Kein Grund für Bescheidenheit

Die Gewerkschaften fordern in den Verhandlungen vom kommenden Herbst vier bis fünf Prozent mehr Lohn. Allen Arbeitnehmenden müssten Reallohn-Erhöhungen gewährt werden, hiess es. Die Arbeitgeber sehen Spielraum für Erhöhungen, die vor allem leistungsbezogen ausfallen müssten.

Dieser Inhalt wurde am 23. Juli 2001 - 12:29 publiziert

Für die Gewerkschaften gibt es bei den Lohnverhandlungen im kommenden Herbst keinen Grund zur Bescheidenheit. Bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage müssten für alle Arbeitnehmenden deutliche Reallohn-Verbesserungen resultieren, sagte Charles Steck von der Gewerkschaft Syna. Die Allbranchen-Gewerkschaft hat sich zwar noch auf keinen Prozentsatz festgelegt. Die Forderung werde aber deutlich über zwei Prozent liegen. Klar ist für alle Gewerkschaften, dass der Trend zu leistungs-orientierten Lohnerhöhungen gebrochen werden muss. Eine zu starke Leistungsbetonung gehe zu Lasten des Grundlohns, sagte Steck.

Für die Gewerkschaften der Staatsangestellten ist die Zeit für deutliche Lohnerhöhungen gekommen. Der Föderativ-Verband des Personals öffentlicher Verwaltungen und Betriebe verlangt vom Bundesrat eine Aufbesserung um vier Prozent. Die Haushaltlage des Bundes habe sich verbessert, sagte Bernard Niquille, Sekretär des Förderativ-Verbandes. Zudem habe das Personal in schlechten Zeiten auf den Teuerungsausgleich verzichtet und zur Effizienz-Steigerung beigetragen. Niquille hält die Forderung für durchaus realistisch. Die Zeiten, in denen die Gewerkschaften mit unrealistisch hohen Ansprüchen in die Verhandlungen einstiegen, seien vorbei.

Fünf Prozent mehr fordert der Verband des Personals öffentlicher Dienste (vpod). Kann dies wegen der schwierigen Finanzlage einiger Westschweizer Kantone nicht überall erreicht werden, sei der Teuerungs-Ausgleich das absolute Minimum, sagte vpod-Generalsekretärin Doris Schüepp. Zu Lohnforderungen über fünf Prozent in Folge eines Nachholbedarfs könne es beim Pflege- und Lehrpersonal sowie den Angestellten des Personennahverkehrs kommen.

Fünf Prozent mehr Lohn verlangen auch der Schweizerische Kaufmännische Verband (SKV) und die Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI). Der GBI will im Bauhauptgewerbe eine Erhöhung von mindestens 250 Franken oder fünf Prozent erreichen. Auch die vertraglichen Mindestlöhne müssten um 250 Franken angehoben werden, sagte Andreas Rieger, Mitglied der GBI-Geschäftsleitung. Im Detailhandel fordern die Gewerkschaften Erhöhungen von 200 bis 250 Franken. Die Mindestlöhne sollen auf 3'000 Franken netto erhöht werden.

Die Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen (SMUV) unterstützt diese Forderungen. Es werde nicht mehr hingenommen, dass bei den Löhnen gedrückt werde und dafür Superboni für Manager und Verwaltungsräte in Millionenhöhe ausgezahlt würden.

Reallohnerhöhungen werden auch für die ehemaligen Regiebetriebe des Bundes verlangt. Bei der Swisscom will die Gewerkschaft Kommunikation fünf Prozent für alle Mitarbeitenden, und auch bei der Post müsse die Aufbesserung mehr als nur die Teuerung ausgleichen. Fünf Prozent verlangt auch der Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband (SEV). Die Löhne seien ein Grund für die Personalknappheit bei den SBB, sagte SEV-Sprecher Peter Lauener.

Eine Lohnempfehlung gebe der Arbeitgeberverband nicht ab, da die Verhandlungen auf Branchen- und Unternehmensstufe geführt würden, sagte Daniel Hefti, Vizedirektor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Die nach wie vor guten Wirtschaftsaussichten schafften aber Spielraum für Lohnerhöhungen. Auch der ausgetrocknete Arbeitsmarkt werde solche begünstigen. Im Gegensatz zu den Gewerkschaften plädieren die Arbeitgeber vor allem für individuelle Anpassungen. Die Arbeitnehmenden hätten ein Interesse an leistungsbezogenen Lohnerhöhungen, argumentiert Hefti.

swissinfo und Agenturen

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