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Kampf gegen den Hunger

Hunderte Millionen von Kindern leiden an Hunger und Unterernährung.

(Keystone)

Im Kampf gegen den Hunger hat es in den letzten Jahren kaum Fortschritte gegeben. UNO-Generalsekretär Kofi Annan spricht von schweren Versäumnissen.

Zwar gebe es weltweit genügend Nahrung, dennoch hungerten noch immer rund 800 Millionen Menschen, sagte der UNO-Generalsekrtär zum Auftakt des Welternährungs-Gipfels in Rom. Dieses Versagen "sollte uns mit Scham erfüllen". Annan rief dazu auf, den Bauern - vor allem in den Entwicklungsländern - mehr Land zu geben und ihnen besseren Zugang zu den technologischen Entwicklungen zu geben.

Delegierte aus über 180 Ländern - auch aus der Schweiz - beraten an der Konferenz in Rom diese Woche über einen nachhaltigeren Kampf gegen den Hunger.

Im Vorfeld der Konferenz hatte der Schweizer Jean Ziegler, Sonderbeauftragter der UNO-Menschenrechtskommission, erklärt, "der Hunger in der Welt ist ein lautloses Massaker". Dies sei umso skandalöser, als sich dieses Sterben in einer Welt abspiele, die so reich sei wie nie zuvor, die mehr Nahrungsmittel produziere als es brauche, um die ganze Weltbevölkerung zu ernähren, ist in Zieglers jüngstem Bericht zu lesen.

Damit das Recht auf Nahrung Realität wird, müsse sich die Justiz einschalten, erklärt der streitbare Professor, der letzten Monat seine Lehrtätigkeit an der Universität Genf einstellte. "Die Regierungen müssten Rechenschaft ablegen, wenn sie ihren Verpflichtungen in Sachen Recht auf Nahrung nicht nachkommen."

Fünf verlorene Jahre

Die internationale Gemeinschaft ist noch lange nicht an dem Punkt angelangt. Aber die Idee, dass wirtschaftliche Rechte genauso ihren Wert haben wie politische Rechte, gewinnt langsam Terrain.

Die Schweizer Delegation wie auch Nicht-Regierungs-Organisationen erwarten in Rom neue Impulse im Kampf gegen den Hunger. Denn die hehren Ziele der letzten Ernährungskonferenz von 1996 sind bei weitem nicht erreicht worden. Eigentlich hätte man letzten Herbst eine Bilanz ziehen wollen. Nach den Anschlägen vom 11. September war die Konferenz aber wie andere internationale Treffen verschoben worden.

Und die Bilanz sieht nicht eben rosig aus: Nur wenige Regierungen haben sich im Kampf gegen den Hunger wirklich engagiert, die internationalen Organisationen behandeln das Thema nicht prioritär, die zur Verfügung stehenden Ressourcen zur ländlichen Entwicklung sind nicht gestiegen. Dies erklärte die FAO, die UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, im Vorfeld der Römer Konferenz.

Das 1996 gesetzte Ziel, effizient gegen den Hunger in der Welt vorzugehen, sei mit der bestehenden Praxis klar verfehlt worden, sagt auch die Erklärung von Bern (EvB), eine entwicklungspolitische Organisation aus der Schweiz.

Mangelnder "politischer Wille"

Über 800 Millionen Menschen - so schätzen UNO-Organisationen - leiden weltweit an Unterernährung. In zwei Dritteln der 99 Drittweltländer, belegt eine Studie der FAO, hungern heute fast ebenso viele Menschen wie vor fünf Jahren. Dies trotz aller Versprechen, Programme und Millionen an Hungerhilfen.

Unter Fachleuten herrscht mittlerweile Einigkeit, dass der Hunger vor allem dort grassiert, wo Regierungen sich nicht oder nicht genügend um die ländliche Entwicklung kümmern. Mangelnder "politischer Wille" ist denn auch eines der Stichworte bei der UNO-Welternährungskonferenz.

"Ein totaler Zynismus", sagt Jean Ziegler gegenüber swissinfo weiter. "Die reiche Welt akzeptiert den Hunger als Normalität". Aus demografischer Sicht habe die Zahl jener Menschen, die Hunger leiden, in Prozenten zwar etwas abgenommen. Absolut genommen steige ihre Zahl jedoch unaufhörlich.

Was also kann eine weitere Gipfelkonferenz bringen? "Wenigstens während einiger Tage das Interesse der Medien. Und vielleicht führt sie auch dazu, dass einige schlechte Gewissen sich regen", zeigt sich der Soziologe etwas optimistisch.

Für nachhaltige Landwirtschaft...

Die Schweiz will sich an der UNO-Welternährungskonferenz vor allem für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzen. Zudem sollen das Recht auf Nahrung verankert und bessere Handelsbedingungen für arme Länder propagiert werden.

"Als Möglichkeit wird ein Verhaltenskodex für Regierungen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Privatunternehmen ins Auge gefasst", sagt Jacques Chavaz, Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) und stellvertretender Schweizer Delegationsleiter. Laut Chavaz ist es wichtig, dass sich alle im Kampf gegen den Hunger engagieren.

Die Schweiz wird weiterhin vor allem auf konkrete Aktivitäten setzen, wie zum Beispiel Projekte zur Wasserversorgung in Senegal oder zur nachhaltigen Bodennutzung und zum Biodiversitäts-Schutz in Nepal, wie Chavaz ausführte.

Für Jean Ziegler wäre ein Verhaltenskodex nur eine Übergangs-Lösung, die aber als vorübergehende Massnahme nützlich sein könnte. Auch wenn man sich bewusst sein müsse, dass gewisse Staaten, etwa die USA, ein solches wirtschaftliches Recht nie anerkennen würden, da für diese Länder allein das Credo "Gesetz des Marktes" gelte.

...und neue Strategien

Die Erklärung von Bern fordert neue Strategien. "Die Halbierung der Zahl der Hungernden bis ins Jahr 2015 wird nicht erreicht", ist die EvB überzeugt.

Die internationale Agrar- und Handelspolitik müsse der Ernährungs-Sicherheit dienen, betont sie. Der Ernährungs-Souveränität mit dem Recht auf eine eigenständige Agrarpolitik, der Ernährungs-Sicherung und dem Menschenrecht auf angemessene Ernährung seien Priorität vor der Handels-Liberalisierung einzuräumen.

Auch müssten die Agrarsubventionen des Nordens abgebaut werden. "Technologien, welche die Bäuerinnen und Bauern in die Abhängigkeit von Saatgutfirmen treiben, dürfen nicht zugelassen werden", sagt die EvB. Der Zugang der Bauern zu Land, Wasser und genetischen Ressourcen müsse gewährleistet werden.

Bernard Weissbrodt und Agenturen


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