Gute Wirtschaftslage heisst nicht weniger Armut

In St.Gallen hat die Armut trotz tiefer Arbeitslosigkeit im Jahr 2000 zugenommen. Keystone

Die Zahl der Sozialfälle kann auch bei tiefer Arbeitslosigkeit und guter wirtschaftlicher Lage zunehmen. Dies zeigt eine Erhebung der Stadt St.Gallen, wo im vergangenen Jahr 224 Personen mehr Fürsorgehilfe empfingen als 1999.

Dieser Inhalt wurde am 21. August 2001 - 17:08 publiziert

1998 führten Basel, Bern, Lausanne, Luzern, St.Gallen, Winterthur, Zürich und Frauenfeld ein Benchmarking-Projekt ein, das es ermöglichen sollte, die Sozialhilfe-Kennzahlen dieser Städte zu vergleichen. Am Montag (20.08.) wurde in St.Gallen der neuste Bericht des Projekts vorgestellt.

Aufschwung mit Verspätung

Während die Zahl der Sozialhilfe-Empfänger in grossen Städten im Jahr 2000 erstmals nach zehn Jahren sank, stieg sie einzig in St.Gallen auf 4'259 Personen weiter an. Die Verantwortlichen des Projekts begründeten diese Entwicklung damit, dass der Aufschwung in Grenzregionen mit Verspätung eingesetzt habe und sprachenunkundige Personen von den neuen Arbeitsplatz-Angeboten nicht hätten profitierten können.

Der Durchschnittswert der Unterstützungsausgaben liegt gesamtschweizerisch bei 16'054 Franken pro Fall und 9'135 Franken pro Person. St.Gallen liegt mit 17'663 Franken pro Fall an der Spitze. Die Dauer der Fälle liege in St.Gallen über dem Schnitt. Dies löse höhere Kosten aus, heisst es im Kommentar des Berichts.

Kinder in Armut

"In der Stadt St.Gallen sind ausserordentlich viele Kinder von Armut betroffen", steht im Sozialhilfe-Bericht weiter zu lesen. Aufs Ganze gesehen machten Haushalte von Alleinerziehenden und Ehepaaren mit Kindern 21% aller Sozialfälle aus. Der Anteil der bedürftigen Kindern wird im Bericht als sehr hoch bezeichnet.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr für die Sozialhilfe in der Stadt St.Gallen 37,8 Mio. Franken aufgewendet, was 37% der Sozialhilfe-Ausgaben des ganzen Kantons St.Gallen entspricht.

Auch in St.Gallen Rückgang erwartet

Die Schlussbemerkungen des Kennzahlen-Vergleichs bieten trotz allem Anlass zur Hoffnung: Dort heisst es nämlich, dass aufgrund der Zahlen des laufenden Rechnungsjahres davon ausgegangen werden könne, dass die Sozialhilfe-Ausgaben nun auch in St.Gallen spürbar zurückgehen werden.

swissinfo und Agenturen

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