Im Internethaus der Familie Zukunft

Das computergesteuerte Haus soll den Bewohnerinnen und Bewohnern den Alltag erleichtern. Keystone

Seit Anfang Jahr wohnt Familie Steiner im ersten Internethaus der Schweiz. Das Haus, das mit Live-Kameras bestückt ist, steht in Hünenberg im Kanton Zug. Die Eltern und ihre zwei Kinder testen dort futuristische Technologien.

Dieser Inhalt wurde am 03. September 2001 - 15:39 publiziert

In das Untergeschoss rennen um zu wissen, ob die Trommel der Waschmaschine noch immer dreht? Nicht nötig! Eine Mitteilung auf dem Bildschirm zeigt das Ende des Waschens an.

Lange darüber nachdenken, was für das Mittagessen gekocht werden soll? Nicht nötig! Der Computer stellt Menus mit den Lebensmitteln zusammen, die im Kühlschrank stehen.

Kontakte und ständige Weiterbildung

"Selbst mein Mann kommt jetzt in der Küche zurecht", bemerkt die 42-jährige Ursi Steiner. Die ehemalige Lehrerin vertritt die Vorteile des Internethauses mit Überzeugung, ja mit Leidenschaft.

Ursi Steiner hatte nicht lange gezögert und sich ins Abenteuer gestürzt. Was sie an ihrer neuen Arbeit besonders reizte, waren die neuen Kontakt-Möglichkeiten und die ständige Weiterbildung.

Die Frau bezeichnet ihre Familie als kommunikativ und extrovertiert. Ihr 39-jähriger Mann Daniel, von Beruf Informatiker, interessiert sich vor allem für den technischen Aspekt des neuen Wohnens.

Grosser Besucherstrom

Die Idee für das Zukunftshaus hatte die Stiftung des deutschen Milliardärs Otto Beisheim. Am nicht gewinnorientierten Projekt beteiligt ist zudem der Informatik-Gigant Cisco Systems.

Das Ehepaar geniesst es, mit den von Beisheim zur Verfügung gestellten Mitteln quasi ein eigenes Unternehmen führen zu können. Es erweitert die technische Einrichtung, sorgt für Kontakte und prüft die Offerten. Zudem müssen sie die Besucher durch das Haus der Zukunft lotsen - seit Anfang Jahr waren es bereits über 3'000.

Von aussen erscheint das Internethaus normal und unauffällig. Damit soll gezeigt werden, "dass die neuen Technolgien nicht für die oberen Zehntausend reserviert sind, sondern auch der Mittelschicht zur Verfügung stehen", sagt Ursi Steiner.

Im Innern ist die futuristische Technik kaum sichtbar. In der Küche fällt immerhin ein grosser Bildschirm auf. Mit diesem können aus der Entfernung diverse Geräte gesteuert werden, etwa die Lampen, die Waschmaschine, der Geschirrspüler, die Storen oder die Stereoanlage.

Eine Gebrauchsanweisung sei nicht nötig, sagt Ursi Steiner, als sie die zentrale Steuerung vorführt. Die Bedienung über den Bildschirm sei ein Kinderspiel. Dank einer mobilen Konsole können die Geräte auch von Aussen gesteuert werden.

Das Wohnen im Internethaus bringt noch weitere Bequemlichkeiten. So wird ein Defekt der Kaffeemaschine automatisch beim Fabrikanten gemeldet, der dann eine Ferndiagnose macht. Und ein Gerät, das Strichcodes lesen kann, erleichtert das Online-Einkaufen.

Trotzdem ist Ursi Steiner, die den persönlichen Kontakt schätzt, auch auf dem Markt anzutreffen. Gemüse und Eier kauft sie auf dem Bauernhof. Überhaupt sollen die Steiners ein normales Leben führen und nicht Gefangene der Technik sein.

Privatsphäre ausgeklammert

Weil das Internethaus unter ständiger Beobachtung von Kameras steht, zieht sich die Familie zum Schlafen und Entspannen in das benachbarte Haus zurück. Die persönlichen Gegenstände fehlen deshalb in dem mit Designerstücken möblierten Zukunftshaus.

Die Steiners leben noch bis Ende 2003 im Internethaus. Dann läuft der Vertrag mit der Beisheim-Stiftung aus. Die Familie wäre indes für ein zweites Abenteuer bereit.

swissinfo und Barbara Knopf (sda)

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