Gibt der Franken bald nach?

Mögliche Erleichterung für die Exportindustrie und den Tourismus. Keystone

Mit Skepsis nimmt die Schweiz die Euro-Dollar-Parität zur Kenntnis. Dem Franken und den Exporten dürfte sie eine Erleichterung bringen.

Dieser Inhalt wurde am 17. Juli 2002 - 20:54 publiziert

Anfang dieser Woche wurde der Euro erstmals seit Februar 2000 gegenüber dem Dollar über Parität gehandelt. Am Dienstag stand der Dollar zum Franken auf 1.4540, der tiefste Kurs seit Oktober 1999. Der Euro kotierte bei 1.4685 Fr.

Die Meinungen zu diesem Ereignis auf dem Finanzplatz Schweiz sind geteilt: Die Analysten der Credit Suisse Group glauben, dass sich der Dollar auffängt, die Währungsprofis der UBS rechnen weiterhin mit einer Stärke des Euros. Und der Franken?

Dollarschwäche oder Eurostärke?

"Der Position des Frankens wird stark davon beeinflusst, ob es sich bei dieser Paritätsentwicklung um eine Dollarschwäche oder eine Eurostärke handelt", so Jan Poser von Sarasin zu swissinfo. Gegenüber anderen Währungen wie dem Yen oder dem Pfund sei der Euro ebenfalls stärker geworden - nur gegenüber dem Franken (noch) nicht, meint der Analyst.

Poser vermutet in der Parität eher eine Eurostärke und hält es deshalb nicht für ausgeschlossen, dass der Franken mittelfristig etwas nachgeben dürfte. Die Exportindustrie und der Tourismus in der Schweiz werden es mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen.

Die Zürcher Kantonalbank hingegen glaubt, dass es sich um eine Dollarschwäche handelt, die aber nichts mit der fundamentalen Verfassung der US-Wirtschaft zu tun habe.

Dollar und US-Börse

Auch dürfte sich die US-Börse, von technischen Korrekturen abgesehen, nicht sofort wieder im grossen Stil erholen. Und da der Dollarkurs stark von der US-Börsenverfassung mitbestimmt wird, glaubt man allgemein an der Zürcher Bahnhofstrasse kaum an seine baldige Wiedererstarkung.

Seit bald 20 Jahren wird von den Währungsanalysten auch die sich ständig verschlechternde US-Ertragsbilanz ("current account") als Argument gebraucht, weshalb der Dollar eigentlich schwach sein müsste: Gemäss Lehrbuch kann die Währung eines derart im Ausland verschuldeten Landes wie der USA nicht stark sein. Doch bisher kam dieser Effekt nie zum Tragen.

Euro: Historisch unterbewertet

Die Hoffnungen der Schweizer Wirtschaft, die unter dem sehr harten Schweizer Franken leidet, sind deshalb nicht ganz unbegründet. "Die psychologische Marke der Parität wurde am Montag seit langem wieder durchbrochen", so Poser, "sie dürfte eine selbstverstärkende Wirkung haben". Seit 1995 war der Dollar mit der Ausnahme von 1998 gegenüber den europäischen Währungen immer stärker geworden.

Sarasin sagt seit über einem Jahr voraus, dass nun der Euro wieder an der Reihe sei. Nur schon die Zinsdifferenzen zwischen den USA und Euroland zeigten dies an. Damit ist auch gesagt, dass ein tendenziell schwächerer Franken eventuell seinerseits das Ende der tiefen Zinsen bedeuten könnte, von denen Schuldner zurzeit in der Schweiz noch profitieren.

Alexander P. Künzle

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