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Jugoslawische Zentralbank wirft Schweiz "Komplizenschaft" vor

Der jugoslawische Diktator Slobodan Milosevic soll rund 4 Mrd. Dollar in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Keystone

Die jugoslawische Zentralbank richtet schwere Vorwürfe an die Schweiz. Die Suche nach Milosevic-Konten sei nicht gründlich genug erfolgt, heisst es in Belgrad. Doch in Bern wartet man nach wie vor auf ein Rechtshilfegesuch aus Jugoslawien.

Dieser Inhalt wurde am 12. April 2001 - 17:19 publiziert

Der Schweiz wirft die jugoslawische Zentralbank mangelhafte Kooperation vor. Sie soll zu wenig Hilfe bei der Suche nach Geldern des gestürzten jugoslawischen Diktators Slobodan Milosevic leisten. Die jugoslawische Regierung vermutet, dass sich weitaus mehr als 170 Mio. Franken auf Schweizer Banken befinden.

«Die Schweiz ist die letzte Komplizin von Milosevic», sagte Mladjan Dinkic, Gouverneur der jugoslawischen Notenbank, am Donnerstag (12.04.) in einem Interview mit dem Westschweizer Wochenblatt «L'Hebdo». Den Ermittlern fehle es noch immer an exakten Informationen, um die Anklage gegen den Ex-Präsidenten präzisieren zu können.

Die tatkräftige Mitarbeit der Schweiz würde es ermöglichen, die Beweislage zu verbessern und mehrere Personen hinter Gitter zu bringen, sagte Dinkic weiter. Nach seinen Angaben hat der Milosevic-Clan zwischen 1992 und 1993 fast vier Milliarden Dollar in die eigene Tasche abgezweigt. Ein Teil dieses Geldes sei in die Schweiz geschafft worden.

Doch die Schweiz habe nur hundert verdächtige Konten mit einem Gesamtbetrag von 170 Mio. Franken gesperrt, sagte Dinkic weiter und kritisierte «bizarre Aspekte» bei den Nachforschungen durch die Schweizer Behörden.

So hätten diese zunächst angegeben, ein Betrag von 125 Mio. Franken gehöre der jugoslawischen Bank Investbanka. Später korrigierte das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), es handle sich nicht um ein Guthaben, sondern eine Schuld der Investbanka aus den Achtzigerjahren.

Mögliche Schmiergelder

Othmar Wyss vom seco sagte dazu am Donnerstag, die Schweiz habe ihren Irrtum eingestanden. Dinkic ist aber damit noch nicht zufrieden. Seiner Meinung nach handelt es sich bei den 125 Mio. in Tat und Wahrheit um Schmiergelder in Zusammenhang mit der Privatisierung der Telecom Serbia im Jahr 1997.

Zu dieser Thematik mochte sich Othmar Wyss nicht äussern. Im übrigen poche die Schweiz auf den üblichen Instanzenweg. Bern warte nach wie vor auf ein Rechtshilfegesuch aus Belgrad. Auf korrekter juristischer Basis sei die Schweiz durchaus bereit zur Zusammenarbeit, betonte Wyss weiter.

swissinfo und Agenturen

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