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Gute Noten für Nationalbank-Führung

Für SNB-Direktoriumsmitglied Philipp Hildebrand ist Spielraum für weitere Zinssenkungen vorhanden. Keystone

Philipp Hildebrand, neu gewähltes Direktoriums-Mitglied der Schweizerischen Nationalbank, stellt der jetzigen Führung ein gutes Zeugnis aus: Sie habe "proaktiv" auf die geplatzte Spekulationsblase reagiert.

Dieser Inhalt wurde am 09. März 2003 - 15:53 publiziert

Hildebrand hält weitere Zinssenkungen nicht für ausgeschlossen.

Er sei "sehr beeindruckt" von der Geldpolitik der letzten Jahre, sagte Philipp Hildebrand in der "Samstagsrundschau" von Radio DRS. Das amtierende Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit Jean-Pierre Roth, Bruno Gehrig und Niklaus Blattner habe sich schnell auf die Bedürfnisse nach der Boom-Phase an den Börsen eingestellt.

Philipp Hildebrand tritt die Nachfolge von Bruno Gehrig im SNB-Direktorium an.

Unabhängig von der EZB

Die SNB agiere "mit Mut" und unabhängig von der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte Hildebrand. Die Geldpolitik der Schweiz sei "in guten Händen". Während der 90er Jahre hatte Hildebrand die damals restriktive Geldpolitik der SNB verschiedentlich kritisiert und für mehr Transparenz plädiert.

Hildebrand, der sein Amt im Juli antreten wird, erwartet, dass die Schweizer Wirtschaft in den nächsten Jahren weiter unter einem grossen Anpassungsdruck steht. Er zeigte sich dennoch optimistisch: Die Schweiz sei den Strukturwandel gewohnt und habe beispielsweise im Vergleich zu Deutschland schon viel gemacht.

Nur noch wenig Spielraum

In der Schweiz sei der Spielraum für Zinssenkungen "nicht mehr gross, aber noch vorhanden", sagte Hildebrand in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". Die SNB hatte ihre Geldpolitik am Donnerstag gelockert und das Zielband für den Dreimonats-Libor um einen halben Prozentpunkt auf 0 bis 0,75 Prozent gesenkt.

Der deutsche Ökonom Thomas von Ungern-Starnberg, Professor an der Universität Lausanne, begrüsste die Leitzinssenkung in einem Interview mit der "SonntagsZeitung". Die SNB könne jetzt allerdings nichts mehr tun, weil sie ihr Pulver "sehr richtig zu einem frühen Zeitpunkt verschossen hat".

Zusätzliche Impulse für die Wirtschafts-Ankurbelung müssten jetzt von der Fiskalseite her kommen, sagte von Ungern-Starnberg.

Kritik an "Hamsterpolitik" SNB

In einem anderen Bereich äusserte der Ökonom scharfe Kritik an der SNB. Sie müsse höhere Gewinne ausschütten. Gemäss Verfassung stünden zwei Drittel der SNB-Gewinne den Kantonen zu. Ein Drittel gehöre dem Bund. Bund und Kantone könnten mit dem Geld zum Beispiel Konjunktur-Stimulationsprogramme finanzieren.

Von Ungern-Starnberg wies darauf hin, dass die SNB in der Vergangenheit vor allem Reserven angehäuft habe, statt die Gewinne auszuzahlen. "Erstens ergeben sich aus dieser Hamsterpolitik für unsere Wirtschaft keinerlei positive Impulse. Zweitens ist dieses Verhalten gesetzeswidrig."

Deflation kein Thema

Deflation ist für Philipp Hildebrand kein Thema in der Schweiz, trotz stotternder Wirtschaft, schliessender Geschäfte und steigender Arbeitslosigkeit. "Deflation haben wir effektiv nur in Japan", sagte Hildebrand in der "NZZ am Sonntag". Gesamthaft sehe man, dass die Wirtschaft bereit sei, alles zu unternehmen, um eine Deflation zu verhindern.

Der 39-jährige Hildebrand war am Freitag vom Bundesrat zum Nachfolger Bruno Gehrigs im dreiköpfigen SNB-Direktorium ernannt worden. Er wird das III. Departement der Nationalbank in Zürich übernehmen, das vor allem für die Geldpolitik zuständig ist.

Seit Oktober 2001 ist er Generaldirektor und Geschäftsleitungs-Mitglied der Union Bancaire Privée (UBP) in Genf.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Der Politikwissenschafter Philipp Hildebrand studierte in Toronto, Genf Florenz sowie in den USA und Grossbritannien

Erste praktische Erfahrungen im Executive Board des Weltwirtschaftsforums (WEF). Später arbeitete er für die US-Finanzgruppe Moore Capital Management, wo er 1997 zum Partner aufstieg

2000: Chief Investment Officer bei der Vontobel-Gruppe

Seit 2001: Generaldirektor und Geschäftsleitungs-Mitglied der Genfer Union Bancaire-Privée (UBP)

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In Kürze

Der Bundesrat hat den 39-jährigen Philipp Hildebrand zum neuen Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gewählt. Er wird ab Juli Nachfolger von Bruno Gehrig und übernimmt die Leitung des III. Departementes, das unter anderem zuständig ist für die Umsetzung der Geldpolitik.

Nachdem die SNB ihre Geldpolitik eben erst gelockert hat, schliesst Hildebrand weitere Zinssenkungen nicht aus. Der Spielraum dafür sei noch vorhanden, aber nicht mehr gross, sagte er in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag".

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