Kuoni: Keine Entscheidung im Machtkampf in Sicht

Heinz Müller, links, Vizepräsident des Kuoni-Verwaltungsrates und Kuoni-Chef Hans Lerch wollen mit allen Mitteln VR-Präsident Daniel Affolter von der Kuoni-Spitze entfernen. Keystone

Der Machtkampf um den Reisekonzern Kuoni verschärft sich weiter. Bis am Dienstagmorgen muss der suspendierte VR-Präsident Daniel Affolter vorerst sein Büro geräumt haben. Das letzte Wort jedoch haben die Aktionäre. Dabei hat Affolter gute Karten.

Dieser Inhalt wurde am 07. Mai 2001 - 18:03 publiziert

Am Sonntagabend hat die Verwaltungsrats-Mehrheit Kuoni-Präsident Affolter vorläufig vom Amt suspendiert. Am Montag erschien der Verwaltungsrats-Präsident jedoch normal am Kuoni-Sitz zur Arbeit, wie Konzernsprecherin Silvia Behofsits erklärte. Der Reisekonzern habe ihm nun eine Frist bis Mitternacht eingeräumt, um sein Büro zu räumen.

Wie angekündigt habe die Verwaltungsrats-Mehrheit eine Aufsichtsbeschwerde und eine Strafanzeige gegen Affolter eingereicht. Ungetreue Geschäftsführung und persönliche Bereicherung sind die Vorwürfe, die gegen den Präsidenten der Kuoni und Hugentobler-Stiftung vorgebracht werden.

Affolter will die Suspendierung anfechten, wie sein Sprecher Jean-Marc Hensch am Montag bekannt gab. Weil der Beschluss ohne ordnungsgemässe Einberufung des Verwaltungsrates erfolgt sei, bleibe er ungültig und wirkungslos.

Aktionäre haben letzes Wort

Die Suspendierung wäre ohnehin nur vorübergehend. Eine definitive Absetzung von Verwaltungsratsmitgliedern liegt allein in der Hand der Aktionäre, wie Rolf Weber, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich, sagte. Zur Bestätigung der Suspendierung sei der Verwaltungsrat verpflichtet, unverzüglich eine Generalversamlung einberufen.

Die bereits früher geplante ordentliche Kuoni-Generalversammlung vom 15. Mai kann nicht über eine Absetzung befinden, da eine Abwahl nicht auf der Traktandenliste erwähnt ist.

Kuoni kläre derzeit ab, ob eine zweite Aktionärsversammlung nötig sei, sagte die Sprecherin.

Gute Karten für Affolter

Im Showdown an einer Generalversammlung hat Affolter gute Karten. Denn die von ihm präsidierte Stiftung dominiert üblicherweise die Generalversammlungen. Mit ihrem Stimmrecht von 25 Prozent ist sie nur sehr schwer zu überstimmen.

Um diese 25 Prozent überhaupt wettzumachen, müsste die Verwaltungsrats-Mehrheit dafür sorgen, dass mindestens 50 Prozent des Aktionariats an dieser neuen Generalversammlung teilnehmen. Die durchschnittliche Beteiligung an Kuoni-Generalversammlungen betrug bislang aber lediglich 35 Prozent.

Langwieriger Gerichtsweg

An einem Entscheid der Aktionäre führt nach Ansicht Rolf Webers auch der Gerichtsweg vorerst nicht vorbei. Da viel auf dem Spiel stehe, gehe er davon aus, dass die Fälle bis vor Bundesgericht weitergezogen würden, sagte Weber. Bis dahin hätten die Aktionäre längst eine definitive Entscheidung zwischen den beiden Lagern getroffen.

Affolter hatte von der Kuoni und Hugentobler-Stiftung im vergangenen Jahr über 8 Mio. Franken erhalten. Er bezeichnete die Zahlungen als rechtmässige Abgeltung für Leistungen der vergangenen zehn Jahre. Am Wochenende hatte er angekündigt, die 8 Mio. Franken den SOS-Kinderdörfern zukommen zu lassen.

Börse reagiert negativ

Die Börse reagierte erneut negativ auf den Machtkampf. Der Preis der Kuoni-Aktien sank bis Handelsschluss um 2,58 Prozent auf 717 Fr. Der Gesamtmarkt (SPI) legte um 1,3 Prozent zu. Grund des Kurszerfalls ist die Unsicherheit im Machtkampf, wie Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, sagte.

Er hoffe auf eine Lösung der Vernunft, erklärte der Analyst. Er gehe davon aus, dass Affolter zum Wohl des Konzerns nachgeben werde.

swissinfo und Agenturen

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