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Gestalte deine Zukunft

Hundert Jugendliche diskutierten in Biel über die Zukunft der Schweiz.

(swissinfo.ch)

An den Zukunftswochen der Expo.02 entwerfen 400 Jugendliche Projekte für eine Schweiz in 20 Jahren. Am Prominententag zeigten sie Engagement und viel Selbstvertrauen.

Salome, Seminaristin aus Gossau, betritt mit einem Abfallsack in der Hand die Hauptbühne der Arteplage Biel, leert ihn aus und erteilt dem Publikum und den anwesenden Prominenten eine praktische Lektion in Abfalltrennung. In 20 Jahren sollen alle in der Schweiz wissen, wie man Abfall trennt, lautet die Zukunftsvision von Salomes Arbeitsgruppe, die mit dem Transparent "Wir versinken im Abfall" vor der Bühne steht.

Von der anwesenden Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz und dem Abt Martin vom Kloster Einsiedeln will Salome denn auch wissen, wie diese es mit der Abfalltrennung halten. Die Bundeskanzlerin räumt ein, dass sie Papier und Karton nicht trennt, und der Einsiedler Abt verweist stolz darauf, dass bereits bei seinem Klostereintritt vor 20 Jahren der Abfall im Kloster fein säuberlich getrennt wurde.

Zur Gruppe der Prominenten, die den Jugendlichen auf der Bühne gegenübersitzen, gehören neben Bundeskanzlerin und Abt der Direktor des Bundesamtes für Flüchtlinge Jean-Daniel Gerber, der CEO und Verwaltungsrats-Präsident der Ciba Spezialitätenchemie Armin Meyer, Medienpionier Roger Schawinski sowie Robert Unteregger, Geschäftsleiter der Stiftung Zukunftsrat. Sie alle sind hier, um den Jugendlichen bei der Umsetzung ihrer Visionen zu helfen.

Über 100 Gruppen- sowie 300 Individualprojekte wurden im Rahmen des Jugendprojekts "14 - 19. gestalte deine Zukunft" eingereicht. Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren waren im Vorfeld der Expo eingeladen, Vorstellungen für ihr zukünftiges Leben in ihrem Umfeld zu entwickeln und erste Schritte zu ihrer Realisierung zu formulieren.

Eine Jury - bestehend je zur Hälfte aus Jugendlichen und Erwachsenen - hat die spannendsten Arbeiten ausgewählt, die nun während den Zukunftswochen zu mutigen, phantasievollen und visionären Lösungen für die Schweiz von morgen weiterentwickelt werden sollen. Der Entwicklungsstand der Projekte kann im Internet mitverfolgt werden (siehe Link).

Tag der Zukunft

Höhepunkt des Projekts ist am 4. September der "Tag der Zukunft". Im Beisein von Bundespräsident Kaspar Villiger werden die Resultate an einem grossen Schluss-Event auf der Arteplage Biel vorgestellt. Anschliessend verhandeln die Jugendlichen ihre Projekte mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Unter diesen Persönlichkeiten suchen sie Patinnen und Paten, die ihr Projekt realisieren helfen. Ziel ist eine detaillierte Vereinbarung, damit den Worten auch Taten folgen. Wer was bis wann tun will, wird schriftlich festgehalten. Wer was getan hat, später aufgezeichnet.

In Biel arbeiten die Jugendlichen an neun Projekten: Thematisiert werden neben des Abfallproblems, die Gewalt in der Schule, die Integration verschiedener Kulturen, Umweltschutz, Drogenkonsum, Alpentransit, die Armut in der Dritten Welt, die Existenzprobleme der Schweizer Bauern sowie die schädlichen Auswirkungen der Fast-Food-Kultur.

Verpasste Chance

Dass es den Jugendlichen ernst ist mit ihren Zukunftsvisionen, haben sie am Prominententag deutlich gemacht. Von den Prominenten auf der Bühne hätten sie erfahren sollen, wie Ideen in die Praxis umgesetzt werden können. Als Beispiel wählte die Gesprächsleitung das Thema "Gewalt in der Schule". Doch schon bald bleibt die Diskussion bei der Erörterung von Allgemeinplätzen stecken: mehr Toleranz und Respekt, Gewalt in den Medien, Computerspiele. Nach zwei Stunden beendet das Moderationsteam die Diskussion, konkrete Lösungen kamen nicht zur Sprache.

Die Jugendlichen sind enttäuscht und protestieren: "Ich habe mich auf die Diskussion gefreut, ich dachte, wir bekämen hier Tipps wie man Widerstände durchbricht" kritisiert eine Jugendliche die Veranstaltung. "Ich bin frustriert. Wir alle haben unsere Themen vorbereitet. Die Jugendlichen kamen viel zu wenig zu Wort", sagt eine Jugendliche in Richtung Gesprächsleitung, die methodische Fehler einräumt und verspricht, aus den Fehlern zu lernen.

Auch die Prominenten sind vom Verlauf nicht besonders begeistert. Armin Meyer von der Ciba Spezialitätenchemie, die zusammen mit Clariant das Expo-Zukunftsprojekt finanziert, meint, auch er habe die Diskussion nicht super gefunden, hoffe aber, dass es auf den anderen Arteplagen besser laufe. Robert Unteregger von der Stiftung Zukunftsrat, die das Projekt initiierte, ist sehr enttäuscht. Der Diskussion habe das Konzept gefehlt, kritisiert Unteregger die Gesprächsleitung gegenüber swissinfo. Der eigentliche Höhepunkt des Projekts sei aber nicht der Prominententag, sondern der "Tag der Zukunft", wo die Erwachsenen, unabhängig vom Erfolg, versuchen sollen, die Projekte der Jugendlichen zu realisieren.

Bundesräte und Wirtschaftsführer

Trotz Enttäuschung am Prominententag sind die Jugendlichen zuversichtlich und von der besonderen Qualität des Zukunftsprojektes überzeugt. "Der wirkliche Höhepunkt ist die Gruppenarbeit und der Ideenaustausch untereinander", meint Flurina vom Projekt für eine bessere Integration der Kulturen im Gespräch mit swissinfo. Hier im Austausch mit anderen Jugendlichen merke sie, dass sie mit ihren Vorstellungen und Visionen nicht alleine sei.

Wie denn ihre konkreten Schritte für eine bessere Integration aussehen? Nach der Vorstellung von Flurina sollte in der Primarschule obligatorische Kulturwochen durchgeführt werden, die den Horizont der Schülerinnen und Schüler erweitern. Zudem müssten Jugendliche ein Wochenende bei einer Familie in einem Asylantenheim verbringen.

Die Frage, ob die Jugendlichen in der Schweiz genügend ernst genommen werden, beantwortet Flurinas Projekt-Partner Nathan klar und optimistisch: "Sie müssen uns und unsere Ideen ernst nehmen, denn in 20 Jahren sind wir die Bundesräte und Wirtschaftskapitäne."

Die Jugendlichen, die in Biel an der ersten Zukunftswoche teilnehmen, wissen, was sie wollen und bei ihrem Selbstbewusstsein, werden sie es wohl auch schaffen, ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

Hansjörg Bolliger


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