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Holzschnitzel sorgen bei Winzern für bitteren Abgang

Holzschnitzel nein danke, sagen viele Schweizer Winzer.

(Keystone)

Weine dürfen künftig auch in der Schweiz mit Holzschnitzeln aromatisiert werden. Nicht alle Schweizer Produzenten des Rebensaftes goutieren die neue Methode.

Die aus den USA stammende Methode verwässere die Jahrhunderte alte Schweizer Weinbau-Tradition, klagen die Hersteller. Zudem würden die Konsumenten verunsichert.

Seit Anfang Jahr ist das Weinhandelsabkommen in Kraft, das die Agrarminister der Europäischen Union (EU) mit den USA abgesegnet hatten. Es erlaubt, dass US-Weine in die EU-Länder eingeführt werden dürfen, die mit neuartigen, in Europa grösstenteils nicht zugelassenen technischen Methoden hergestellt wurden.

Diese unter Kennern umstrittenen Methoden bestehen aus Wasserzusätzen, der "Reifung" mittels Holzschnitzeln oder der so genannten Weinfraktionierung. Bei letzterer werden Alkohol und Aromastoffe des Weins zerlegt und anschliessend in veränderten Gewichtungen neu zusammengesetzt.

Die Schweiz, welche als Teilnehmerin am EU-Binnenmarkt die Brüsseler Entscheide übernimmt, führt die neue Praxis auf Anfang 2007 ein.

Zeit ist Geld

Produzenten in Nord- und Südamerika, Südafrika und Australien mischen seit einigen Jahren ihren Weinen Holzschnitzel bei. So erhält der in Stahlfässern reifende Wein die aromatische Note, als ob er in Fässern aus Eichenholz gelagert worden wäre.

Damit sparen die Hersteller Zeit und Geld, denn die Reifedauer wird erheblich verkürzt.

Nischenhersteller

Schweizer Weinbauern befürchten nun aber, dass die neuen Methoden nicht nur die Kunden täuschten, sondern auch die Qualität der heimischen Weine unterminiere. "Die Schweiz ist mit 15'000 Hektaren Weinreben nur eine kleine Anbau-Region. Deshalb müssen wir ein Nischenmarkt bleiben, der Weine mit einem bestimmten Charakter hervorbringt", sagt Michel Duboux gegenüber swissinfo.

Würde in der Schweiz Wein auf industrieller Basis produziert, leide die Qualität darunter, so der Präsident der Schweizerischen Vereinigung der Selbsteinkellernden Weinbauern (SVSW). Die regionalen Leiter der Organisation, die rund 500 Mitglieder zählt, verurteilten am Donnerstag an einer Versammlung die Einführung der neuen Methode einhellig.

"Falls die Holzschnitzel erlaubt werden, fürchte ich, dass als nächste Stufe die Aromastoffe kommen." Wenn diese Türe geöffnet sei, gehe die Authentizität der Schweizer Weine verloren, begründet Duboux.

Deklarationspflicht

Sowohl die SVSW als auch die Stiftung für Konsumentenschutz sind dafür, dass so genannter Holzschnitzel-Wein klar deklariert werden muss. Das Bundesamt für Gesundheit aber sieht das anders. Holzschnitzel-Weine dürften laut Vorschlag der Bundesbehörde nicht die Deklaration "in Eichenfässern gealtert" tragen, wie Pierre Studer erklärt. Er ist im BAG zuständig für die Bereiche Wasser und alkoholische Getränke

Er könne nachvollziehen, dass in den USA zwischen den Deklarationen 'gealtert in Eichenfässern' (aged in oak barrels) und 'oaked (Holzschnitzel-Wein) unterschieden werde, so Studer. "Wir werden aber keine obligatorische Deklaration der Herstellungsweise verlangen."

Schutz für Naturprodukt

Die Konsumenten-Organisation befürchtet eine Irreführung der Kunden und verlangt deshalb eine Deklarationspflicht für Holzschnitzel-Wein. Auf Weinetiketten gebe es keine Hinweise, dass Holzschnitzel verwendet worden seien. Bei einem Naturprodukt wie dem Wein müsse Transparenz aber höchste Priorität haben, erklärt die Organisation auf ihrer Internetseite.

Monique Perrottet, Direktorin des Schweizerischen Weinbauernverbandes, sieht die Sache pragmatischer. Ihr Verband sei nicht gegen die Einführung der Holzschnitzel-Methode. Die Konsumenten aber müssten genau informiert werden, ob Weine auf natürliche Weise gereift seien oder nicht.

Aufklärung

"Ich gehe nicht davon aus, dass die Holzschnitzel die Authentizität der Schweizer Weine mindern, aber es ist enorm wichtig, dass man den Konsumenten genau sagt, was der Unterschied zwischen den beiden Arten von Weinen ist", so Perrottet.

Konsumenten müssten insbesondere wissen, dass Holzschnitzel-Wein im Vergleich zu Wein aus Eichenfässern nicht richtig gealtert sei. "Es gibt einen grossen Unterschied punkto Qualität der Endprodukte", sagt Perrottet.

swissinfo, Adam Beaumont

Fakten

Führendes Schweizer Weinbaugebiet ist das Wallis, gefolgt von Waadt, Genf und Tessin.
In den letzten zehn Jahren machten Schweizer Weine 40% aller im Land getrunkener Weine aus.
2003 produzierten Schweizer Winzer erstmals mehr Rot- als Weisswein.

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In Kürze

Schweizer Weine werden an internationalen Wettbewerben immer wieder mit Preisen ausgezeichnet. Nur ein Prozent des Schweizer Weins wird exportiert (1 Mio. Liter).

Infolge der Liberalisierung des europäischen Binnenmarktes setzt eine neue Generation von Schweizer Weinbauern auf eine neue Qualität, indem sie weniger Wein produziert und ihren Wein vermehrt aus traditionellen regionalen Traubensorten keltert.

Der Hachette-Weinführer 2005, die französische Bibel der Weinkenner, zeichnete fast einen Fünftel (17%) der 190 Schweizer Weine mit drei Sternen aus, der Auszeichnung für "aussergewöhnliche" Qualität.

In Frankreich erreichten nur zwei Prozent dieses Prädikat.

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