsse verändert werden, sagte er. Als Zeichen der Veränderungen nannte er den Einführungskurs für Unternehmensverantwortung (Corporate responsibility) an der HEC Genf.

"Wir haben versagt", erklärte Léonard vor dem Publikum, das grösstenteils aus Studenten bestand. Er nahm damit Bezug auf frühere Management-Theorien. "Ihr nicht, so hoffe ich."

Wettbewerb

Der Wettbewerb der NGO "End Human Trafficking Now" sucht Arbeiten von Studierenden zum Thema "Menschenhandel und seine Auswirkungen auf die Wirtschaft" in der Länge von 6000 bis 9000 Wörtern auf Englisch oder Französisch.

Der Ausdruck "Menschenhandel" umfasst Personen, die andere zu Dienstleistungen zwingen. Beispiele: Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Zwangsprostitution, Schuldenknebelung, Zwangshausangestellte und Kindersoldaten.

Das UNO-Protokoll zur Verhinderung, Beseitigung und Bestrafung von Menschenhandel, namentlich mit Frauen und Kindern (Palermo Protokoll), wurde von 142 Ländern ratifiziert, allerdings sind die Bestimmungen des Protokolls nicht verbindlich.

An dem Wettbewerb der NGO können alle an Schweizer Universitäten für 2011-2012 immatrikulierten Studierenden teilnehmen. Eine Arbeit kann von Einzelpersonen oder von mehreren Studierenden verfasst werden.

Laut den Organisatoren des Wettbewerbs sollten die Arbeiten einen oder mehrere Aspekte von Menschenhandel und dessen Auswirkungen auf die Privatwirtschaft beinhalten.

Die Wettbewerbsteilnehmer sollten Massnahmen zur Einschränkung der Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft sowie Empfehlungen für Unternehmen und andere Organisationen vorschlagen.

Die Awards enthalten Barpreise in der Höhe von 2500 Franken, 1500 Franken und 1000 Franken für die die besten drei Arbeiten.

Anmeldeschluss für den Wettbewerb ist der 30. Juni 2012.

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