Italien: Razzien in Schweizer Bankfilialen

Nach den USA jagt jetzt auch Italien Steuersünder: Die Finanzpolizei hat am Dienstag in Filialen von Schweizer Banken Razzien durchgeführt. Die italienische Steueramnestie hat kürzlich bereits zu Verstimmungen im Tessin geführt.

Dieser Inhalt wurde am 27. Oktober 2009 - 14:19 publiziert

Die Guardia di Finanza, wie die Finanzpolizei in Italien heisst, hat in 76 Geldinstituten Razzien durchgeführt. Die Guardia will dabei abklären, ob die Banken ihrer Pflicht nachkamen, die Kundenbeziehungen regelmässig dem Steueramt zu melden.

Gemäss der Nachrichtenagentur Ansa fanden die Razzien in den neun Regionen Emilia Romagna, Lombardei, Lazio, Piemont, Veneto, Toscana, Kampanien, Ligurien und Marche statt.

Plötzlichen Besuch bekam auch die UBS-Filiale in Mailand. Ob die Finanzpolizei Akten beschlagnahmt hat, wollte UBS-Sprecherin Paola Biscaldi auf Anfrage nicht verraten. Auch bei der Credit Suisse verschanzte man sich hinter einem "No Comment".

Die Meldepflicht der Banken ist laut Guardia im Kampf gegen die Steuerhinterziehung von elementarer Wichtigkeit. Weitere Kontrollen würden folgen.

Bereits zu Verstimmungen geführt hat die rigorose Haltung Roms im Zusammenhang mit der Steueramnestie ("Scudo fiscale") am Finanzplatz Tessin.

Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti hatte im Stil seines ehemaligen deutschen Kollegen Peer Steinbrück erklärt, "den Bankenplatz Lugano trockenzulegen".

Im Tessin kamen deshalb Diskussionen um Retorsionsmassnahmen bei Grenzgängern auf. In einem Interview mit der italienischen Wirtschaftszeitung il Sole 24 Ore hat aber Bundespräsident Hans-Rudolf Merz solchen Forderungen eine Abfuhr erteilt.

Indirekt übte er dennoch Kritik an der italienischen Steueramnestie. Für die Schweiz käme eine solche Massnahme nicht in Frage, weil diese aus juristischer und moralischer Sicht bedenklich sei.

swissinfo.ch und Agenturen

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen