Gewerkschaften fordern deutliche Lohnerhöhungen

Die Arbeitnehmerverbände sind in den Startblöcken für die neue Lohnrunde im Herbst. Neben dem vollen Teuerungsausgleich wollen die Gewerkschafter auch Reallohnerhöhungen erstreiten und fordern deshalb bis zu 4,5 Prozent mehr Lohn.

Dieser Inhalt wurde am 04. Juli 2000 - 10:35 publiziert

Serge Gaillard vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund fordert mindestens den vollen Teuerungsausgleich und eine deutliche Reallohnerhöhung. Bei einer Teuerung von zwei Prozent entspreche dies insgesamt einer Lohnerhöhung von rund vier Prozent.

Ähnliches verlangt auch die Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI). "Wir fordern inklusive Teuerung 200 Franken mehr für alle und eine Erhöhung des Mindestlohnes um 250 Franken", sagt GBI- Sprecher Rolf Beyeler. Der Baumeisterverband wollte zu diesen Forderungen noch keine Stellung nehmen.

Reallohnerhöhung von bis drei Prozent

Bei der Teuerung verstehen alle Gewerkschaften keinen Spass und fordern den vollen Ausgleich. Anders bei der Reallohnfrage. Hier lassen beispielsweise die Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen (SMUV) oder die branchenübergreifende SYNA nach eigenen Angaben einen gewissen Spielraum offen (1,5 bis 2,5 bzw. 3 Prozent).

Etwas bescheidener, aber dennoch kämpferisch gibt man sich beim Verband des Personals der öffentlichen Dienste (VPOD). "In den 90er- Jahren wurde auf dem Buckel des öffentlichen Personals gespart. Deshalb verlangen wir nun neben dem Teuerungsausgleich eine Reallohnerhöhung von ein bis zwei Prozent", hielt VPOD-
Generalsekretärin Doris Schüpp fest.

Zu hohe Erwartungen der Gewerkschaften?

Aufgrund der guten Konjunktur fordern der Verband der Schweizerischen Angestelltenorganisationen der Chemischen Industrie (VSAC) und der Verband Schweizerischer Angestelltenvereine der Maschinen- und Elektroindustrie (VSAM) gemeinsam eine "Angestelltendividende". Die Lohnsumme der Betriebe soll um vier
Prozent steigen, davon sollen zwei Prozent als Lohnerhöhung an alle gehen.

"Wer davon ausgeht, dass die Löhne in unserer Branche durchschnittlich um vier Prozent angehoben werden, erwartet zuviel", kommentierte Swissmem- Direktor Thomas Daum diese Forderungen. Es gebe - auch in der Exportindustrie - einige Firmen, die einen derartigen Lohnschub nicht verkraften würden.

"Gewerkschaftsfreundliche" Arbeitsmarktsituation

Die aktuelle Wirtschaftslage und die positiven Konjunkturaussichten dürfte dabei den Forderungen der Gewerkschaften eher entgegenkommen. "Bei den Löhnen liegt etwas drin", meint denn auch der Direktor der Konjunkturforschung Basel Christoph Koellreuter.

swissinfo und Agenturen

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