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Gotthard: Umfahrung regeln

Keine Durchfahrt nach Lugano via Gotthard.

(Keystone)

Da am Gotthard der Strassenverkehr noch mindestens drei Wochen still steht, will die Schweiz die Umfahrung mit den Nachbarländern absprechen.

Die Schweiz hofft zudem, dass auch die Transportbranche ihre Planung anpasst. Von einer Begünstigung der Schweizer Transporteure will sie nichts wissen.

Auf der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung der Schweiz steht der Strassenverkehr noch mindestens drei Wochen still. Bis dann wollen die Urner Behörden die Felssturzgefahr am Gotthard mit einer Sprengung bannen. Die Bahnlinie ist vom Unterbruch nicht betroffen.

Gotthard-Autobahn und Kantonsstrasse waren am vergangenen Mittwoch gesperrt worden, nachdem bei Gurtnellen bis zu 125 Tonnen schwere Felsbrocken auf die A2 gestürzt waren und ein deutsches Ehepaar getötet hatten.

Am Freitag wurde die Autobahn kurz freigegeben. Nachdem es aber erneut zu Steinschlägen gekommen war, wurde sie nach 90 Minuten wieder gesperrt. Am Pfingstsonntag und Pfingstmontag kam es zu keinen neuen Abbrüchen. Teile des Anrissgebietes sollen nun weggesprengt werden.

Nachbarländer kontaktieren

Die Schweiz will nun wegen des mehrwöchigen Unterbruchs der Gotthardroute rasch Kontakt mit den Nachbarländern aufnehmen.

Ziel ist es, eine Empfehlung für den Schwerverkehr zur Umfahrung der Schweiz zu formulieren. Im Personenverkehr könnte ein Autoverlad durch den Gotthard die Probleme lindern.

Im Bundesamt für Strassen (ASTRA) hoffen die Verantwortlichen, dass der Lastwagenverkehr aus dem Ausland am Dienstag gestaffelt einsetzen wird, zumal in Italien auch der vergangene Freitag ein Feiertag gewesen war.

Unfreundlichen Akt vermeiden

Höchste Priorität habe nun die Kontaktaufnahme mit den Nachbarstaaten, sagte ASTRA-Sprecher Thomas Rohrbach. Denn die Schweiz könne allein keine Umfahrungsempfehlung für den Schwerverkehr erlassen.

Dies würde von den Nachbarstaaten als höchst unfreundlicher Akt empfunden. Auch am Zoll werden die Lastwagenchauffeure deshalb vorerst nur auf die Sperre am Gotthard und auf die Ausweichrouten über den San Bernardino, Grossen St. Bernhard und den Simplon aufmerksam gemacht.

Allerdings geht man in Bern davon aus, dass die internationalen Transport-Unternehmen über die Probleme in der Schweiz Bescheid wissen und ihre Planung entsprechend anpassen.

Seit dem tödlichen Felssturz vom vergangenen Mittwoch wird auch im Internet permanent und mehrsprachig informiert. Und zwar über eine Schwerverkehrs-Plattform, die im Gefolge der Brandkatastrophe im Gotthard-Strassentunnel vom Oktober 2001 eingerichtet worden war.

Binnenverkehr nicht bevorzugen

Die Schweizer Lastwagenlobby hat unterdessen verlangt, der Bund solle eine Prioritätenordnung schaffen und dem mit einem S gezeichneten Binnenverkehr klar den Vorrang geben.

In zweiter Linie sei der Import-Export-Verkehr zur berücksichtigen, und erst an dritter Stelle der Transitgüterverkehr, sagte ein Sprecher des Nutzfahrzeugverbands Astag am Sonntag in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens.

Beim Bund hat man zwar Verständnis für die Probleme der Branche. Eine Kontingentierung des ausländischen Schwerverkehrs an der Grenze komme aber nicht in Frage, hiess es bei ASTRA.

Schweizer Pässe (noch) kein Geschäft

Ein Ausweichen über die Gotthard-Passtrasse ist nicht möglich, da auch die Kantonsstrasse vom Steinschlag bedroht ist und deshalb – wie die Autobahn – geschlossen wurde.

Generell isst der Schweizer Passstrassen-Tourismus zur Zeit hartes Brot.

"Hätte das Wetter mitgemacht, wären alle Pässe an Pfingsten offen gewesen", sagt Sepp Inderkum aus Andermatt, Präsident der IG Alpenpässe (IAP). Sie setzt sich dafür ein, dass die wichtigen Schweizer Passstrassen nach der Winterpause früher geöffnet werden, um das wirtschaftliche Potenzial der Touristenrouten zu nutzen.

Wichtige Übergänge wie Gotthard, Grimsel, Klausen und Nufenen seien in diesem Frühjahr denn auch offen gewesen. Mit dem schlechten Wetter sei dann für die Betriebe an den Passstrassen der Einbruch gekommen.

Inderkum, selbst ehemaliger Hotelier im Urserental im Kanton Uri, hat aber Verständnis für die erneuten Sperrungen oder verzögerten Eröffnungen von Passstrassen.

"Die Sicherheit geht vor", sagt er. "Gegen die Natur lässt sich eben nichts ausrichten."

swissinfo und Agenturen

Fakten

Während der Woche durchfahren täglich 10'000 Fahrzeuge den Gotthard-Tunnel.

Über ein normales Wochenende zählt man täglich 12'000 bis 13'000 Autos.

Während den letzten Ostertagen waren es täglich 20'000 bis 25'000 Fahrzeuge.

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In Kürze

Die Autobahn A2 mit dem 17 Kilometer langen Gotthard-Tunnel ist die wichtigste Nord-Süd-Verbindung durch die Alpen in der Schweiz.

Steinschlag und wiederholte Felsabbrüche an der Autobahn A2 gab es vor allem beim Dorf Gurtnellen, Kanton Uri. Die A2 bei Gurtnellen führt direkt in den Gotthard-Strassentunnel. Auch die Abzweigung für die Passstrasse über den Gotthard kommt erst nach den Felssturz-Stellen.

Die Schliessung der A2 führt zu Verkehrsschwierigkeiten auf der Nord-Süd-Achse. Alternativen zum Gotthard sind die A13 über die San-Bernardino-Route, wo aber einige Baustellen den Verkehr behindern, die Pässe Lukmanier, Julier, Maloja, Simplon und Grosser St. Bernhard sowie der Mont-Blanc-Tunnel.

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